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24.11.1995

Zurueck in die Zukunft

Christoph Witte

Mit dem Versprechen, aus Blei Gold zu machen, versuchten im Mittelalter pfiffige Alchimisten immer wieder, geldgierige Fuersten auszunehmen. Als langfristige Arbeitsplatzsicherung taugte dieses Vorgehen nie. Spaetestens wenn dem Betrogenen die Wahrheit bewusst wurde, musste der Scharlatan das Weite suchen.

Ebenfalls von der Not des Augenblicks diktiert scheint der Versuch von Oracle, IBM und anderen, mit der Idee vom Internet- oder Interpersonal PC (IPC) die Vorherrschaft von Intel und Microsoft in der PC-basierten DV-Welt zu brechen. Dieser IPC soll laut Oracle-Chef Larry Ellison lediglich 500 Dollar kosten, keine Festplatte und kein Diskettenlaufwerk aufweisen, mit weniger Speicher auskommen und alles, was ihn benutzbar macht uebers Netz und zwar am besten ueber das Internet, laden. Sowohl Oracle als auch IBM haben Maschinen dieses Typs fuer das naechste Jahr angekuendigt.

In einem solchen Szenario, das die Leistung vom Endgeraet wieder zum Server verlagert, haette Intel enorme Schwierigkeiten, weiterhin in immer kuerzeren Abstaenden leistungfaehigere Prozessoren am Markt durchzusetzen. Fuer die Betriebssysteme und Applikationen von Microsoft gilt aehnliches.

Abgesehen davon, dass der Verkehr auf dem bisher leider nur schmalbandig funktionierenden und ungenuegend abgesicherten Internet noch oefter zum Stillstand kommen wuerde als heute schon, muss die Frage erlaubt sein, was der Anwender von einer solchen Strategie hat. Er soll die in Client-Server-Loesungen investierten Summen abschreiben und wieder eine DV betreiben, die der IBM aehnliche Margen einbringen duerfte wie die alte Master-Slave-Welt; PCs durch minder intelligente Systeme, sprich Terminals, ersetzen und seine Informationsverarbeitung von Servern abhaengig machen, die er nicht kontrolliert.

IBM-Chef Louis Gerstner begruendet diese Back-to-the-future- Strategie, die er unter dem Schlagwort "network-centric-Computing" verkauft, mit den hohen Kosten, die der Aufbau von Client-Server- Loesungen und der Betrieb von PCs verschlaengen. Der Anwender unterliege beim PC einem permanenten Zwang zur Aufruestung, wenn er die Segnungen moderner Software nutzen wolle. Ausserdem seien IPCs weitaus besser administrierbar als die tendenziell zu Missbrauch anstiftenden PCs. Kein Aufspielen von Applikationen mehr vor Ort, mit entsprechender Autorisierung laesst sich alles aus dem Netz herunterladen.

In guter Alchimistentradition verheimlichen Ellison und Gerstner aber eine ganze Menge. So erklaeren sie nicht, ob die 500 Dollar den Verkaufspreis oder die Herstellungskosten des IPC meinen. Zum anderen wird der Anwender die Software, die er von einem wo auch immer plazierten Server laedt ebenfalls nicht kostenfrei beziehen. Neue Benutzerzeit-basierte Lizenzmodelle waeren die Folge, die dem Hersteller permanente Einnahmen, dem Anwender aber eine stetige Belastung und geringere Flexibilitaet einbraechten. Ausserdem wuerde die Benutzung der oeffentlichen Netze, ueber die ein solcher Datenverkehr zu realisieren waere, zusaetzlich eine Stange Geld kosten.