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26.04.1996 - 

Ovum testet Database-Connectivity

Zwei Middleware-Tools heben sich von ihrer Konkurrenz ab

26.04.1996

Zu der von Ovum geprueften Database-Connectivity-Middleware zaehlen "EDA/SQL 3.1" (Information Builders), "Infohub 1.3" (Platinum), "Sequelink 3.0" (Intersolv), die Tool-Familie "Enterprise Connect" von Sybase sowie ueber 20 verschiedene Oracle- Werkzeuge, darunter "SQL Net", mehrere Oracle-Gateways und "Access Manager for CICS".

Das groesste Problem fuer den Anwender vermutet Ovum in dem Umstand, dass sich bekannte Middleware-Features bei der Produktauswahl nicht ohne weiteres auf die herstellerspezifischen Tool-Angaben uebertragen lassen. Um einen gemeinsamen Nenner zu finden, haben die britischen Marktforscher ein Dreischichtenmodell fuer Middleware aufgestellt, in das sich die Funktionen der getesteten Produkte einordnen lassen (siehe Kasten unten).

Dem Schema liegt die allgemeine Definition zugrunde, wonach Middleware als eine Software verstanden wird, die verteiltes Daten-Processing zur Laufzeit unterstuetzt und Entwicklern als Werkzeug fuer den Entwurf verteilter Anwendungen dient. Um eine heterogene DV-Landschaft als ein einziges virtuelles System erscheinen zu lassen, das einen flexiblen Zugriff auf saemtliche Ressourcen erlaubt, muss die Software eine Reihe von Servicefunktionen erfuellen. Dazu gehoeren die Schnittstellen- Technik ("Translation Layer"), die Abbildung der Kommunikation und Adressen ("Communication Layer") sowie die Kommunikationsverwaltung ("Management Layer").

Grundsaetzlich stellt Ovum fest, dass sich die Datenbank-Gateways nicht fuer Anwendungen eignen, die aufgrund ihres hohen Datendurchsatzes viel Leistung beanspruchen - also transaktionsorientierte High-end-Applikationen. Dies geht zum Teil auch aus den Empfehlungen der Hersteller hervor. So raet zum Beispiel Oracle zum Einsatz der Gateways lediglich bei Anwendungen mit moderaten Performance-Anspruechen, Ad-hoc-Abfragen oder Decision-Support-Applikationen. Andernfalls sollte man auf RPC- Produkte (RPC = Remote Procedure Call) zurueckgreifen. Aehnliches gilt fuer die Konkurrenz.

Einig sind sich die Hersteller auch darin, dass die Datenbankverknuepfung via dynamisches SQL zu Lasten insbesondere der Netz-Performance geht. Da Oracle ueber ein breitgefaechertes Middleware-Spektrum verfuegt, faellt es dem Hersteller leicht, auch hier auf Alternativen des eigenen Hauses zu verweisen. So wird angemerkt, dass sich Datenbank-Connectivity-Produkte nicht fuer den mobilen Bereich eignen.

Dort sollte statt dessen Message-orientierte Middleware (MOM) eingesetzt werden. Ebenfalls wenig Sinn macht laut Ovum die Verwendung der Werkzeuge, wenn es um die Aktualisierung verteilter Daten geht.

Die Briten kommen in ihrer Studie zu dem Ergebnis, dass sich die als fortschrittlich gewerteten Produkte von Information Builders und Oracle deutlich von der Konkurrenz abheben. Intersolv, Platinum und Sybase empfehlen die Analysten jeweils, die bislang praktizierten Uebernahmestrategien allmaehlich zu beenden, um das so angesammelte Portfolio zu konsolidieren und in einem Gesamtkonzept weiterzuentwickeln. Im einzelnen fuehrt Ovum aus:

EDA/SQL

Das Information-Builders-Produkt sollte von jedem geprueft werden, der einen moeglichst einfachen Zugriff auf heterogene, verteilte Daten plant, insbesonders dann, wenn diese Plaene in Kombination mit einem Data-Warehouse stehen. Die Staerken des Produkts liegen laut Ovum im Zugriff auf nichtrelationale Datenbanken via SQL sowie in der Moeglichkeit, Joins ueber heterogene Datenbanken zu legen. Zu beruecksichtigen ist, dass der SQL-Link zu den meisten Datenquellen nur Lesestatus besitzt.

Anwender muessen sich somit im klaren sein, dass sie bei der Entwicklung einer Gesamtloesung weitgehend auf die Schnittstellen- Technik, also den Translation Layer im Ovum-Modell, eingegrenzt sind. Die Architektur von EDA/SQL bewegt sich ueberwiegend in dieser Ebene, auch wenn der Hersteller auf Alternativen in Form von RPCs oder direkten Anwendungsverknuepfungen verweist.

Infohub

Als taktisches Produkt bezeichnet Ovum den Platinum-Infohub aufgrund seiner Abhaengigkeit von Sybase-Umgebungen. Diese eingeschraenkten Einsatzmoeglichkeiten fuehrten letztlich dazu, dass das Tool im Vergleich des Layer-Modells relativ schlecht abschnitt (siehe Grafik Seite 15). Solange Infohub als einzige Connectivity- Loesung verwendet wird, sei die Bedienung relativ einfach, so die Marktforscher.

Schwierigkeiten tauchen aufgrund der komplizierten Produktarchitektur erst in Verbindung mit Gateways anderer Hersteller auf. Diesem Problem tritt Platinum mit der Integration diverser Kommunikations-Links entgegen. So unterstuetzt die gepruefte Version 2.0 direkt ODBC und IBMs DRDA-Requester (DRDA = Distributed Relational Database Architecture), ohne dass ein Datenbank-Gateway zwischengeschaltet werden muesste. Mit diesen Erweiterungen erschliesst sich Platinum zunehmend den Markt von Anwendern, die eine Single-Vendor-Loesung als Connectivity-Tool bevorzugen.

Dementsprechend empfiehlt sich der Einsatz von Infohub laut Ovum nur dann, wenn Gateway-Produkte von Sybase, die Sybase-Werkzeuge "DB-Lib" oder "Client-Lib" sowie ODBC bereits im Betrieb oder geplant sind. Anwendungen beschraenken sich auf Ad-hoc- oder unregelmaessige Abfragen nichtrelationaler Daten mit geringem Umfang.

Sequelink

Die herausragenden Eigenschaften von Intersolvs Sequelink liegen ueberwiegend im Zugriff einer Client-Applikation auf einen Datenbank-Server. Moeglich ist es zwar auch, so Ovum, dass man eine Server-Applikation oder Stored Procedures direkt ansteuern kann, dies zaehle jedoch nicht zu den Staerken des Produkts.

Die Londoner Marktforscher vergleichen Sequelink mit Konkurrenzloesungen wie "Open Client/Open Server" von Sybase oder Oracles SQL Net. Besonders gelobt wird die produkteigene API- Technik. Der Entwickler koenne damit in nativem SQL programmieren, ohne die Connectivity-Werkzeuge des jeweiligen DBMS-Herstellers verwenden zu muessen.

Mit Sequelink lassen sich Applikationen fuer ein Ad-hoc-Retrieval entwerfen. Im Vorteil sind dabei Anwender, die bereits Entwicklungsumgebungen wie Visual Basic, Omnis, Smalltalk oder SQL Windows benutzen. Allerdings sollten die Applikationen nicht zu umfangreich sein. Damit entfallen zum Beispiel strategische Loesungen, die von zahlreichen Usern fuer umfangreiche Transaktionen benutzt werden, da unter anderem die benoetigten Sicherheitsfunktionen fehlen.

Oracle

Beeindruckt zeigten sich die Analysten vom Oracle-Produktspektrum, besonders in Verbindung mit EDA/SQL. Anerkennung fand auch, dass der Hersteller zu den wenigen Anbietern gehoert, die explizit den Einsatz ihrer Gateways auf den Bereich mittelgrosser Applikationen beschraenken. Als High-Performance-Loesung empfiehlt Oracle das "Procedural Gateway for APPC".

Kritik muss sich der Hersteller lediglich in bezug auf die duerftige Unterstuetzung von RPCs gefallen lassen. Prozeduren, die sich derzeit aufrufen lassen, sind entweder Mainframe-basiert oder liegen auf dem hauseigenen DBMS. Andernfalls muessen mit Hilfe des "Procedural Gateway Toolkit" benutzerspezifische Schnittstellen entwickelt werden.

Einsatzempfehlungen spricht Ovum nicht nur fuer reine Oracle- Umgebungen aus. Ebenfalls interessant sei das Produkt, wenn mit Hilfe von objektorientierten Werkzeugen wie Visual Basic oder Powerbuilder eine Applikation geplant ist, die mit DBMS-Loesungen auch von anderen Herstellern kommunizieren soll.

Enterprise Connect

Ovum haelt Sybase fuer einen der wenigen Anbieter, die die Anforderungen einer integrierten Middleware-Architektur erkannt haben. Das Vorhaben, saemtliche im Rahmen von Uebernahmeaktivitaeten vorhandenen Komponenten in eine Gesamtloesung einzubinden, sei aeusserst komplex und werde wohl mehr Zeit benoetigen, als sich Sybase selbst eingeraeumt hat. Ein Problem sei dabei schon die Unternehmensorganisation. Man habe aehnlich wie bei Oracle den Eindruck, dass die einzelnen Teams isoliert an ihren Produkten arbeiten, ohne dabei das vom Hersteller geplante Gesamtkonzept im Visier zu haben.

Als Schwachstelle wird vor allem das Festhalten an einer Architektur mit relativ starken Clients und schlanken Datenbank- Servern bezeichnet, die nicht die vom User gewuenschte Performance erreichen. Kritisiert werden auch die Administrations-Tools: Das Fehlen einer zentralen Konsole, einer Directory-Replication- Funktion oder DCE-aequivalenter Dienste stelle ein erhebliches Problem dar.

Im Rahmen des Middleware-Portfolios Enterprise Connect wertet Ovum die Datenbank-Gateways und "Omni Connect" als die besten Produkte. Sie eignen sich fuer den Einsatz in mittelgrossen Unternehmen und erlauben den Zugriff auf Datenbank-Server und auf RPCs anhand eines einzigen Middleware-Sets.