Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

Chancen und Risiken der PCM-Hersteller in Österreich

Zweiter BASF-Erfolg bei Steyr gegen IBM

18.02.1983

WIEN (eks) - Den erfolgreichen Abschluß der Installation einer BASF 7/65 nahm Dr. Heinz Jedlicka, Leiter Organisation und DV der Steyr Daimler Puch AG zum Anlaß, bei der ADV über den Angebotsvergleich und die Gründe der Installation einer steckerkompatiblen Zentraleinheit zu sprechen. Darüber hinaus beschäftigte er sich mit den Marktchancen der PCM-Hersteller in Österreich.

Im Vorjahr begann die Wiener EDV-Abteilung von Österreichs sechtgrößtem Unternehmen, eine Aufstockung der aus einer IBM 4341 und einer 370/148 bestehenden Konfiguration zu überlegen. Gründe dafür waren:

- die benötigte Online-Leistung für rund 130 Terminals,

- eine steigende Systemauslastung und die Planung neuer Projekte,

- die Wartungskosten für die 370/148 und Wunsch nach höherer Ausfallsicherheit sowie

- die Absicht, ab 1985 von derzeit DOS/VSE auf MVS umzusteigen.

Nach ausführlichem Angebotsvergleich entschied sich der Fahrzeugkonzern dafür, die 148 gegen eine BASF 7/65 zu tauschen.

Jedlicka zeigte sich vom Tempo der Installation beeindruckt. Vom Beginn des Abklemmens der Kabel der 148 bis zum ersten IPL auf der 7/65 vergingen anderthalb Stunden. Der gesamte Tausch wurde während eines Wochenendes bewältigt. Der Montagmorgen sah bereits den Produktionsbetrieb auf dem neuen System. "Jeder Releasewechsel war problematischer", meinte der DV-Chef.

In dem für einen Monat angesetzten Abnahmetest forderte Steyr eine Verfügbarkeit von 99,8 Prozent, die auch erreicht wurde. Seither gab es einen Ausfall von 90 Minuten, der eine willkommene Gelegenheit war, "auch den BASF-technischen Dienst auszuprobieren".

Nach Aussage des Steyr-EDV-Leiters wurden Leistungen und Platz gewonnen. Gegenüber der 4341-2 wuchsen die CPU-Leistung um zehn Prozent und die I/O-Leistung um 30 Prozent. Gegenüber der IBM-Variante konnten rund 15 Prozent der Kosten eingespart werden.

Jedlicka sieht in einer PCM-Installation kein allgemeingültiges Verfahren für jeden Anwender und schon gar nicht eine "Religionsfrage". Unumgänglich seien Eigenständigkeit auf dem SW-Sektor und fundierte Kenntnisse der Systemprogrammierung. Hier sei vor allem die routinemäßige Unterstützung bei IBM hervorzuheben. Beispielsweise könne auf dem Sektor Literatur "kein PCM auch nur zehn Prozent davon bieten". Der DV-Leiter konstatiert allerdings auch eine "Aushöhlung des IBM-Supports", denn immer weniger Mitarbeiter seien im Feld tätig.

Weitere wichtige Voraussetzungen für eine erfolgreiche PCM-Installation sind laut Jedlicka ein mittelfristiges DV-Konzept mit einer Zweimaschinenphilosophie, die weiterhin Zugang zum IBM-Know-how erlaubt, die entsprechende Unterstützung im eigenen Haus und eine wasserdichte vertragliche Absicherung mit dem PCM bezüglich Fehlerabgrenzung und Rückkauf.

Die PCM-Marktsituation in Österreich (siehe Tabelle 2) ist nach Meinung von Jedlicka vor allem durch folgende Probleme gekennzeichnet: - Die Hersteller müssen ein ausreichendes Ersatzteillager bereithalten und finanzieren (für eine BASF 7/65 sei beispielsweise mit 1,5 bis 2 Millionen Schilling pro Jahr an Ersatzteilkosten zu rechnen);

- der österreichische Markt ist konservativ und mißtrauisch;

- die öffentliche Hand ist wenig kostenbewußt und übt daher keinen Preisdruck aus (Anmerkung der Redaktion: Vor drei Jahren monierte zum Beispiel Itel, mit einem ebenso leistungsfähigen, aber mit etwa 30 Millionen Schilling nur halb so teuren System bei einer Ausschreibung des Statistischen Zentralamts nicht zum Zug gekommen zu sein);

- die PCMs bieten kaum Finanzierungsformen wie Miete an;

- Zeitverzögerungen bis zur Implementierung neuer IBM-Funktionen;

- schließlich ein gewisses "Spiel mit der Angst", da der Tod der PCMs seit 1978 laufend vorhergesagt werde.

Außer IBM als selbstverständlichem Gegner steckerkompatibler Lösungen gehören nach Jedlicka auch die Firmen, die mit Gebrauchtmaschinen handeln, zu den Konkurrenten der PCMs. Diese seien nämlich an einem möglichst großen Pool gleichartiger Systeme interessiert und über einen Vergleich IBM/gebraucht gegen PCM/neu nicht erfreut.

Problematisch sieht der DV-Chef von Steyr die Leistungsangaben der PCM-Hersteller. Bezüglich des von IBM "balanced system" genannten Mixes aus MVS, TSO und IMS könnten die genannten Leistungswerte zumeist nicht erreicht werden. Namentlich die Siemens-Rechner seien zwar "gute BS3000-, aber schlechte MVS-Rechner".