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02.04.2004 - 

Mit der Übernahme von SAP SI verschwindet ein Wettbewerber, aber:

Zustand der SAP-Partner bleibt kritisch

MÜNCHEN (jha) - Einhellig begrüßen Servicepartner und Marktbeobachter den Schritt der SAP, die SAP SI vollständig in den Konzern einzubinden. Damit verschwindet ein Wettbewerber und steter Quell für Querelen aus dem SAP-Servicemarkt. Einfacher werden die Geschäfte für die unabhängigen Projektdienstleister jedoch keineswegs.

Von den SAP-Servicepartnern ist nach dem beschlossenen Ende der SAP SI in der jetzigen Form ein kollektiver Seufzer der Erleichterung zu vernehmen. "Wir bewerten den Schritt sehr positiv", freute sich Herbert Vogel, Vorstandsvorsitzender der Itelligence AG, Bielefeld, in einer Telefonkonferenz. "Es macht die Landschaft übersichtlicher", sagte Georg Konrad, Vorstand des SAP-Alliance-Partners Novasoft AG, Heidelberg. Und auch Ferri Abolhassan, Vorstandssprecher der IDS Scheer AG, Saarbrücken, zeigte sich zuversichtlich: "Die Kommunikation wird leichter, denn es gibt künftig einheitliche Ansprechpartner bei der SAP."

Was macht SAP SI im Markt?

Bislang konnte kaum jemand die Rolle der SAP SI und die Abgrenzung zur internen Beratungseinheit, der SAP Consulting (früher Global Professional Service Organisation), eindeutig erklären. "Vermutlich haben selbst die SAP- und SAP-SI-Berater nicht gewusst, warum sie in zwei unterschiedlichen Einheiten arbeiten mussten", spöttelte Philip Carnelley, Software Research Analyst bei Ovum. Ursprünglich sollte die SAP SI Projekte übernehmen, in denen die Einbindung von SAP-Produkten in Fremdlösungen gefragt war. Die SAP-eigenen Berater waren dagegen für strategische Vorhaben vorgesehen, etwa bei Schlüssel- und Pilotkunden. Sie sollten dafür sorgen, dass wichtige Erkenntnisse aus dem Projektgeschäft in die Weiterentwicklung der Lizenzprodukte einfließen. Unterm Strich sprachen jedoch beide Teams die gleichen Kunden mit ähnlichen Leistungen an.

Der Unmut der Partner konzentrierte sich auch deshalb auf die SAP SI, weil sie immer im Verdacht stand, von der SAP bevorzugt mit Kundenprojekten bedacht zu werden. Auch SAP-intern war der Dresdener IT-Dienstleister umstritten. Vor allem der deutschen Landesgesellschaft und dem hiesigen Servicearm fiel die Abgrenzung zur SAP SI bisweilen schwer, was zu Reibungsverlusten führte. "Seit die SAP die Mehrheit erworben hat, ist die SAP SI der Zankapfel der Branche", bringt es Nils Niehörster, Geschäftsführer von Raad Consult aus Münster, auf den Punkt. "Nach der hunderprozentigen Übernahme ist endlich klar, woher der Wind weht."

SAP beherrscht das Servicegeschäft

Für die Partner wird die Situation damit zwar klarer, aber keineswegs besser. "Unsere 1600 Consultants verschwinden nicht vom Markt", kündigte Müller bereits an. Zusammen, so schätzt Niehörster, nehmen SAP und SAP SI jeden fünften in Deutschland für SAP-Projekte ausgegebenen Euro ein. Die einzige spürbare Veränderung, die die Übernahme bewirken könnte, beschreibt IDS-Scheer-Manager Abolhassan: "Der Druck einer börsennotierten und gewinnorientierten SAP SI auf den Markt ist größer als der Druck durch die internen SAP-Consultants. Die SAP justiert das Maß an Beratern danach, was die Kunden an direkter Betreuung benötigen."

Die Branche könnte nach drei aufeinander folgenden Krisenjahren etwas weniger Druck gut gebrauchen. Zwar haben die meisten die Flaute genutzt, um ihren Service-Bauchladen zu entrümpeln, doch die Unternehmenszahlen zeigen immer noch deutliche Spuren der Krise.

Einnahmeneinbrüche meldeten zuletzt auch Syskoplan (minus 22 Prozent auf 40,1 Millionen Euro), Novasoft (minus 15 Prozent auf 61,4 Millionen Euro), Itelligence (minus 11 Prozent auf 151 Millionen Euro) und Realtech (minus drei Prozent auf 55,3 Millionen Euro). Nun konzentriert sich die gesamte Hoffnung der SAP-Partner auf eine Besserung im laufenden Jahr. "Wir erwarten noch nicht in der ersten, wohl aber in der zweiten Jahreshälfte eine spürbare Verbesserung, denn das Projektgeschäft folgt dem Lizenzgeschäft mit einer Verzögerung von sechs bis zwölf Monaten", zeigte Novasoft-Manager Konrad Zuversicht.

Mit ihrer Prognose, das Lizenzgeschäft werde im laufenden Jahr um zehn Prozent zulegen, schürt die SAP die Hoffnung der Servicepartner auf eine Wende, doch RAAD-Experte Niehörster rät zur Vorsicht. "Die addierten IT-Budgets aller SAP-Kunden in Deutschland werden 2004 leicht unter dem Niveau von 2003 liegen", schätzt er. "Wir sehen noch keine grundlegende Besserung." Das größte Problem der Branche ist der anhaltende Preiskampf, in den fast alle Anbieter in den vergangenen Jahren eingestiegen sind. Zudem haben auch die Anwenderunternehmen in der Krise hinzugelernt und beziehen mittlerweile IT-Services über den zentralen Einkauf - auch darunter leiden die Preise und Margen der IT-Dienstleister.

Dem SAP-Servicemarkt steht ein schwieriges Jahr bevor. Weitere Übernahmen nach dem Vorbild SAP SI und SAP sind kaum zu erwarten. Die meisten Marktbeobachter rechnen mit einem Verdrängungswettbewerb, denn in Zeiten niedriger Berater-Tagessätze werden die finanzkräftigen IT-Dienstleister kaum ihre schwächelnden Konkurrenten samt ihren Consultants übernehmen.

Zudem wird die SAP die Partnerlandschaft auf Trab halten. Zwar schenken alle Marktbeobachter den SAP-Beteuerungen Glauben, keine weiteren Anteile im Projektgeschäft anzustreben, doch lassen die Walldorfer offen, in welche Richtung sich die neue Consulting-Einheit bewegen wird. "SAP nähert sich neuen Märkten immer mit Hilfe von Partnern", erläutert Niehörster. "So identifiziert sie zunächst interessante Geschäftsfelder, um sie im nächsten Schritt zu besetzen. Auf diese Weise ist beispielsweise SAP-Hosting und die Global PSO entstanden." SAP-SI-Finanzvorstand Müller warnte bereits: "Für die Partner ergeben sich durch den angekündigten Schritt keine neuen Freiräume, ganz im Gegenteil: Die SAP wird mit Themen wie IT-Architektur und Business-Consulting Bereiche besetzen, in denen SAP Consulting bislang nicht vertreten war."

SAP SI in Kürze

Der IT-Dienstleister SAP Systems Integration AG (SAP SI) entstand im April 2000 aus der Zusammenführung von drei Unternehmen:

- Das Systemhaus SRS AG (SRS = SAP, Robotron, Siemens-Nixdorf) wurde 1990 von SAP, Siemens-Nixdorf und 300 Ex-Robotron-Mitarbeitern in Dresden gegründet.

- Die TOS GmbH Gesellschaft für Technologie, Organisation und Softwareentwicklung ist bereits seit 1980 auf dem Markt und wurde nach und nach von der SAP übernommen. Seit 1994 firmiert sie unter SAP Solutions GmbH.

- Die SAP SI GmbH wurde 1997 als IT-Dienstleistungsunternehmen der SAP AG und der Software AG gegründet.

Im September 2000 erfolgte der Börsengang der in die SAP SI zusammengeführten Gesellschaften zu einem Emissionspreis von 19 Euro pro Anteilschein. Im Juli 2001 verkaufte der Siemens-Konzern seine SAP-SI-Anteile an die SAP AG, deren Beteilung damit auf über 60 Prozent stieg. Auch die Software AG reduzierte laufend ihr Engagement. Zuletzt hielt das Unternehmen weniger als fünf Prozent an SAP SI als reine Kapitalanlage.

SAP SI beschäftigt rund 1850 Mitarbeiter, davon etwa 1600 Berater. Der Umsatz sank im Geschäftsjahr 2003 auf 280,3 Millionen Euro (Vorjahr: 293,2 Millionen Euro). 11,5 Prozent der Einnahmen entfielen auf Hosting- und Outsourcing-Dienste. Der Vorsteuergewinn belief sich auf gut 40 Millionen Euro.