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28.10.1994

Zwei erste Preise fuer Muenchner Softwarehaus Karriere und Fortbildung sind fuer Frauen selbstverstaendlich

MUENCHEN (hk) - Ihr Qualitaetsbewusstsein in der Dokumentation von Software und das Engagement vor allem fuer ihre Mitarbeiterinnen brachten der Muenchnerin Sissi Closs und ihrem Unternehmen zwei erste Preise ein.

Die Erkenntnis ist uralt, und trotzdem tun sich Unternehmen bei der Umsetzung schwer. Es geht um die Mitarbeitermotivation. Wer sie ernst nimmt, erntet in der Regel die Fruechte seiner Bemuehungen, wie das Beispiel der Firma Comet zeigt: Das Muenchner Softwarehaus erhielt in Paris von der europaeischen Sektion der amerikanischen Society for Technical Communication den ersten Preis fuer die professionelle Erstellung einer Softwaredokumentation.

Zu Hause verlieh ihr die bayerische Staatsregierung auch einen ersten Preis, und zwar fuer "gute Ideen zur Verbesserung der Chancengleichheit von Frauen und Maennern in der betrieblichen Praxis".

CW: Sie erhalten den Preis der bayerischen Staatsregierung unter anderem fuer "kreative Loesungen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie". Was haben Sie sich einfallen lassen?

Closs: Die meisten Unternehmen bevorzugen eine strikte Trennung von Privatleben und Beruf bei ihren Mitarbeitern, und in Grossunternehmen duerfen Kinder nicht einmal zum Arbeitsplatz ihrer Eltern. Ich moechte keine Trennung, sondern plaediere fuer eine vernuenftige Verbindung von beidem.

CW: Wie unterscheidet sich Ihr Unternehmen von anderen?

Closs: Wir setzen auf eine groesstmoegliche Flexibilisierung der Arbeitszeit. Diese wird mit jeder Mitarbeiterin und jedem Mitarbeiter individuell vereinbart und reicht von zwoelf bis 35 Stunden in der Woche.

CW: Und wie sieht es mit den Karrieremoeglichkeiten der Frauen aus?

Closs: Im klassischen Fall hat eine Frau keine Aufstiegschancen, wenn sie nur teilzeitbeschaeftigt ist. Ihre Karriere endet in der Regel als Beraterin oder Entwicklerin. Und nur weil sie nicht von acht bis fuenf Uhr arbeiten kann, auf ihr jahrelang erworbenes Know-how zu verzichten, waere doch schade.

CW: Wie sieht der Karriereweg der Frauen bei Comet aus?

Closs: Wir setzen Frauen als Projektleiterinnen ein, auch wenn explizit Maenner gefordert werden. Die vorher so skeptischen maennlichen Kollegen waren nach Projektdurchfuehrung voller Anerkennung.

CW: Was tun Sie, damit die Frauen bei Ihnen arbeiten koennen?

Closs: Wir haben eine Kindergruppe, also eine Art Kindergarten, gegruendet. Darueber hinaus greifen wir auf die Dienste eines Kindermaedchens zurueck. Und wenn eine Mutter fuer drei Stunden arbeiten kommt, organisieren wir die Kinderbetreuung. Eine weitere Entlastung ist das Mittagessen mit den Kindern in einer Kantine in unmittelbarer Naehe des Betriebes.

CW: In der Preisbegruendung ist davon die Rede, dass Sie sich auch um die Weiterbildung der Teilzeitbeschaeftigten bemuehen.

Closs: Wir machen keinen Unterschied zwischen Voll- und Teilzeitbeschaeftigten. Sie werden nach Bedarf weitergebildet, und alle Mitarbeiter sind im Durchschnitt ein bis zwei Wochen pro Jahr auf Schulung.

CW: Wird das nicht zu teuer?

Closs: Es fliesst in Form hochqualifizierter Arbeit zurueck. Wichtig in unserem Beruf ist, dass sich jeder Mitarbeiter schnell in ein neues Produkt einarbeitet. Jeder Kunde, jedes Projekt ist wie eine neue Arbeitsstelle.

CW: Sie setzen sich fuer eine gleichberechtigte Darstellung von Frauen und Maennern in der technischen Dokumentation ein. Ist Software nicht maennlich und weiblich gleichzeitig?

Closs: Wenn Programmierer Handbuecher schreiben, ist die Sprache sehr maennlich gepraegt. Am wenigsten gefaellt es mir, wenn auch noch Rollenklischees verstaerkt werden, wenn vom Systemverwalter im Support und der Sekretaerin am PC die Rede ist. Wir verlangen nur eine vernuenftige Beruecksichtigung der weiblichen Rollen, wie es im Amerikanischen schon lange ueblich ist.

Quote uebertroffen

1987 gruendete Sissi Closs mit Michael Kusch die Comet Computer GmbH mit den Schwerpunkten Software-Entwicklung, technische Dokumentation und Schulung. Das Unternehmen beschaeftigt acht Frauen und vier Maenner. Neben ihrem Job ist die Diplominformatikerin auch gesellschaftspolitisch aktiv. Sie wurde im Dezember 1993 ins Praesidium der Gesellschaft fuer Informatik gewaehlt und engagiert sich fuer Frauenfragen.