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13.07.2001 - 

Auf der Frankfurter Kongressmesse Midrange-Welt

Zwiespältiges Echo in der AS/400-Gemeinde

Der AS/400-Nachfolger I-Series mausert sich zur B-to-B-Plattform. Diesen Eindruck vermittelte die auf diese IBM-Server-Plattform fokussierte Kongressmesse Midrange-Welt 2001. Sie lockte mit rund 80 Ausstellern und einem umfangreichen Kongressprogramm knapp 1000 Besucher nach Frankfurt. Von Berthold Wesseler*

"Der erste Tag war mau, mit dem zweiten sind wir zufrieden!". Dieses Messefazit von Soft-M-Pressesprecher Friedrich Koopmann trifft den Tenor der Stimmung unter den Ausstellern ganz gut. Das 13. Meeting der AS/400-Fachleute rief nämlich ein zwiespältiges Echo hervor.

Für die Mehrzahl der Fachbesucher dürfte sich der Besuch gelohnt haben, angesichts hochkarätiger Referenten auf dem begleitenden Kongress, einer klaren Fokussierung auf die Rechnerplattform I-Series beziehungsweise AS/400 und auf eine mittelständisch geprägte Klientel.

I-Series-Partner kritisieren IBM

Dass das Messefazit trotzdem zwiespältig ausfällt, hat andere Gründe. Offenkundig kamen nicht alle Aussteller auf ihre Kosten. Zwar hielten sich zufriedene und unzufriedene Kommentare die Waage, doch insbesondere die Midrange-Neulinge unter den Ausstellern zeigten sich vom Besucherandrang enttäuscht.

Erschwerend hinzu kam diesmal eine erschreckend schwache Rückendeckung durch IBM, die sich erst in letzter Sekunde überhaupt zur Teilnahme durchringen konnte. Und das, obwohl der "Paukenschlag", so IBM-Manager Uwe Witulski in seiner Key-Note-Adresse, des neuen Betriebssystem-Release OS/400, Version 5.1, vom Mai noch lange nicht bei jedem Kunden Gehör gefunden haben kann (siehe CW 20/01, Seite 30), Aufklärungsbedarf also durchaus gegeben ist.

Dabei fühlen sich viele AS/400- beziehungsweise I-Series-Partner von IBM schmählich im Stich gelassen. Wie auf der Midrange-Welt eklatant deutlich wurde, rühren sie die Werbetrommel für die spezifischen Stärken des Rechners derzeit jedenfalls weitaus stärker als der Hersteller selbst. Der versteht sich neuerdings mehr als Anbieter von E-Business-Infrastrukturen denn als Lieferant einzelner Server-Linien und will sich nur noch auf Messen zeigen, wo das Lösungsangebot oder das gesamte Spektrum der E-Server-Rechner abgedeckt wird.

Wird die Cash-Cow nun nur noch gemolken? Ihre fast schon sträfliche Missachtung verwundert um so mehr, scheint doch das Interesse an dem Midrange-Klassiker der IBM ungebrochen, der im deutschsprachigen Raum nach aktuellen Schätzungen in 23000 Unternehmen über 40000-mal im Einsatz ist. Das bewies am besten der Andrang zu Witulskis Keynote im "Debating Theatre". Dort wurden am zweiten Tag unter dem Motto "Von Anwender zu Anwender" zudem erste Praxiserfahrungen mit dem neuen Betriebssystem-Release ausgetauscht.

Wer sich aus erster Hand über die mehr als hundert Neuigkeiten des Mai-Announcements informieren wollte, war jedenfalls in Frankfurt goldrichtig. Erste Aussteller konnten bereits demonstrieren, wie sie die Neuankündigungen der IBM in ihren Produkten umsetzen. Diese rankten sich rund um Technologien wie Java, XML, Linux, Apache und Tomkat. Dazu kamen Hardware-News, etwa bei Datamirror die Ausschöpfung des High Speed Link mit Gigabit-Geschwindigkeit, die dynamische Partitionierung eines Single-Prozessor-Systems und die Ausnutzung der neuen Fibre-Channel-Schnittstellen zur Integration des Midrange-Rechners in Storage Area Networks.

Der Schwerpunkt im ausgestellten Produktspektrum lag fast schon traditionsgemäß wieder bei den Tools, auch wenn die Standardanwendungssoftware zunehmend an Gewicht gewinnt. Knapp bemessen war allein das Hardwareangebot; Informationen zu Bandlaufwerken, Druckern und Plattensystemen waren eher spärlich.

Besonders auffällig sind die Fortschritte beim Thema Internet-Anbindung, angefangen bei Entwicklung und Betrieb von Java- und Web-Anwendungen bis hin zur Nutzung von XML-Technologien. Auch beim Dokumenten- und Workflow-Management waren ausgefeilte Lösungen zu sehen, ebenso Groupware-Anwendungen rund um Lotus Notes/Domino.

Moderne AS/400-Lösungen im ERP-Bereich zeigten Command ("Frida E-Business-Portal") und SOU ("Sou.matrixx"). Für Plattformunabhängigkeit - sei es auf der Grundlage von Java oder dank moderner Software-Entwicklungsumgebungen - standen Innovationen auf der ERP-Seite.

Programme kommen in die Jahre

Beispielsweise macht die bisher der AS/400 verpflichtete Münchener Soft M AG ihre neue Produktgeneration "Soft M Suite" auch für Windows 2000 und Linux verfügbar. Umgekehrt steigt die Entire Software AG, die ihre Produkte mit Hilfe der 4GL-Programmiersprache "Natural" der Software AG von vornherein plattformunabhängig entwickelt hat, nun auch in den AS/400-Markt ein.

Im Rahmen einer Podiumsdiskussion loteten Experten von Softwarehäusern im Fachgespräch mit Uwe Rusch, Brand Manager AS/400 Central Region bei IBM, die Stärken und Schwächen der I-Series als Plattform für Anwendungen zwischen Unternehmen (Business to Business = B-to-B) aus. Die Ausgangslage ist gut, denn mit rund 30 000 Anwendungen in aller Welt ist die I-Series beziehungsweise AS/400 immer noch mit Abstand die Plattform mit der größten Softwareauswahl - auch wenn viele dieser Programme in die Jahre gekommen sind und innovative Anwendungen eher für Linux- oder Windows-Plattformen entwickelt werden, einfach weil deren Marktpotenzial größer ist.

Rusch wies in der Diskussion wiederholt auf ein Alleinstellungsmerkmal der I-Series hin: Das neue Tool "I-Connect", das die Einbindung vorhandener I-Series-Applikationen in solche neuen B-to-B-Szenarien durch vordefinierte Schnittstellen erleichtere und von IBM ausschließlich für diese Plattform angeboten werde.

Stephan Rossius von der SAP, deren Standardpaket im vergangenen Jahr bereits den tausendsten AS/400-Anwender überzeugte, machte aber deutlich, dass eine gute Standardanwendungssoftware die spezifischen Stärken der I-Series nicht ausnutzen kann. Deshalb habe SAP auch einen eigenen Java-basierenden Applikations-Server entwickelt und nicht auf Fremdprodukten wie IBMs "Websphere" oder Beas "Web-Logic" aufgesetzt.

SAP geht eigene Wege

In diesem Punkt war sich Rossius völlig einig mit Ralf Gärtner (Soft M), der ebenfalls die Notwendigkeit eines firmeneigenen Applikations-Servers herausstrich. Beide betonten die wachsende Bedeutung von Portallösungen und elektronischen Marktplätzen; diesen Trend müsse eine moderne ERP-Standardsoftware auf jeden Fall berücksichtigen.

Allerdings, und das machte Rolf Stephan (AD Solutions) deutlich, kann auch die beste Standardsoftware der Welt höchstens 80 Prozent der erforderlichen B-to-B-Funktionalität abdecken, denn: "Geschäftsbeziehungen sind nun einmal höchst individuell." Die restlichen 20 Prozent, die den Pfiff in die Anwendung und den Hauptteil des Nutzens bringen, gibt es nicht von der Stange zu kaufen. Wichtig sei nur, bei der Anpassung beziehungsweise Individualprogrammierung den (Industrie-)Standards zu folgen. Dabei könne die I-Series ihre Stärken als Java-Server, XML-Drehscheibe und als integrativer Faktor ausspielen, der Windows-, Unix- und Linux-Anwendungen auf einem Rechner zusammenführt.

*Berthold Wesseler ist freier Journalist in Brühl.

OS/4i: IBM feilt am E-Server-"Branding"

Auf der Midrange-Welt wurde gemunkelt, das auch dem Betriebssystem OS/400 ein Rebranding blüht. Mit dem Namen "OS/4i" will IBM die Spuren der erfolgreichen Vergangenheit weiter aus den Markennamen tilgen und ihre Cash-Cow von dem weithin verbreiteten Image des Oldtimers befreien. Bei der Ankündigung der neuen I-Series-Modelle fiel der als Zugeständnis an das Partner-Marketing zunächst noch geduldete Appendix 400 still und leise unter den Tisch. Noch beim großen E-Server-Rebranding im Oktober war der traditionelle Namensteil der Tribut, der der erfolgreichen AS/400-Vergangenheit gezollt wurde.

In den USA ist die Diskussion um das Für und Wider des neuen Namens bereits voll entbrannt. Wird OS/400 zu I/OS, analog zu Z/OS beziehungsweise Z/VM der Z-Series-Mainframes? Wohl nicht, denn aufhorchen lässt die Meldung, dass IBM sich das Markenzeichen OS/4i schützen ließ, und zwar als Produktnamen für ein Server-Betriebssystem und die zugehörigen Dienstleistungen. Das macht Sinn, wenn etwa die "4" für die vier Systemwelten AS/400, Windows, Linux und Unix steht, die IBM auf der I-Series-Plattform zusammenführt - und das "i" wie gehabt für Integration.

Auf jeden Fall wird die Namensänderung des Betriebssystems wesentlich kostspieliger als ein neues Logo auf der Box. Es muss nicht nur die gesamte Dokumentation geändert werden. Weil praktisch auch alle Systemnachrichten und Screens Überarbeitungen benötigen, könnte die Umbenennung sogar fünf bis sechs Jahre in Anspruch nehmen.

Auf der Midrange-Welt war allem Rummel um die I-Series zum Trotz weiter ungebrochen von der "400" die Rede. Vielleicht, weil der Mensch ein Gewohnheitstier ist. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass IBM das Marketing für die Server-Plattform I-Series mittlerweile fast ausschließlich den Geschäftspartnern und Softwarehäusern überlässt. Und die führen in ihren Produktnamen ungeschminkt weiter die 400 im Schilde.