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29.01.1988 - 

Der Druck von seiten der Anwender wird zusehends stärker

ZVEI: Für Unix-Standard ein Zeitlimit setzen

MÜNCHEN (qua) - Herstellertreue oder Unix? Vor dieser strategischen Entscheidung stehen Anbieter wie Anwender. Wolfgang Raum, derzeit an der Spitze des Fachbereichs Informationsverarbeitung im ZVEI, propagiert den Unix-Weg und fordert, den Abschluß der Standardisierung auf einen bestimmten Termin festzusetzen.

"Die Anwender wollen mit unterschiedlichen Herstellern arbeiten; das ist auch gesund", erklärte Raum in München vor der Presse. Darüber hinaus orakelte er: "Ein Computerhersteller, der heute nicht Unix anbietet, kann morgen vor ernsthaften Absatzproblemen stehen."

Die Marktentwicklung spreche für sich: Im vergangenen Jahr sei die Anzahl der ausgelieferten Unix-Systeme weltweit um 61 Prozent auf 189 000, der darin investierte Wert um 78 Prozent auf 5,3 Milliarden USDollar gestiegen. Den Unix-Anteil am DV-Markt, 1986 rund sechs Prozent, sähen die Analysten für Anfang der 90er Jahre schon bei rund einem Viertel.

Die Hersteller im Bereich mittlerer Systeme können jedoch nicht verhehlen, daß viele ihrer Anwender auf der Großrechner-Ebene an IBM gebunden sind. Raum, neben seiner ZVEI-Tätigkeit bei der Nixdorf AG für den Bereich Fehlertolerante Informationssysteme verantwortlich, kann keinen Mainframe-Hersteller außer Amdahl benennen, der das herstellerunabhängige Betriebssystem unterstützt.

Gegen die Entwicklung eines eigenen Unix-Hosts spreche aus Nixdorf-Sicht zweierlei: Zum einen hätten bereits zu viele Anwender in MVS-Lösungen investiert; zum anderen orientierten sich die Paderborner an den Wachstumsprognosen der Marktforscher, und die sähen für den Mainframe-Bereich ziemlich ungünstig aus.

Allerdings bestreitet Raum nicht, daß seinem Unternehmen aus dem Verzicht auf einen eigenen Großrechner Wettbewerbsnachteile erwachsen können: Auf die Möglichkeit angesprochen, daß viele IBM-Mainframe-Anwender auch im Arbeitsplatz- und Abteilungsbereich auf IBM-Equipment umsteigen, wenn SAA Gestalt annimmt, räumte der Nixdorf-Manager ein: "Solche Kunden wird es geben."

Das sei allerdings kein Grund schwarzzusehen. Es handle sich hier nämlich um eine strategische

Entscheidung von Anwendern, die zunehmend mündiger würden; und das gelte nicht nur für die Großen, sondern auch für mittlere und kleinere Unternehmen, insbesondere für deren Verbände.

Große Akzeptanz, so führte ZVEI-Sprecher Raum weiter aus, genieße das herstellerunabhängige Betriebssystem vor allem in Banken und Versicherungen sowie Behörden (siehe CW Nr. 4 vom 22. Januar 1988, Seite 4: "ZVEI spricht sich für Unix-Standard aus "). Auch IBM und Digital Equipment müßten sich dem Druck des Marktes beugen und Unix-Produkte bereitstellen.

Der IBM-Rechner 6150 sei ein erster Schritt in diese Richtung, den der Hersteller vor allem deshalb getan habe, um bei öffentlichen Ausschreibungen überhaupt noch mitbieten zu können. Digital Equipment befinde sich hingegen in einer Zwickmühle. Raum: "DEC gibt nur ein halbes Bekenntnis zu Unix ab, um VMS zu schützen."

Darüber hinaus komme Unix auch den Interessen der Software-Häuser entgegen. "Auf der einen Seite beschweren wir uns, daß wir nicht genug qualifizierte Leute für die Entwicklung haben; auf der anderen Seite lassen wir sie dieselbe Software drei- oder viermal entwickeln", beschreibt Raum das gegenwärtige Dilemma. Eine standardisierte Anwendungsentwicklung könne 80 bis 90 Prozent des Entwicklungsaufwands einsparen.

Voraussetzung für die effiziente Nutzung aller Unix-Vorteile sei allerdings eine Standardisierung des in verschiedene Derivate zersplitterten Betriebssystems. "Die Hardware-Hersteller wollen die Arbeitsteilung mit den Software-Häusern", weiß Raum zu berichten, fügt jedoch hinzu: "Das geht aber nur, wenn man Standards hat."

Propagiert wird die herstellerunabhängige Standardisierung des von AT&T entwickelten Betriebssystems vor allem von der X/Open Ltd. Deren mittlerweile 13 Mitglieder (siehe auch untenstehenden Bericht) sind allerdings nicht immer einer Meinung. Raum: "Beim Benutzer-Interface knallen unterschiedliche Ausrichtungen aufeinander."

Auch die öffentlichen Normierungsgremien, vor allem das IEEE, haben sich des Themas angenommen. Mit einem Ergebnis ist laut Raum in den kommenden beiden Jahren zu rechnen; er plädiert dafür, die Standardisierung an einen Termin zu knüpfen. Klagt der Unix-Insider: "Kein Standardisierungsgremium arbeitet wie ein Unternehmen, obwohl ausschließlich Unternehmensvertreter darin sitzen."