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09.03.1979 - 

Individual-Software Ó la Prime:

Zwei Lieferanten - doch nur ein Partner

FRIEDRICHSDORF (CW) - Bei einer "Demo on the job" paktierten die Heinz Mathes KG, Groß- und Einzelhandel für Bau- und Schreinerbedarf in Friedrichsdorf/Hessen und die Prime Computer GmbH: Präsentiert wurde die Alltagstauglichkeit der Pilotinstallation des datenbankorientierten Dialogsystems PAKT. Das kommerzielle Prime-Anwendungspaket läuft bei Mathes auf einer Prime 350-Anlage, die ein seit 1974 im Batch-Betrieb eingesetztes Honeywell Bull-Modell 58 abgelöst hat. "Für Hard- und Software der gleiche Vertragspartner" - von der Richtigkeit dieses Konzepts zeigt sich Heinz Müller, geschäftsführender Gesellschafter der Mathes KG, überzeugt. Desgleichen Prime-Geschäftsführer Hans Dieter Holler, der dieser im Markt der Minis noch neuen Strategie eine gute Chance gibt.

Der Wiesbadener Minicomputerhersteller will seinen Rechnerumsatz fördern, indem er sich gegenüber Kundenwünschen nach individuellen Anwendungslösungen zugänglich zeigt. Den, Konflikt zwischen Individualität und Wirtschaftlichkeit glaubt Prime dadurch lösen zu können, daß standardmäßige Softwarekomponenten vom Hardware-Lieferanten, spezielle Ausgestaltungen aber von freien Softwarehäusern beigebracht werden.

Wichtig für den Anwender ist dabei, daß er es mit nur einem Vertragspartner, nämlich Prime, zu tun hat. Prime selbst sieht den Hauptvorteil darin, daß der Hardware-Lieferant als "Generalunternehmer" auf diese Weise auch ausgefallene Anwenderwünsche befriedigen könne. ohne daß er selbst einen großen firmeneigenen Softwarestab vorhalten müsse.

Bei Mathes attachiert der Alfelder Softwarespezialist Egils Rubenis, der die individuellen Programmteile erstellt, den Mini-Mannen. Im März wird das von ihm entwickelte besondere Bestellsystem für die Zulieferseite des Handelshauses einsatzfähig und damit die Anwendersoftware komplett sein.

Wie den Kunden Mathes KG, so will Prime auch die anderen vier schon vorhandenen Erwerber des PAKT-Pakets behandeln und darüber hinaus auch alle weiteren zukünftigen Kunden, wenn diese es wünschen (das gilt auch für nichtkommerzielle und gemischte Anwendungen). Die für die Pilotinstallation geltenden Zahlen und Fakten erhalten somit einen gewissen Richtschnur-Charakter:

Eine Prime 350-Anlage mit 512 KB Haupt- und 2 x 80 MB Plattenspeicher, einem Schnelldrucker mit 300 Zeilen pro Minute, einem Matrixdrucker mit 140 Zeilen pro Minute, vier Bildschirm-Terminals Ó 1920 Zeichen und einem druckenden Kassenterminal erforderte zusammen mit dem erweiterten PAKT-Dialogsystem eine Investition von 300 000 bis 350 000 Mark.

Den Kostenanteil für die gesamte Software beziffern Anwender und Hersteller auf zehn Prozent. Daraus darf abgeleitet werden, daß Prime mit seinem Softwareangebot offensichtlich ein Hardware-Verkaufsinstrument aufbauen und nicht so sehr eine weitere direkte Ertragsquelle anbohren will. Zumal Prime diese Software als Monokultur hochzieht.

Zwar droht mit der Einschaltung unabhängiger Softwarehäuser immer die Gefahr von Know-how-Sickerverlusten, Prime-Produktmanager und Ex-Burroughs-Mann Herbert H. C. Duhm ist da jedoch nicht ängstlich: "Eine eins zu eins Software-Übertragung auf fremde Rechner ist wegen der Prime-Besonderheiten nicht möglich." - Und ein Umschreiben zumindest sehr mühsam.

Bei der Zusammenstellung seiner Dialog-Software mußte Prime feststellen, daß die am Markt erhältlichen Cobol-Programme exorbitant teuer, andere - vor allem RPG II-Programme - aber zu leistungsschwach waren. Da Cobol aus Preisgründen von vornherein ausschied, machten sich die Wiesbadener daran, die angekaufte RPG II-Dialog-Software ihren Vorstellungen gemäß auszubauen.

Im Zuge dieser Unternehmung entstand dann das, was Herbert Duhm scherzhaft RPG II,5 nennt (weil Ziffer III schon besetzt ist) und was jetzt nebenher als Kopierschutz fungieren soll. Aber, unterstreicht Duhm nachdrücklich, die Vorzüge des Prime-Systems in Anwendungsfällen dieser Art gehen noch weiter:

- Im Gegensatz zu einem Universalrechner bereitet es einem Minicomputer keinerlei Schwierigkeit, jedes Unterprogramm von - theoretisch - jedem Terminal aus aufzurufen - ein Ergebnis der Timesharing-Erfahrungen.

- Gegenüber Mini-Mitbewerbern sieht Prime sich dadurch im Vorteil, daß eine interaktive Software-Erstellung bei laufendem Anwenderbetrieb und mit Originaldaten vorgenommen werden kann.

Damit ist zu einem guten Teil auch die Schnelligkeit erklärt, mit der die Installation bei der Mathes KG vorgenommen werden konnte: Die ersten Kontakte hatte es im CeBIT 78 in Hannover gegeben. Die weiteren Gespräche zwischen Mathes-Müller und Prime mündeten in den Vertragsabschluß (Juli '78), dem sich die Systeminstallation - zunächst nur mit dem Buchhaltungsprogramm - anschloß (Oktober '78). Ende November '78 konnten die von der Honeywell Bull 58 übernommenen Artikel-Stammdateien in aktualisierter Form auf die Prime-Anlage übertragen werden, und seit Anfang '79 läuft beim Anwender das fast vollständige Paket.

Es steuert einen 42-Mann-Betrieb, der an die 19 000 Artikel im Sortiment hat und auf bis zu 15 000 Auftragspositionen pro Woche kommt. Rechnungen, Lieferscheine, Gutschriften, Offerten, (Sonder) preise, Rabatte, Lagerbestände etc. - Müller ist "stolz" darauf, daß das Prime-System alle diese Aufgaben im Griff hat und sein Betrieb daher stets Ó jour ist.

Stolz ist er aber auch darauf, daß die EDV in seinem Haus keinen einzigen Arbeitsplatz vernichtet hat, daß die Belegschaft ihrer Arbeit ohne jede Computer-Phobie nachgeht und nicht zuletzt, daß der Betrieb ohne einen EDV-Fachmann läuft.

Das Lob für das gelieferte Produkt verbindet er mit einem Lob für die Prime-Leute "wegen ihrer Offenheit und Geradlinigkeit". Freilich - nobody is perfect:

"Verdammt, der Cursor hängt schon wieder", fluchte ein Mitarbeiter hinter dem Tresen, als die Rechnungserstellung für einen Kunden dreißig Minuten vor der offiziellen Vorführung nicht klappte. Ein Griff zum Telefon - einige kurze Anweisungen, und nach 40 Sekunden lief das System wieder.