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16.07.1982 - 

Nicht mehr als vier Stunden täglich:

Zwanzig Bedingungen zur Arbeit am Bildschirm

RÜSCHLIKON (sg) - Einmal in Gang gesetzt, scheinen in der Schweiz die Gespräche um die Bildschirmarbeitsplätze nicht mehr aufhören zu wollen. Ergonomie, Arbeitspsychologie und was dergleichen noch zu Diesem Thema angeboten wird, stehen momentan hoch im Kurs.

So auch bei einer kürzlich abgehaltenen Tagung im Gottlieb Duttweiler-Institut, wo Prof. E. Ulich vom Lehrstuhl für Arbeits- und Betriebspsychologie an der ETH-Zürich mit seinen Mitarbeitern gleich 20 Bedingungen, die seiner Meinung nach erfüllt sein müßten, zur Gestaltung von Bildschirmarbeitsplätzen präsentierte.

Diese möchten wir, da sie im Prinzip doch erheblich über das, was üblicherweise zu diesem Thema angeboten wird, hinausreichen, an dieser Stelle vollständig wiedergeben.

1. Schaffung einer interessanten, abwechslungsreichen Arbeitsaufgabe mit Integration von Elementen der Planung, Vorbereitung, Ausführung, Kontrolle.

2. Die Aufgabe sollte für den Arbeitenden eine Herausforderung mit realistischen Anforderungen an sein Können darstellen und ihm den Einsatz seiner Kenntnisse und Fähigkeiten ermöglichen. Zu leichte, eintönige Aufgaben können zu Langeweile, Desinteresse und Unterforderung führen. Zu schwierige Aufgaben führen zu Überforderung und möglicherweise Streß.

3. Für die Erledigung der Arbeitsaufgabe sollte nicht ein einziger Weg vorgeschrieben sein. Freiheitsgrade in der Aufgabenerfüllung ermöglichen es dem Mitarbeiter, seine persönliche Arbeitsweise zu realisieren und eigene Handlungsstrategien zu entwickeln.

4. Das Zugeständnis einer gewissen Autonomie erlaubt dem Mitarbeiter eine selbständige zeitliche Einteilung seiner Arbeit gemäß seinem Arbeitsrhythmus und -tempo wodurch Zeitdruck, Hektik und Streß vermindert werden können.

5. Die Möglichkeit von Selbstkontrolle und Eigenverantwortung im Prozeß der Aufgabenerfüllung anstelle von Fremdkontrolle durch den Vorgesetzten oder den Computer hebt die Selbstachtung des Mitarbeiters und vermittelt ihm das Gefühl persönlichen Erfolgs.

6. Die Übertragung eines ganzheitlichen, sinnvollen Aufgabenzusammenhangs an den Mitarbeiter läßt ihn den Bedeutungsgehalt seiner Tätigkeit sowie den Arbeitsfortschritt klarer erkennen.

7. Geeignete Kooperationsstrukturen ohne starke Abhängigkeitsverhältnisse bieten die Möglichkeit zu Kommunikation und sozialer Unterstützung am Arbeitsplatz, was zum Abbau von beruflichem Streß beiträgt.

8. Das Gefühl des "Auf-der-Stelle-Tretens" kann vermieden werden, indem die Arbeit Lernpotentiale enthält, welche dem Mitarbeiter berufliche Entwicklungsmöglichkeiten eröffnen.

9. Aufgrund unterschiedlicher bisheriger Arbeitserfahrungen, Anspruchsniveaus und zentraler Lebensinteressen wird es nicht möglich sein, ein optimales Arbeitssystem für alle Mitarbeiter zu entwickeln. Diesem Umstand kann durch das gleichzeitige Angebot verschiedener Arbeitssysteme, zwischen denen der Mitarbeiter wählen kann, Rechnung getragen werden.

10. Dem Menschen sollen neben Alltagsaufgaben vor allem auch schöpferisch-kreative Aufgaben mit Problemlösungscharakter vorbehalten bleiben. Deshalb soll er von Routineaufgaben weitgehend entlastet werden, indem sie zu einem größeren Teil auf den Computer übernommen werden. Um Überforderungen zu vermeiden, sollte gelegentliches Ausweichen in "Entlastungsroutinen" allerdings möglich sein.

11. Die Abhängigkeit des Menschen vom Computer sollte wo immer möglich minimiert werden; dies ist vor allem im Hinblick auf Systemunterbrechungen und lange Antwortzeiten bei Systemüberlastung wichtig.

12. Anstelle ausschließlicher Bildschirmarbeit sollen Mischtätigkeiten geschaffen werden.

13. Die Arbeit am Bildschirm sollte sich nicht auf die Erfassung von Daten beschränken (Datenerfassungsplatz), sondern den Dialog mit den Computer ermöglichen (Dialogarbeitsplatz).

14. Die tägliche Bildschirmarbeit sollte auf maximal vier Stunden beziehungsweise die Hälfte der täglichen Arbeitszeit begrenzt werden.

15. Die Pausenregelung sollte unter Berücksichtigung des Arbeitsinhalts und Arbeitsablaufs erfolgen, ohne den Arbeitsrhythmus der Beschäftigten zu beeinträchtigen. Bei längerer täglicher Arbeit am Bildschirm sollte zur Vermeidung von Überbeanspruchungen nach jeweils einer Stunde eine Pause von fünf bis zehn Minuten beziehungsweise nach zwei Stunden eine Pause von 15 bis 20 Minuten eingeschaltet werden.

16. Überhöhte Konzentrationsanforderungen sind durch; eine Optimierung der Bildgestaltung zu vermeiden.

17. Der Mensch-Maschine-Dialog sollte gemäß psychologischen Erkenntnissen gestaltet werden.

18. Die Gefahr der sozialen Isolation (Kommunikation nur mit dem Computer oder per technischem Hilfsmittel) sollte durch Kooperationserfordernisse und geeignete räumliche Gestaltung verringert werden.

19. Das Verständnis des technischen Systems sollte durch Fortbildungskurse gefördert werden.

20. Die Leistung des Menschen sollte nicht per Computer erfaßt und kontrolliert werden. Vielmehr sollte die Möglichkeit bestehen, Rückmeldung über die geleistete Arbeit aus der Arbeitstätigkeit selbst abzuleiten oder vom Vorgesetzten zu erhalten.