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12.01.1979

Zusammenwirken der Fernmeldedienste mit DV schafft Probleme

Mit Staatssekretär Dietrich Eilas, Bundespostministerium, sprachen Dieter Eckbauer und Elmar Elmauer

- Die Deutsche Bundespost beansprucht ein Monopol für Modems bei der Datenfernübertragung im Rahmen der Direktrufverordnung. Es gibt aber private Modems in jedem elektronischen

Fernschreibgerät, in jedem Tonkoppler für die Datenübermittlung und in jedem Telekopierer. Wird durch diese unterschiedliche Behandlung nicht das Grundrecht auf Gleichheit verletzt?

In allen öffentlichen Netzen hat die Deutsche Bundespost die Aufgabe, für die Datenübertragung das Transportsystem bereitzustellen. Dieses umfaßt die Übertragungseinrichtungen, deren letztes Glied das Modem ist. Als Übergabestelle an den Teilnehmer beziehungsweise an das Datenendgerät ist eine standardisierte Schnittstelle definiert. Diese mit Rücksicht auf die Kompatibilität der Datengeräte verschiedener Hersteller zweckmäßige Konzeption ist für andere Anwendungen, wie Fernschreiber oder Fernkopierer, bisher von den Normungsgremien nicht gefordert worden.

- Im Direktrufnetz gibt es keine zeitabhängigen Verbindungsgebühren, sie werden vielmehr pauschal berechnet. Ein Direktrufnetz gibt es im technischen Sinne jedoch nicht. Es besteht vielmehr je nach der gewünschten Leistungsfähigkeit der Verbindungen aus Telexleitungen. Fehlverbindungen über Text, Fernsprech- und Datexleitungen werden jedoch zeitabhängig berechnet: Weshalb ist das bei Direktruf-Verbindungen nicht möglich?

Die Deutsche Bundespost bedauert nach wie vor, daß es ihr zur Zeit noch nicht möglich ist, verkehrsabhängige Gebühren im Direktrufnetz zu erheben. Es ist zwar richtig, daß es ein Direktrufnetz in technischem Sinne nicht gibt, sondern vielmehr die Leitungen im allgemeinen Netz der DBP geschaltet werden. Es ist jedoch nicht richtig, daß Hauptanschlüsse für Direktruf für Telegrafie-, Fernsprech- oder Datenübertragung über das Telex-, Fernsprech- oder Datexwahlnetz geführt werden.

Nur in der jeweiligen Wählvermittlungsstelle ist eine Gebührenerfassung möglich. Nach Abschluß der Untersuchungen über die Möglichkeiten zur Gebührenerfassung auf festgeschalteten Verbindungen wird geprüft werden, ob deren allgemeine Anwendung dort wirtschaftlich ist und zu weichen Konditionen die verkehrsabhängige Gebührenerfassung eingeführ werden kann.

- Restriktives Verhalten der Bundespost verhindere die Einführung neuer Übertragungstechnichen - etwa die des Datentelefons: Wie begründet die Bundespost den Widerspruch, daß das Datentelefon als Telefonnebenstellen-Anlage zugelassen ist und im geschlossenen System als "nicht amtsberechtiger Teilnehmer" betrieben werden darf, daß es zugleich nicht über öffentliche Netze angewählt werden darf, obwohl das integrierte Modem eine FTZ-Zulassung besitzen muß und nach denselben Kriterien geprüft wird, die auch für eine Unschädlichkeit beim Betrieb in öffentlichen Netzen zu beachten sind?

Das hier angesprochene Datentelefon berücksichtigt nicht die international vereinbarten Schnittstellenbedingungen für Datenübertragung und ist mit den von der DBP eingesetzten Modems nicht kompatibel. Aus diesem Grund beschränkt sich die Zulassung des Datentelefons auf die Benutzung innerhalb von Nebenstellenanlagen. Bei der Zulassung von Einrichtungen für den Betrieb an dem allgemeinen Fernsprechnetz ist nicht nur - wie für den internen Betrieb innerhalb von Nebenstellenanlagen - deren Unschädlichkeit gegenüber dem öffentlichen Fernsprechnetz, sondern vor allem die Kompatibilität

mit den technischen Einrichtungen dieses Netzes und den übrigen angeschlossenen Geräten zu beachten. Für den Datenverkehr in Nebenstellenanlagen wurden mit der Industrie Rahmenregelungen erarbeitet, nach denen heute in erheblichem Umfang Datenverkehr innerhalb der Nebenstellenanlagen und mit dem allgemeinen Netz abgewickelt wird.

- Noch ein Beispiel vom Datentelefon, das allerdings für die miserable Gebührenpolitik der Bundespost steht: Ein 1200-Baud-Modem der Bundespost kostet fast 160,- Mark monatliche Gebühr. Das gleiche, vollpostkompatible Modem im Datentelefon kostet bei Nixdorf 120, -Mark Monatsmiete: Zu Postpreisen kalkuliert, mußte Nixdorf also den doppelten Preis verlangen.

Der Hinweis auf überhöhte Gebühren der Deutschen Bundespost in bezug auf Modems überrascht mich sehr, da zum selben Zeitpunkt der Post Discountpreise für Modems 4800/Bit/s und 9600 Bit/s vorgeworfen werden. Trotzdem will ich auf Ihre Frage gern eingehen. Allerdings ist der von Ihnen angestellte Vergleich nicht stichhaltig, weil entgegen Ihrer Meinung die Kompatibilität zwischen den beiden Modems nicht gegeben ist. Aber selbst wenn die Voraussetzungen für einen Vergleich gegeben wären, könnten viele Punkte einen Preisunterschied rechtfertigen

- An allererster Stelle der Aufwand und die Leistung,

- an zweiter Stelle die Mietkondition (Mindestüberlassungsdauer, Kündigungsfrist u.a.).

- Die bisherige Gebührenpolitik der Bundespost hat den Anwendern eine bestimmte Verarbeitungsform aufgezwängt: Remote Batch. Dialog war nicht möglich. Ist die künftige Gebührenpolitik der Bundespost ein taugliches Mittel, den Dialog-Diensten zu Anwender-Akzeptanz zu verhelfen?

Diese Behauptung ist wohl so pauschal kaum aufrechtzuerhalten: sie mag zutreffen , für das Fernsprechnetz. Dort kann aber für ein Promille Datenteilnehmer kein besonderer Tarif eingeführt werden. Nicht ohne Grund ist die Datenübertragung im Fernsprechnetz nur als eine "erweiterte Benutzung" angeboten. Für das Direktrufnetz trifft die Behauptung bestimmt nicht zu, weil der Tarif volumen- und zeitunbhängig ist.

Im Datexnetz ist durch einen Ein-Sekunden-Zeittakt den Dialogwünschen Rechnung getragen.

Im paketvermittelten Datexdienst, der als weitere Dienstleistung geplant ist, wird die Proportion von Zeit- und Volumengebühr dialogfreundlich gestaltet.

- Die Bundespost hat sich bei ihren Leitungs- und Terminalplanungen an der Eurodata-Studie ausgerichtet: Inzwischen zeigt sich, daß der darin prognostizierte Bedarf nicht erreicht wird, zumal durch lokales Distributed Processing im Bereich der innen Datenkommunikation das Daten-Fernverarbeitungsvolumen abschwillt. Werden Sie auf das geringere Volumen durch niedrigere Investitionen reagieren?

Die Prognose der Eurodata-Studie ist in die Langfristplanung der Deutschen Bundespost eingeflossen. Die Abweichungen zwischen der Prognose und der tatsächlichen Entwicklung werden

durch die mittelfristige Planung abgefangen. Diese richtet sich nach einem eigenen Planungssystem, dem die maschinelle Erfassung der Entwicklungsdaten und der Lagerbestände zugrunde liegen. Die augenblickliche Entwicklung gibt keinen Anlaß, die Investitionen zu reduzieren.

- Ist es nicht ein grundsätzliches Problem, daß erst die Bundespost durch das Angebot an technischen Möglichkeiten zur Datenkommunikation den Bedarf bei den Anwendrn weckt?

Das Zusammenwirken der Fernmeldedienste mit der Datenverarbeitung schafft tatsächlich für alle Beteiligten Probleme und Risiken. Das Angebot der DBP muß immer marktgerecht und an den Wünschen unserer Kunden orientiert sein. Wir, das heißt die Deutsche Bundespost, bemühen uns, durch Zusammenarbeit mit Herstellern und Anwendern in einer Vielzahl von Ausschüssen das Bedarfsprotil ständig zu beobachten, um die Fernmeldedienste auf die Bedürfnisse abstellen zu können. Auch die Arbeit in Normungsgremien zur Standardisierung von Einrichtungen, Steuerungsverfahren und so weiter, ist

in ihrer Bedeutung nicht zu vernachlässigen.

- Die Post neigt dazu, für jede Anwendung ein spezielles Netz zu schaffen. Aber: Wird es nicht auch in der Zukunft sehr viele Anwender geben, die keinen Bedarf haben, im IDN zu kommunizieren?

Ihrer Eingangsthese muß widersprochen werden: Die Post gestaltet ihre öffentlichen Datennetze nämlich nicht für bestimmte Anwendungen. Sie käme sonst in die mißliche Lage, direkt und indirekt auf die Implementierung neuer Anwendungen von Datenfernverarbeitung Einfluß zu nehmen. Die Post will und kann das nicht. Sie ist vielmehr bestrebt, sich anwendungs- und produktneutral zu verhalten. Die Anwender von Datenfernverarbeitung sollen aus Sicht der Post auch in bezug auf die Inanspruchnahme der Fernmeldedienste volle Freizügigkeit behalten. An den Ausbau des IDN wird daher nicht der Zwang geknüpft sein, die entsprechenden Dienste (Datex etwa) zu benutzen.

- Ist unter solchen AsPekten beispielsweise der Bildschirmtext als primitives Haushalt nicht eine zu kostspielige Investition für die Zukunft?

Der Bildschirmtext verbindet unter einem einheitlichen Standard die unterschiedlichsten Anwendungen und wird damit für alle diejenigen Benutzer im privaten und geschäftlichen Bereich interessant, die keinen ständigen Datenbankzugriff benötigen. Das Konzept des Bildschirmtextes läßt eine breite Nachfrage erwarten, auf deren Grundlage allein niedrige Preise für alle Systemkomponenten möglich sind. Im einzelnen sind dies:

- billige Endgeräte durch die Mitbenutzung des Fernsehapparats,

- billige Modems durch kostengünstige Massenfertigung,

- niedrige Tarife für den Zugang zu den Bildschirmtext-Zentralen über das Fernsprechnetz,

- geringe Kosten für die Informationsspeicherung durch anteilige Speicherbelegung,

- Umlage - der Informationsbeschaffungskosten auf einen großen Abruferkreis.

Der über die reine Abfragemöglichkeit hinaus vorgesehene Rechnerverbund ,wird von dem Einfach -Terminal aus auch, den Zugang zu Buchungssystemen, speziellen Datenbanken etc. eröffnen, die in externen privaten Rechnern vorgehalten werden. Für diesen Datentransport ist die Mitbenutzung eines allgemeinen Datennetzes, nicht etwa der Aufbau eines zusätzlichen Datennetzes vorgesehen.

Provoziert die Beschaffungspolitik der Bundespost, die hauptsächlich etablierte Hersteller berücksichtigt, nicht einen Konflikt zwischen "Hoflieferanten" wie Siemens, SEL, T & N etc. und den Newcomern aus der Computer- und Bauelementeindustrie?

Viele Jahre schon hält sich das Märchen von den Hoflieferanten. Gemeint ist offenbar der Kreis der Amtsbaufirmen, mit denen notwendigerweise feste Beziehungen für den Bau von Wählvermittlungen, Übertragungsstellen etc. bestehen, mit den Modems hat das aber nichts zu tun. Dort haben wir zur Zeit sieben Lieferanten, und es wird sich nicht verhindern lassen, daß die Zahl weiter steigt. Bei Ausschreibungen werden in der Regel etwa zehn bis zwölf Firmen beteiligt - selbstverständlich auch Newcomer.