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Tandem contra Olivetti vor bunter Bildschirmwand:


28.03.1986 - 

Zuviel Fernsehen schadet dem Nachbarn

HANNOVER (CW) - Die bunte Bildschirmwand ist bei vielen CeBIT-Ausstellern als Kundenmagnet äußerst beliebt. Manchmal aber gibt es Arger mit dem Standnachbarn, wenn die Menschentrauben vor den Flimmerkisten allzu dicht werden. So konnte man heuer in Halle 1 beobachten, wie sich einige Dutzend Zuschauer ungeniert auf dem gepflegten Teppichboden von Tandem Computers niederließen, um die Videoshow des Nachbarn Olivetti zu verfolgen.

Schlimmer noch: Dahinter trampelten wegen des hoffnungslos verstopften Durchgangs eilige Passanten ebenfalls quer durch das Tandem-Revier. Dem Mainframeproduzenten wäre das ja recht gewesen, wenn die Glotzer und Marschierer als potentielle Kunden auch ein Auge auf die eigenen Produkte geworfen hätten. Davon konnte aber kaum die Rede sein. Was Wunder, wenn man das stündlich ablaufende Zwanzig-Minuten-Spektakel mit zunehmender Verbitterung registrierte. "Ich hab die zuständigen Herren schon am ersten Messetag deswegen kontaktiert", berichtet Tandem-Pressechef Fritz Jörn. Daraufhin hätten ihm die Olivetti-Leute versprochen, wenigstens die Lautstärke etwas zu reduzieren. Der Erfolg war offenbar gleich Null. Die Zuschauermasse vor der sechs Meter breiten Bildschirmwand blieb die gleiche. Nun wandten sich die verärgerten Tandem-Aussteller an die Messeleitung. Das letzte Gespräch am Samstag mit dem Vorstand der Messe und dem Geschäftsführer von Olivetti führte zu einer weitergehenden Einigung: Olivetti erklärte sich bereit, die Show auf neun Minuten herunterzuschrauben. Aber auch mit dieser Halbierung sind die Standnachbarn nicht zufrieden. "Nach meiner Meinung hat sich Olivetti mit dieser fest eingebauten Wand, die man ja nicht zurücknehmen kann, in eine schwierige Lage gebracht", sagt Fritz Jörn. Die Forderung von Tandem, daß der italienische Computer-Riese nur noch sieben Minuten lang mit einem Bildschirm operieren solle, bleibt allerdings illusorisch Bei Olivetti denkt man nicht daran, auf den Werbeeffekt der kompletten Flimmerwand zu verzichten.

Jetzt stehen sich die Kontrahenten buchstäblich mit der Stoppuhr in der Hand gegenüber. Bei Tandem zählte man minuziös zwölf Minuten "Sendezeit", wahrend Olivetti beteuert, nur noch die versprochenen neun Minuten lang zu berieseln. "Ich finde es gefährlich, wenn Nachbarschaften so ausarten", meint Richard Bachinger von Olivetti und betont, daß man sich zusätzlich mit dem Einsatz von Hostessen bemühe, die Zuschauermenge vor dem Tandem-Stand zu zerstreuen. "Wir werden uns nattürlich überlegen, wie wir in Zukunft solche Life-Verbindungen (zum Schwesterstand in Halle 13) aufbauen werden."

Die Messeleitung wollte zu dem anstehenden Problem kein offizielles Statement abgeben. Immerhin gab man zu verstehen, daß der Hausherr durchaus eingreifen könne, wenn Aussteller sich gegenseitig auf die Füße treten.