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01.09.1995

Zweiter "MSG-Versuch" ohne die Kirch-Gruppe Telekom nutzt die IFA '95 zum multimedialen Stelldichein

BERLIN (gh) - Telekom-Chef Ron Sommer nutzte die Internationale Funkausstellung (IFA), um sein Unternehmen als umfassende Multimedia-Company zu praesentieren - mit Premieren wie Digital Audio Broadcasting (DAB) und der Ankuendigung eines Multimedia- Joint-ventures mit Bertelsmann und anderen Partnern.

Die Telekom unternimmt, nachdem die Bruesseler EU-Kommission die urspruenglich zusammen mit Bertelsmann und der Kirch-Gruppe geplante Media Service GmbH (MSG) aus kartellrechtlichen Gruenden nicht genehmigt hat, einen neuen Anlauf, um interaktives Fernsehen in Deutschland zu etablieren. Zusammen mit den Verlagshaeusern Bertelsmann und CLT sowie den Fernsehsendern ARD, ZDF, RTL und Canal+ hat man sich hierzu nun auf die Gruendung einer sogenannten Multimedia-Betriebsgesellschaft (MMBG) verstaendigt.

Sie soll ihre Dienstleistungen samt der dazu notwendigen technischen Infrastruktur allen kuenftigen Programmanbietern zu gleichen Konditionen zur Verfuegung stellen.

Zu den Neuheiten, die die Telekom auf der IFA '95 praesentierte, gehoerte unter anderem DAB, ein voellig neues digitales Rundfunksystem, das ab sofort in den Probebetrieb geht und neben der Ausstrahlung von Hoerfunkprogrammen in digitaler Qualitaet die Uebertragung programmbegleitender, aber auch unabhaengiger Informationen in Text, Ton und Bildern ermoeglichen soll. Darueber hinaus testete der Bonner Carrier in Berlin zusammen mit dem ZDF erstmals die Uebertragung von Fernsehsendungen in Studioqualitaet auf der Basis von ATM.

Taeglich wachse momentan die weltweite Teilnehmerzahl bei Online- Diensten um mehr als 10 000, richtete Telekom-Chef Sommer den Blick auf eine weitere IFA-Premiere seines Unternehmens, den abermals runderneuerten Online-Dienst Datex-J, der ab sofort "T- Online" heisst (siehe Bericht auf Seite 4). Mit derzeit rund 840000 Abonnenten sei man in Deutschland immer noch Marktfuehrer und sehe aufgrund der anhaltend hohen Nachfrage dem "heissen Herbst" in dieser Branche gelassen entgegen. Aehnliches gilt fuer den Bereich der ISDN-Anschluesse, wo die Bonner Telekom-Generaldirektion derzeit einen regelrechten Boom verzeichnet. "Wir naehern uns der Zahl von 2,5 Millionen verkauften B-Kanaelen. Das entspricht fuer 1995 bisher einem Plus von 500000 Einheiten gegenueber dem Vorjahr. Ende 1996 werden wir voraussichtlich einen Stand von 4,3 Millionen erreichen", beschrieb Sommer die Situation. Zudem duerfte der Wettbewerb nach seiner Einschaetzung das Geschaeft mit der digitalen Multimedia-Netzinfrastruktur eher noch beschleunigen.

Stichwort Wettbewerb: In bis dato ungewohnt kritischer Weise setzte sich Sommer mit der Liberalisierung des deutschen Telecom- Markts auseinander. Der politisch gewollte Uebergang vom Monopol zum Wettbewerb duerfe nicht nach dem "Hoppla-hopp-Prinzip" und damit ohne tragfaehiges Konzept erfolgen, schrieb der Nachfolger von Helmut Ricke Bundespostminister Wolfgang Boetsch ins Stammbuch. Sommer verwahrte sich in diesem Zusammenhang vor allem gegen eine Freigabe alternativer Netze vor 1998. Ein regulatorischer Rahmen muesse zudem Bestand bis weit ins naechste Jahrtausend haben. Dazu benoetige man aber keine "aufgeblaehte Regulierungsbehoerde", die sich ihre Existenzberechtigung erst durch eine "Ueberregulierung des Markts" schaffen muesse.

Weiterhin grosses Augenmerk richtet man in der Telekom-Chefetage auf die laufenden Verhandlungen mit Bruessel und Washington zwecks Genehmigung der Kooperationsprojekte Atlas und Phoenix. Sommer gab hier erneut seiner Hoffnung Ausdruck, dass die geplante Zusammenarbeit mit France Telecom und Sprint von den Kartellbehoerden gruenes Licht erhaelt.