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19.09.1997 - 

Datenzentrale Baden-Württemberg mit zweifacher Doppelstrategie

Zwei Arten der Buchhaltung und zwei Anbieter im Boot

Die Geldknappheit und der daraus resultierende Druck der Öffentlichkeit haben bei den Kommunen zu einer Bewußtseinsveränderung geführt: Sie verstehen sich nicht mehr als Verwalter von Steuermitteln, sondern als Dienstleistungsunternehmen. Das äußert sich beispielsweise darin, daß sie Teile ihrer Services in privatwirtschaftlich geführte "Eigenbetriebe" auslagern.

Diese Kosten-Nutzen-Betrachtung schlägt sich auch in der Buchhaltung nieder. Einige kommunale Eigenbetriebe nutzen deshalb schon betriebswirtschaftliche Finanzsoftware anstelle der selbstentwickelten Buchhaltungssysteme, die den Grundsätzen der Kameralistik (Einnahmen-Ausgaben-Orientierung) gehorchen.

Die Datenzentrale Baden-Württemberg hat auf diesen Trend reagiert. Als Software-Entwicklungszentrum für die kommunalen Rechenzentren mußte sie sich der Frage stellen, inwieweit ihre 25 Jahre alte Finanzanwendung für die doppelte Buchführung fitgemacht werden könnte. Die Antwort formuliert der Vorstandsvorsitzende Karl Tramer: "Wir fanden heraus, daß es keinen Sinn hätte, die benötigten Funktionen noch in eine uralte Software einzubauen."

Statt dessen sahen sich die öffentlich-rechtlichen Software-Entwickler auf dem Markt für Standardsoftware um und fanden zwei Hersteller, die ihre betriebswirtschaftliche Finanzbuchhaltungssoftware um die Kameralistik-Funktionen ergänzen wollten: die SAP AG, Walldorf, und die IFS GmbH, Köln, eine Tochter der Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerke (RWE).

Wie Tramer erläutert, war der Integrationsaspekt für die DZ ein K.o.-Kriterium: Die Kommunen sollen später in der Lage sein, eine Gesamtbilanz über alle Bereiche hinweg zu erstellen, auch wenn sie in der Zentrale und den Eigenbetrieben unterschiedliche Buchhaltungsverfahren anwenden.

Warum sich die Württemberger nicht für einen einzigen Hersteller entscheiden wollten, hat verschiedene Gründe. "Die Frage ist, ob man alle 1111 Kommunen - von der 5000köpfigen Gemeinde bis zur Stadt Stuttgart - mittels einer einzigen Lösung glücklich machen kann," erläutert Tramer. Das SAP-Produkt R/3 sei zwar umfassend parametrisierbar, aber relativ komplex, weshalb sich eine kleine Kommune damit schwertue. Das "Integrierte Rechnungs- und Planungssystem" (IRP) von IFS hingegen lasse sich nicht ganz so individuell einrichten, sei aber bundesweit schon in einigen Kommunen und Eigenbetrieben erfolgreich im Einsatz.

Zudem macht der DZ-Vorstand kein Hehl daraus, daß ihm die Konkurrenzsituation zwischen den Softwarehäusern durchaus recht ist: "Schließlich kaufen wir sozusagen die Katze im Sack." Beiden Software-Anbietern gemeinsam ist, daß sie ihre integrierten Lösungen erst im kommenden Jahr fertigstellen werden.

Tramer hat zwei Kompetenzzentren ins Leben gerufen, die jeweils mit vier Entwicklern besetzt sind. Das eine widmet sich der SAP-Lösung "Industry Solution / Public Sector" (IS/PS), das andere der um die Kameralistik erweiterten Version des IFS-Produkts IRP ("K/IPR"). Im Gegenzug erhält die DZ von den Software-Unternehmen Sonderkonditionen sowie das Recht zur Weiterveräußerung. Einen zusätzlichen Mehrwert bedeutet das Pre-Customizing, dem die Kompetenzzentren die Software unterziehen, damit die Kommunen weniger Arbeit mit der Implementierung haben. Außerdem sollen die Anbieter den Stuttgartern dabei helfen, ihre eigenentwickelten Vorsysteme mit Schnittstellen zu den Standardprodukten auszurüsten.