Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

19.08.1994

Zweifel an Gerstners Kuensten

Das Client-Server-Programm der IBM traegt die Handschrift ihres Chefs Louis Gerstner. Der Ex-CEO von Nabisco (Konsumartikel wie Kekse, Zigaretten etc.) und ehemalige McKinsey-Berater (Kaderkultur, Cost-cutting) setzt auf Buendelung der Kraefte - ihm bleibt angesichts der Management-Misere bei der IBM gar nichts anderes uebrig. Die Ankuendigung der neuen Division "Systems Technology and Architecture" (STA) soll dies unterstreichen (CW Nr. 32 vom 12. August 1994, Seite 1). IBMs Angebot fuer den Client- Server-Markt wird sich kuenftig aus Standardkomponenten zusammensetzen, fuer deren Bereitstellung die STA-Einheit geradesteht. Zeitaufwendige und teure Parallelentwicklungen, bezeichnend fuer den "Provinzialismus" des bisherigen IBM-Apparats, sollen vermieden werden.

Basis wird die Power-PC-Architektur sein - laut Gerstner Big Blues Wildcard fuer den erstklassig besetzten Client-Server-Wettbewerb, in dem eine IBM, die mit massloser Selbstueberschaetzung die alte DV- Welt verkoerperte, nicht automatisch gesetzt ist. Es geht ja nicht nur um den Wechsel von Hardwareplattformen, die austauschbar geworden sind, sondern um eine "Wende", bei der die Gruende, die zum Bruch gefuehrt haben, nicht verschwiegen werden duerfen.

Was der IBM-Chef aus Herstellersicht nuechtern als "strategischen Imperativ" beschreibt, naemlich vorhandene Technologien besser auszunutzen, birgt fuer IBM-Kunden denn auch einige Gefahren. Bei aelteren Systemreihen ist die Kontinuitaet in Frage gestellt. Das trifft insbesondere dann zu, wenn die Produktpositionierung in sich veraendernden Maerkten fuer den Hersteller zunehmend problematischer wird. Man kann sich die Schwierigkeiten der IBM ausmalen, die AS/400 als "geschlossenes System fuer kommerzielle Anwendungen" - diesen Eindruck hat die Midrange-Maschine bisher vermittelt - gegen die offenen RISC-Rechner der RS/6000-Familie zu vermarkten.

Der Konflikt schwelt seit langem, Gerstner hat ihn immerhin oeffentlich thematisiert: Unklarheit ueber die Stallorder heisst die Kuh, die vom Eis muss. Bisher durften die RISC-Piloten das Client- Server-Rennen nur mit angezogener Handbremse bestreiten. Hat sich durch die Gruendung der STA-Division daran etwas geaendert? Gleich weiter gefragt: Hat jemand eine klare Aussage der IBM-Fuehrung dazu erwartet?

Man kennt die Antwort und kann sich den Kommentar eigentlich sparen. Konkurrierende Server-Technologien, so Gerstner, wird es bei der IBM nicht geben, Jacke wie Hose wird es gleichwohl nicht sein, eine AS/400 oder eine RS/6000 zu kaufen: Der Anwender wird es schon richten.

Wenn sich der IBM-Chef da nicht taeuscht. Konsequentes Kosten- Management kann nur greifen, wenn der Markt auch die dahinterstehende Strategie und die daraus resultierenden Produktbotschaften versteht. Alles andere waere Etikettenschwindel, den vielleicht noch der Keks- oder Zigarettenkonsument verzeiht. Auch ein McKinsey macht noch keinen IT-Sommer. Das letzte Wort ueber Gerstners Turnaround-Kuenste ist noch nicht gesprochen.