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07.07.1989 - 

SEL hat die Konstanzer DV-Division endlich an den Mann gebracht:

Zwei Ex-Commodore-Manager kaufen CTM

MÜNCHEN - In neuen Händen ist seit dem 1. Juli die CTM Computertechnik Müller GmbH, Konstanz. Erworben wurde die SEL-Tochter durch die ehemaligen Commodore-Manager Harald Speyer und Walter Bartholomä. Sie wollen das verlustträchtige DV-Unternehmen bis zum nächsten Jahr wieder in die Gewinnzone bringen. Über den Kaufpreis wurde nichts bekannt.

Große Pläne hegen die neuen Eigentümer Harald Speyer und Walter Bartholomä mit der kränkelnden CTM. Obwohl sich die Konstanzer Computergesellschaft derzeit mit einem zweistelligen Millionenbetrag in den roten Zahlen befindet - in der Branche werden rund 40 Millionen Mark gehandelt - , wollen die ehemaligen Commodore-Manager das Unternehmen bis zum nächsten Jahr wieder rentabel machen. Nach dem Motto nämlich "Wehret den Anfängen" soll CTM künftig wieder als reiner Hardwarehersteller fungieren: Speyer: "In der Vergangenheit wurde versucht, den Hardwareproduzenten CTM in ein Systemhaus umfunktionieren. Dies ging schief, und das werden wir jetzt ganz schnell ändern." Allerdings wird diese Umstrukturierung auch einige Arbeitsplätze kosten.

Die Strategie Neu-Unternehmer sieht vor, die CTM-Produktpalette weiterzuführen (unter anderem die Polyline-Mehrplatzrechner), in Sachen Betriebssystem den Unix-Bereich zu forcieren und Workstations auf Basic von Risc-Chips zu entwickeln und zu produzieren, die sowohl als Terminals, aber auch als Einzelarbeitsplätze angeboten werden sollen. Darüber hinaus setzen die neuen Eigentümer auf die "Marktstärken von CTM im Verwaltungsbereich, in der mittelständischen Industrie und in der Fertigung". Betont Speyer: "CTM hat gute Rechner, vor allem aber gute Branchenlösungen dafür." Zudem werde man künftig auch international aktiv werden. Bislang sei CTM nur in den umliegenden Nachbarländern in geringem Umfang vertreten. Geplant ist jedoch, das CTM-Geschäft europaweit auszudehnen.

Der Ex-Europa-Chef von Commodore hat keinerlei Bedenken, mit CTM Schiffbruch zu erleiden - zumal für ihn die Sanierung von kränkelnden Unternehmen nichts Neues ist. "Bei Commodore habe ich viele Länder-Divisions von der Verlust- in die Gewinnzone gebracht, das fing Ende 1976 mit Deutschland an. Mein persönliches Ziel war es aber schließlich, einmal ein deutsches Unternehmen, das sich in finanziellen Schwierigkeiten befindet, zu sanieren und auch erfolgreich zu führen." Mit dem Kauf des Konstanzer DV-Unternehmens kann Speyer nun zusammen mit seinem Partner Bartholomä dieses Vorhaben in die Tat umsetzen. Sie halten die Mehrheit an CTM in Höhe von 67,2 Prozent, mit von der Partie sind zudem ein Privatinvestor und die Beteiligungsgesellschaft einer Privatbank. In seiner neuen Rolle als CTM-Geschäftsführer wird sich Speyer mit den operativen Aktivitäten auseinandersetzen, unter anderem Fertigung, Vertrieb, Vertriebsunterstützung, während Bartholomä für den administrativen Bereich zuständig ist.

In der 17jährigen Firmengeschichte der Computertechnik Müller GmbH sind die ehemaligen Commodore-Manager nunmehr die vierten Eigentümer. Das Unternehmen wurde 1972 von dem Ingenieur Otto Müller gegründet. Dieser hatte in den sechziger Jahren für Heinz Nixdorfs Durchbruch im DV-Markt gesorgt, indem er für ihn den Universalrechner 820 entwickelte. Nach einem Streit mit Heinz Nixdorf über neue Rechner aber war Müller nach Konstanz gegangen, um seine Pläne in einem eigenen Unternehmen zu verwirklichen. Nach einigen Jahren veräußerte er die Computertechnik Müller jedoch an die Nürnberger Diehl-Gruppe, die 1984 wiederum der Stuttgarter Standard Elektrik Lorenz AG (SEL) einen 49prozentigen Anteil an CTM verkaufte.

Im Januar 1986 übernahmen die Schwaben die Konstanzer CTM schließlich ganz. Ihr Ziel war es, mit dieser Maßnahme der zunehmenden Integration von Daten- und Kommunikationstechnik Rechnung zu tragen. Damit setzte sie jedoch aufs falsche Pferd. "Denn", so SEL-Sprecher Wolfgang Schmid, "es stellte sich mit der Zeit heraus, daß die beiden Bereiche längst nicht so schnell zusammenwuchsen wie es in der Branche erwartet worden war. Hätten wir das vorher gewußt, hätten wir CTM nie gekauft. "

Durch diese Fehlkalkulation mußten die Schwaben in ihren Unternehmenssektor Bürokommunikation einen Bereich einbauen, der ihnen gänzlich fremd war: die mittlere Datentechnik. Fehler blieben nicht aus. Wolfgang Schmid: "Wir haben sicherlich zu lange am CTM-eigenen Betriebssystem Itos festgehalten und dabei den Unix-Zug verpaßt." Hinzu kam im vergangenen Jahr ein drastischer Preisverfall im Hardwaremarkt, so daß CTM trotz deutlich höherer Absatzzahlen weniger Erlöse erzielte. Nach anfänglichen guten Geschäftsergebnissen rutschten die Konstanzer schließlich in die Verlustzone. Alle Versuche von SEL, die DV-Division zu sanieren, schlugen fehl. Im vergangenen Jahr häuften sich die Gerüchte, die Stuttgarter - mit ihrem gesamten Bürokommunikationssektor längst auch nicht mehr auf Rosen gebettet - wollten CTM unbedingt loswerden. Im Gespräch waren unter anderem Bull, die ICL-Mutter STC und die AEG. Im Mai indes überraschte der neue SEL-Vorstandsvorsitzende Gerhard Zeidler noch mit drei Alternativen für die Zukunft von CTM: Sanierung, Kooperation, Verkauf. Die Entscheidung, die DV-Division an die beiden Ex-Commodore-Manager zu verkaufen, war aber zu jenem Zeitpunkt wohl schon gefallen.