Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

25.05.1990 - 

Experten empfehlen Ausstieg aus dem schwierigen Computergeschäft

Zweifel am Durchhaltevermögen des DV-Bereiches von Philips

NÜRNBERG (see/ciw) - Mehr noch als das derzeit rauhe Klima in der DV-Branche macht Philips die eigene Managementschwäche zu schaffen. Das Häuflein der Datenverarbeiter in dem Elektrokonzern scheint zu resignieren.

Die Situation bei der deutschen PKI AG spitzt sich zu: Im Vergleich zum Geschäftsjahr 1988 sank der Betriebsgewinn um 65 Prozent auf 47 Millionen Mark; der Überschuß vor Steuern fiel mit 61 Millionen Mark um 59 Prozent niedriger aus und das Ergebnis nach Steuern reduzierte sich von knapp 74 Millionen auf 36 Millionen Mark. Mit einem Umsatzvolumen von 1,775 Milliarden Mark lag PKI um drei Prozent unter dem Vorjahres-Wert.

Der PKI-Vorstands-Vorsitzende Manfred Conrad machte einen "ruinösen Preiswettbewerb" bei der Büro- und Informationstechnik für den Einbruch verantwortlich. Insider sehen allerdings andere Ursachen: Die Konzernmutter und auch, die PKI selbst seien viel zu spät in den High-end-PC-Bereich eingestiegen, weil man diese Maschinen als Konkurrenz zur mittleren Datentechnik angesehen habe. Vielmehr sei versucht worden, die einmal "eingefangenen" Kunden hundertprozentig an sich zu binden.

Allerdings sei dieses Konzept, mit dem man in den siebziger Jahren erfolgreich war, nicht mehr aufgegangen.

Die PKI-Verantwortlichen in Nürnberir erwarten für ihren DV-Bereich keine Verbesserung, weil "der Markt für Büro- und Informationssysteme nur noch langsam wächst und sich die Konkurrenzsituation mittelfristig nicht entspannt". Kenner der DV-Situation bei der PKI halten die Krise indes für hausgemacht.

Ein Beobachter: "Meiner Ansicht nach täte Philips gut daran, sich von der Datenverarbeitung zu verabschieden oder ein Joint-venture mit einem Europäer einzugehen. Viele Leute dort halten an der DV noch fest und sehen eben nicht, daß ein. 20 bis 30 Prozent hohes Wertwachstum, welches notwendig wäre, um den Bereich profitabel zu machen, ohne Unterstützung durch einen potenten Partner nicht mehr erreichbar ist." Die Quelle geht sogar noch weiter und rät den Nürnbergern und den Holländern, sich aus der Telekommunikation, zumindest von den Nebenstellenanlagen, ebenfalls zu verabschieden. Schließlich seien die Ausgaben für den Aufbau eines weltweit gewichtigen Telecom-Bereiches - nur global mache das Geschäft Sinn - auch für ein Unternehmen wie Philips zu hoch.

Ein holländischer Analyst sieht die, Lage differenzierter. "Ich bin der Meinung, daß sie im Minicomputer-Bereich einen Partner suchen werden, aber nicht bei den PCs." Man dürfe nicht vergessen, so der Analyst, daß Philips einen großen Halbleiterbereich betreibe und eben auch Endgeräte benötige, in denen diese Produkte verwendet werden können.

Ebenfalls Federn lassen mußte der Kölner PKI-Bereich Nachrichtenkabel und -Anlagen. Ursache dafür ist nach Unternehmensangaben die reduzierte Bedarfsplanung der Bundespost. Demzufolge stehe in diesem Jahr, so PKI-Sprecher Peter Dörntlein, der Abbau von 200 bis 300 Stellen an; hiervon werde hauptsächlich der Vertrieb betroffen sein. Dieser kostete die AG im abgelaufenen Rechnungsjahr 582 Millionen Mark und verschlang damit knapp ein Drittel des Umsatzes. Günther machte den Aktionären, die zum Teil bereits im Herbst 89 gegen das Abfindungs- und Ausgleichsangebot der PKI in Höhe von 500 Mark pro Aktie oder 19,50 Mark Garantie-Dividende Klage eingereicht haben, für die nähere Zukunft keine Hoffnungen: Die negative Ertragsentwicklung werde sich - "wenn auch in abgeschwächter Form" - im laufenden Geschäftsjahr fortsetzen. Nach einem Umsatzanstieg im ersten Quartal 1990 um vier Prozent gegenüber 1989 erwarte man jedoch eine baldige Stabilisierung und eine Trendwende: Der Umsatz soll am Jahresende um zwei Prozent über dem vom Vojahr liegen. Nach Auskunft Dörntleins schließt PKI einen Verlust für 1990 aus.

Woher die PKI-Verantwortlichen ihren Optimismus nehmen, ist schleierhaft. 1987 schloß man bei leicht gesunkenem Umsatz mit einer negativen Gewinn-Entwicklung von sechs Prozent, und obwohl 1988 die Erlöse um sieben Prozent anzogen, rutschte das Nettoergebnis im gleichen Jahr gar um 11 Prozent ab.

Der jetzt vorgelegte Jahresabschluß 1989, der gegenüber dem Vorjahr einen um mehr als die Hälfte geschrumpften Nettogewinn und Umsatzeinbußen von: drei Prozent ausweist, läßt die Gerüchte erneut aufkochen: Die Annahme einiger ehemaliger PKI-Manager, daß zumindest der Siegener Bereich zurückgefahren" werde, scheint bereits durch die vom Vorstand angekündigte Streichung von rund 300 Stellen erhärtet. Außerdem bestätigte das Unternehmen vor wenigen Wochen Sondierungsgespräche mit Olivetti, in denen es womöglich um eine Kooperation im PC- und Druckersektor geht.

Andere Branchenkenner wagen sich weiter vor: PKI soll demnach - reduziert um wesentliche Kostenfaktoren, sprich Beschäftigte - ganz oder in "Filetstücken" zum Verkauf angeboten werden. Der britische Branchendienst "Computergram" orakelte kürzlich, der Systeme-Division des amerikanischen Chipherstellers Motorola könnte der Happen Philips Data begehrenswert erscheinen. Günter Geuzielski, Marketing-Manager beim Geschäftsbereich Computersysteme der Motorola GmbH in Hamburg, dementiert jedoch, daß Über das bestehende OEM-Abkommen bei Unix-Rechnern hinaus Vereinbarungen geplant seien.

Ein Anlaß für die Verkaufsszenarien ist der Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrag vorn Sommer 1989, durch den der Eindhovener Konzernvorstand der PKI AG die Allgemeine Deutsche Philips GmbH (Alldephi) vor die Nase setzte. Vorstandsentscheidungen in Siegen und Nürnberg können seitdem nur noch mit Zustimmung der Hamburgers letzten Endes also der Holländer, getroffen werden.

Die Entscheidungswege sind aber nicht erst seit vergangenem Sommer ein Problem bei Philips. Die Aufteilung des Konzerns in nationale Vertriebsorganisationen, wie die PKI auf der einen Seite und sogenannte Haupt-Industriegruppen auf der anderen Seite, haben sich Kennern zufolge als hinderlich erwiesen, bei Computerprodukten markt- und kundennah zu operieren. Die in den Niederlanden angesiedelten Hauptindustriegruppen entscheiden über Forschung, Entwicklung und die Herstellung der Produkte, die die nationalen Organisationen weltweit verkaufen sollen. Ein Insider: "Als Leiter ,einer nationalen Verkaufsorganisation hat man kaum Einfluß auf das, was verkauft werden soll.

Philips, so der Beobachter weiter, gebe sich als "international company", was in vielen Bereichen auch funktionieren in denen es nicht auf national unterschiedliche Anforderungen ankomme. Das treffe auf Licht oder Komponenten zu, aber bei der Datenverarbeitung verhalte es sich anders.

Neben der mangelnden Flexibilität des Managements und der Matrix-Organistation des Konzerns sieht ein anderer Beobachter zumindest die Probleme des Siegener Bereichs auch in den Intrigen, die dort von der alten Simag-Mannschaft (Simag formierte ab Mitte der siebziger Jahre als "Philips Electrologica" und später als "Philips Data Systems", bevor sie Teil der PKI wurde) angezettelt wurden: , In Siegen exisitierte eine Seilschaft aus alten Simag-Mitarbeitern, die jeden abgelehnt hat, der von außen kam. Die dort tätigen PKI-Vorstandsmitglieder waren immer darauf angewiesen, daß diese Truppe mitzog."

Darüber hinaus scheint jetzt auch die Lobby der PKI im Philips-Stammhaus nicht mehr zu existieren: Gert Lorenz, ehemaliger Vorstand der PKI und bis dato im Gesamt. Konzernvorstand für das DV-Geschäft zuständig, wurde jüngst - gleich. zeitig mit dem Vorsitzenden Cor van der Klugt - der Stuhl vor die Tür gesetzt. Damit ist die Informatik im obersten Gremium der Gloeilampenfabrieken ab Anfang Juli ausgestorben; ein Nachfolger für Lorenz ist nicht in Sicht.

Ein niederländischer Analyst meint, diese Maßnahme wäre schon vor drei bis vier Jahren fällig gewesen. Eher im Sinne des Beobachters könnte das Regnum des neuen Vorstandschef Jan Timmer verlaufen: Er glänzt nicht so sehr mit spezifischem Fachwissen, sondern mit seinen Erfolgen als Sanierer. Zuletzti hat er bei Philips die Schallplatten- und die Unterhaltungselektronik-Sparten finanziell auf Vordermann gebracht.

Gleiches fürchten die potentiell Betroffenen nunmehr für die Informatik in der Philips-Gruppe: Wenn es im Rahmen der bestehenden Organisationsstruktur nichts zu sanieren gibt, darin sind sich Philips-Insider einig, wird Timmer kaum zögern, den Bereich zu amputieren.