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18.07.2003 - 

Kolumne

"Zurück zu Papier und Tinte?"

18.07.2003
Christoph Witte Chefredakteur CW

Politisch ist es absolut korrekt, sich über Spam - also massenweise verschickte Werbe-Mails - aufzuregen.

Und seit sich Szene-Promis wie Bill Gates ebenfalls öffentlich über diese digitale Post echauffieren, bekommen die Anti-Spammer noch mehr Oberwasser. Zurzeit beschäftigt sich selbst der amerikanische Kongress mit dem Thema. Debattiert wird allerdings nur, welche Opt-out-Variante angewendet werden soll. Die Republikaner fordern Opt-out für alle kommerziellen Massensendungen, nicht aber für solche mit religiösem, karitativem oder politischem Hintergrund. Die Demokraten propagieren die strengere Variante. Danach soll jedwede Werbe-Mail so lange zugestellt werden dürfen, wie der Adressat nicht widerspricht. Die europäische Opt-in-Variante, wonach E-Mail-Nutzer ausdrücklich erklären müssen, elektronische Postwurfsendungen empfangen zu wollen, steht in den USA gar nicht zur Diskussion.

Wie auch immer die Debatte ausgeht: Es versteht sich von selbst, dass solche Verordnungen und Gesetze nur bei den Gesetzestreuen verfangen. Alle anderen, die falsche Viagra-Pillen, Penis-Verlängerungen und sonstige auf den Vermehrungstrieb ausgerichtete Dienstleistungen anbieten, dürften sich an solchen Gesetzen nicht stören. Da ihre Angebote selbst oft illegal sind, kümmert es sie kaum, wenn sie auch gegen die Bestimmungen zur Verbreitung von Massen-Mails verstoßen. Das gilt insbesondere für solche böswilligen Zeitgenossen, die Spam benutzen, um Viren zu verbreiten oder die Empfänger auszuspionieren.

Es gibt nur zwei Dinge, die gegen Spam helfen können: Kosten und Filter. Würden Internet-Provider beispielsweise nicht mehr den Mail-Verkehr ihrer Kunden nur in Megabyte abrechnen, sondern auch die Zahl der Adressen berücksichtigen, an die eine Mail verschickt wird, ließen sich Massen-Mails sehr viel teurer machen, als sie heute sind. Gegenwärtig stellen sie wohl den mit Abstand billigsten Weg dar, seine Mitmenschen mit Botschaften zu belästigen.

Auch mit Filtern lässt sich Spam blocken. Noch allerdings funktionieren diese Werkzeuge nicht perfekt. Sie lassen entweder zu viel Werbung durch, oder sie blockieren auch E-Mails, die ihren Empfänger unbedingt erreichen sollten. Außerdem haben Spammer bisher auf fast jede Filterentwicklung eine entsprechende Antwort gefunden, so dass die Flut der Werbebotschaften kaum abgeebbt ist. So steht zu befürchten, dass Filterhersteller und Spammer sich künftig ein ähnliches Rennen liefern wie Automobilhersteller und Diebe: Die einen entwickeln immer sicherer zu verschließende Autos, die anderen immer raffiniertere Mechanismen zum Aushebeln der Sicherungssysteme. Das Ergebnis solcher Entwicklungen ist in der Regel, dass nur der Gelegenheitsdieb keine Chance hat. Die Profis arbeiten weiter.

Wirklich voran bringt uns in der Spam-Hysterie letztendlich wohl nur Gelassenheit und Wegklicken. Genauso wie Sie morgens beim Post holen den Werbemüll aus Ihrem Briefkasten entsorgen, verfahren Sie mit Ihrer Mailbox. Jede Errungenschaft hat ihre Kehrseite. Bei der E-Mail ist es Spam. Wen diese schlichte Tatsache zu sehr nervt, der sollte doch einfach wieder zu Papier und Tinte greifen.