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RISC und Unix im Zentrum des Interesses

Zusammenarbeit zwischen Cray und Sun bei Hard- und Software

07.02.1992

MOUNTAIN VIEW (jm) - Die verschiedenen Leistungsbereiche der Rechner überlagern sich im Zuge des Zusammenschlusses heterogener DV-Systeme immer mehr: Dieser Trend erhält weitere Bestätigung durch eine Absichtserklärung zur Zusammenarbeit auf Hard- und Softwareebene, welchen die Cray Research Corp. und die Sun Microsystems Inc. jetzt bekanntgegeben haben.

Danach wollen der Marktführer für RISC-basierte Workstations und der Supercomputer-Primus aus Eagen, Minnesota, ihr Know-how zusammenwerfen und Technologiewissen austauschen, uni beider Produkte softwaremäßig besser miteinander kommunizieren zu lassen. Die Übereinkunft deckt verschiedene Projekte ab, über die jedoch noch keine Details genannt wurden.

Klar scheint allerdings, daß die Bemühungen vor allem darauf abzielen, gemeinsam Software-Produkte zu entwickeln, um Workstations mit Suns Sparc-Prozessoren und Crays Supercomputern effizienter zusammenarbeiten zu lassen.

Cray äußerte darüber hinaus, man wolle Supercomputer entwickeln, die als Server den Informationsfluß in Netzen mit hinderten Arbeitsplätzen dirigieren können. Diese Rechner mit Sparc-CPUs will Cray nach eigenen Aussagen bis Ende 1993 zu Preisen zwischen einer und drei Millionen Dollar auf den Markt bringen. Cray-Offizielle bestritten allerdings, daß es sich bei den neuen Maschinen um massiv-parallele Systeme unter Verwendung der Sparc-RISC-Architektur handeln wird.

Der Cray -Sun-Deal kommt nicht überraschend: Cray hatte erst vor kurzem (Vgl. CW Nr. 3 vom 17. Januar 1992, Seite 23: "Cray Research steigt doch ...") im Wege des Aufkaufs der finanziell am Boden liegenden Floating Point Systems Inc. (FPS) Sparc-Know-how akquiriert.

Das FPS-System nutzt bis zu acht Sparc-Prozessoren auf Basis einer symmetrischen Parallelarchitektur. Interessant an den "Serie 500"-Modellen ist ihr heterogenes Architekturkonzept, das FPS-intern unter der Bezeichung "Heterogeneous Supercomputing Strategy" firmiert: Parallel arbeiten in den FPS-Rechnern sowohl Skalar-, als auch Vektor- und Matrix-Prozessoren zusammen.

Außerdem kommt den FPS-500-Sparc-Maschinen zugute, daß ihr "iFPX"-Unix-Betriebssystem zumindest binärkompatibel zu Suns OS-Unix-Variante ist. Floating-Point-Anwendern steht somit das Feld der Sun-, sowie X-Windows-Anwendungen offen, die Benutzeroberflächen Open Look und OSF/Motif sind ebenfalls keine Terra incognita.

Das Abkommen ist nicht ohne Brisanz

Das Interesse an der FPS-Architektur unterstrich das john-Rollwagen-Unternehmen auch dadurch, daß zu deren Weiterentwicklung ein eigenständiges Tochterunternehmen - die Cray Research Superserver Inc. (nach US-Sprachgebrauch eine "wholly owned subsidiary") etabliert wurde, deren Ziel die Produktion und Vermarktung von Sparc-Servern ist.

Das Abkommen zwischen den beiden Marktgrößen ist allerdings auch aus einem anderen Grund nicht ohne Brisanz: Cray Research hat sich gerade erst mit DEC in ein gemeinsames Bett gelegt, um durch die Olsen-Company die Einstiegssupercomputer Cray YMP-EL ab 1. Juli 1992 als einziger Vertreiber verkaufen zu lassen. Der Midrange-Anbieter betreibt bekanntlich momentan - offiziell inoffiziell aber mit um so mehr Nachdruck - eine Werbekampagne für die eigene RISC-Entwicklung "Alpha".

Für das Konkurrenzprodukt zu Prozessoren wie der Mips-, HP-PA-, IBM-Power- und eben der Sun-Sparc-CPU suchen die Marketiers aus Maynard noch Lizenznehmer. Cray Research gehört zu den heißen Kandidaten, ohne daß es hierzu allerdings schon definitive Aussagen gibt. Deutschland-Manager Wolfgang Kroj von der Cray Research GmbH durfte lediglich aussagen, daß es bezüglich des Alpha-Projektes ein Non-disclosure-Abkommen mit Digital Equipment gäbe. Angesprochen auf' die für Februar bevorstehende offizielle Vorstellung des Alpha-Prozessors meinte Kroj noch: "DEC wird in puncto Verlautbarungen den ersten Schritt machen müssen betreffs Alpha-Lizenznehmern."

Von Sun war bezüglich dieses vorgeblichen Menage a trois lediglich zu hören, es sei durchaus üblich, sich nach allen Seiten um Partner zu bemühen und die erfolgversprechendsten Optionen zu eruieren. Ansonsten verweist der Workstation-Spezialist auf Cray: "Fragen Sie bei Cray nach, wie die es mit ihrer zukünftigen Architektur-Planung halten werden." Cray Research hat nach Insider-Berichten schon geäußert, man plane für Februar -just zur Zeit der offiziellen DEC-Alpha-Ankündigung - die Veröffentlichung der zukünftigen Cray-Pläne. Diese bezögen sich auf den Einsatz der Alpha-CPU in massivparallelen Supercomputern.

Das einzig Verwunderliche so der Sun-Informant weiter an Cray Researchs Orientierung hin zu kleineren Systemen sei weniger die momentane Unklarheit, auf welche RISC-Technologie der Supercomputer-Hersteller sich zukünftig festlegen werde: "Erstaunlich ist der Zeitpunkt des Umdenkens bei denen. Daß die Rollwagen-Leute erst jetzt die leidige Branchenvokabel Downsizing buchstabieren können, ist das eigentlich Verwunderliche", merkte die Sun-Quelle gegenüber der CW etwas kritisch an.