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23.08.1991 - 

DAG legt Broschüre zur Software-Ergonomie vor

Zwei Drittel der User klagen über die Arbeit am Bildschirm

23.08.1991

MÜNCHEN (CW) - Die oft leidgeprüften Benutzer können den Nutzen von Programmen oft besser einschätzen als der praxisferne Software-Entwickler. Deshalb plädiert die Deutsche Angestelltengewerkschaft (DAG) für eine Beteiligung der Anwender bei der Einführung von Programmen. Zudem gab sie eine Broschüre heraus, die eine Prüfliste für ergonomische Software enthält.

Die provokative Frage "Nützen die Informationssysteme dem Benutzer?" stellt die DAG an den Anfang der Broschüre. Die Antwort wird gleich mitgeliefert. DV helfe einem Teil der Beschäftigten, deren Arbeit qualifizierter und abwechslungsreicher werde. Allerdings komme es bei den Mitarbeitern am Bildschirm immer öfter zu körperlichen und psychischen Beschwerden. 60 Prozent klagten über Probleme im Bereich des Bewegungs- und Stützapparates, 40 Prozent über Augenbeschwerden. Laut DAG sind diese Arbeitsrisiken an Bildschirmen prinzipiell vermeidbar: "Ob Bildschirmarbeit gesundheits- und persönlichkeitsschädlich ist oder den Arbeitnehmer persönlich fordert, hängt von der Arbeitsorganisation sowie von der Hard- und Softwaregestaltung der Arbeitsplätze ab."

Software-Ergonomie ist inzwischen zu einem vieldiskutierten Thema geworden. In den zahlreichen wissenschaftlichen Veröffentlichungen berichten die Autoren allerdings mehr über die Schwierigkeiten bei der Entwicklung benutzerfreundlicher Software als über konkrete Lösungsansätze. Die DAG nennt einige Gestaltungsgrundsätze:

- Ein Programm, das dem Benutzer nur wenig Freiräume gibt, widerspricht dem Ziel der Persönlichkeitsförderung durch die Arbeit. Der Mitarbeiter sollte vielmehr die Möglichkeit haben, die zu erledigenden Arbeiten auf verschiedene Weise und nach eigenem Konzept abzuarbeiten.

- Die Erwartungen und Fähigkeiten der User werden durch eine Vielzahl von Kriterien und Umständen bestimmt. Jede Beschränkung auf wenige Kriterien oder die grobe Zusammenfassung von Benutzergruppen führt zu einer Vereinfachung, die völlig realitätsfern sein kann.

- Durch die DV-Erfahrung ändern sich die Ansprüche an die DV-Systeme.

In diesem Zusammenhang kritisierte Ursula Kronitzer, Vorstandsmitglied der DAG, daß Software immer noch in erster Linie nach technischen und betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten gekauft, die Interessen der Betroffenen aber sträflich vernachlässigt würden. Um ergonomische Anforderungen zu erfüllen, müßten die künftigen Benutzer aber bereits bei der Planung der Software mit einbezogen werden. Die Gewerkschaft empfiehlt hierzu die Bildung einer Projektgruppe, die aus Entwicklern, Anwendern und Vertretern des Betriebsrats bestehen soll.