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08.08.1975 - 

Zwei Firmen wagten den umstrittenen Schritt

Zurück zur 360

HANNOVER - Bekanntlich hat IBM Schwierigkeiten ihre Kunden im vorgesehenen Tempo vom System 360 zum System 370 "upzugraden" - so der VB-Jargon. Noch immer sind über die Hälfte der bei den Kunden installierten Anlagen 360-Systeme, wenngleich erheblich mehr 370-Rechner bereits geordert sind. Diese Verzögerungen im IBM-"Migration"-Zeitplan sollen auch für die Rückstellung der ursprünglich für 1976 geplanten Ankündigung des "Future Systems" verantwortlich sein. Um so ärgerlicher für die IBM-Marketing-Strategen, daß die Zahl der "Rückwanderer" zunimmt. "Zurück zur 360" also das Abmieten bereits installierter 370-Maschinen und Tausch für entsprechend größer konfigurierte, geleaste oder gebraucht gekaufte 360-Anlagen ist in den USA schon seit längerem ein Trend - vor allem bei kostenbewußten Service-Rechenzentren, der nunmehr auch in der Bundesrepublik belegt werden kann.

Einsparung monatlich 36000 Mark

Bei der Firma K. AG in H., einem Unternehmen des Bergbaues und der Chemieindustrie, das kürzlich durch Erdrutsche im Raum Hannover in die Schlagzeilen kam, steht seit 1. Juni 75 wieder eine IBM 360. Die Firmenleitung ersuchte CW, nicht den Firmennamen zu nennen. Die zuvor installierte 370-135, 144 K, 6 x 2319, 4 x 3420 wurde abgemietet, ebenso wurde die Aufstockung auf 256 K und der Übergang auf 3340-Platten gecancelled. Statt dessen leaste die Firma im Dreijahresvertrag von der Leasco eine 360-40 mit 256 K und erweiterter Peripherie: 8 BASF-Platten 2319 kompatibel; 6 BASF-Bänder, 3420 kompatibel. Die Preisdifferenz im Vergleich zum vorher georderten aufgestockten System: statt 66.250 Mark jetzt 30.500 Mark, jeweils inklusive Wartung. Der Vergleich beim Etatposten Zentraleinheit: 37 767 für die 135 mit 144 K, 44 982 Mark für die 135 mit 256 K, 13 800 Mark für die 360-40 mit 256 K.

Für EDV-Leiter S. (36), war einer der Gründe, seiner Geschäftsleitung als kostensparende Alternative vorzuschlagen, daß er "fest davon überzeugt ist, daß die IBM 360 eine ganz vorzügliche Maschine ist". Er weiß es, denn er war selber vier Jahre IBMer - als SE und auch als VB.

160 K reichten nicht

Die entsprechende Umstellung soll bei der Firma Heye Glas, Obernkirchen bei Hannover erst noch kommen. Zum 1. Oktober wurde die derzeit installierte 370-125, 160 KB, reine Plattenanlage mit 2 Memorex 100 Mio.-Platten, 3330 kompatibel, gekündigt. Am 1. September 75 wird GTE Information Systems eine 360-40 mit 256 K (128 K Telex-Speicher) 8 Memorexplatten, 2319 kompatibel, und 2 Telexbändern, 3420 kompatibel, liefern, - ebenfalls im Dreijahresvertrag. Die 370-125 war zunächst mit 48 K bestellt worden, dann waren es 96 K, 128 K und schließlich 160 K bevor am DOS-Release 27 CICS für die Auftragsabwicklung über Bildschirme lief.

Erweitert billiger als zuvor

Für die CPU und die reine Batch-Peripherie zahlt die Firma derzeit monatlich 31565 Mark inklusive Wartung, für die Parallelläufe im September kostet die Leasing-Anlage noch nichts, dann aber monatlich 14 980 Mark plus den dicken Brocken von 6376 Mark monatlich für die Wartung. Die nötige Kapazitäts-Erweiterung bei Hauptspeicher und Peripherie kann also bei gleichzeitiger Einsparung von monatlich 10 000 Mark realisiert werden.

Ins Gewicht fällt auch, daß für die 360-Software keine Lizenzgebühren zu zahlen sind.

Uwe Mordhorst (32), Leiter Organisation und Programmierung berichtet, daß als Reaktion der Geschäftsleitung auf seine Sparvorschläge die Antwort kam: "Warum haben wir das nicht schon früher gemacht?" Vor dieser Einstellung - so Mordhorst - müsse dringlich gewarnt werden. Es sei nicht möglich solche Einsparungen immer, ad infinitum zu realisieren. "Irgendwann kommt der Punkt, wo man wieder den Anschluß für die Anforderung der Zukunft finden muß. Und dann wird der Sprung auf das neueste Equipment - vielfach verbunden mit deren gültiger Software-Lizenzgebühr - sehr teuer."

Auch über die kommenden Drei-Billig-Jahre müsse eine Art Schatten-Budget geführt werden, damit die jeweiligen Einsparungen nicht als Normalzustand erachtet werden.

Daß diese Einsparungen sich insgesamt auf etwa 350 000 Mark belaufen werden, kommt der Firma allerdings sehr gelegen.