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Österreichische Bundesbahn (ÖBB):


30.04.1976 - 

Zwischen Dampflok und Computer. . .

Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) betreiben eines der modernsten Fernschreib- und Datenübertragungsnetze Europas. Es entspricht den Normvorschriften der "Union International des Chemins de Fer" (UIC), Paris.

Der folgende Bericht - speziell für CW-Leser mit Interesse an Prozeßrechner-Applikationen - stützt sich auf Aussagen des zuständigen Projektleiters bei der ÖBB, Dipl.-Ing. Alfred Graßl.

Wegen seiner Struktur läßt sich ein Eisenbahnbetrieb nur mit Echtzeit-Datenverarbeitungsanlagen wirtschaftlich automatisieren. Als vorrangige Einsatzgebiete können hierfür die Steuerung und Überwachung des Linienverkehrs und die Automatisierung der Verschiebebahnhöfe angesehen werden. Aus dieser Sicht ist der Eisenbahnbetrieb ein in sich geschlossenes System.

- Das Problem, das bei der ÖBB gelöst werden sollte, bestand im wesentlichen aus zwei Teilen:

Das bisher handvermittelte Fernschreibnetz war zu automatisieren. Hier ging es um die Frage, dies mit klassischen Wähleinrichtungen - also Relais - zu realisieren oder gleich den Schritt zum Rechner als Vermittlungseinrichtung zu unternehmen.

Es bestand die Notwendigkeit, ein Datenübertragungsnetz für, die ÖBB aufzubauen.

Nachdem es sich bei den Anwendungen um die Übertragung digital codierter Nachrichten handelt, wurde 1969,70 beschlossen, für beide Anwendungen ein gemeinsames Netz aufzubauen. Die B entschied sich bei der Netzwerk-Hardware für eine Zusammenarbeit mit Digital Equipment.

Dazu Alfred Graßl: "Geforderte Leistungsmerkmale waren Modularität, Ausbaufähigkeit und Zuverlässigkeit.

32 Millionen Schilling und 20 Mannjahre

Global gesehen besteht das Netz zur Zeit aus Terminals, Übertragungsleitungen, Vermittlungseinrichtungen und einem zentralen IBM 370-System als Verarbeitungsrechner.

Das gesamte Netz wird in der Endausbaustufe rund 32 Millionen Schilling kosten.

Auf der Basis des von DEC gelieferten Echtzeit-Kommunikationssystems Coratex entwickelte ein ÖBB-Team ein eigenes Betriebssystem, ferner die gesamte Anwender-Software.

Der hierfür erforderliche Aufwand von zirka 20 Mannjahren (mit rund 10 Millionen Schilling anzusetzen) wurde bis heute bereits zu 75 Prozent erbracht.

Auf dem Fernschreibnetz läuft zur Zeit ein Probebetrieb: Zwischen verschiedenen Terminals werden normale Fernschreiben ausgetauscht.

Es läuft darüber hinaus eine Datenerfassung mit anschließender Mietabrechnung für die Güterwagen.

Die dafür installierten Terminals arbeiten mit Geschwindigkeiten von 50 Baud und 150 Baud - die langsameren im 5-Bit-, die schnelleren im 8-Bit-Code. Jedes Terminal ist vieradrig an den zugeordneten Konzentrator angeschlossen.

Die Vermittlungseinrichtungen bestehen aus zwei Klassen Rechnern:

- Sechs Konzentratoren, die das Bezirksnetz betreuen und die Terminalsteuerung durchführen. Sie sind in einem Sternnetz zusammengeschlossen.

- Der Netzknoten übernimmt die Speichervermittlung und stellt die Verbindung zwischen dem Netz und dem Verarbeitungsrechner dar.

Bei den Konzentratoren handelt es sich um Prozeßrechner der Typen PDP-11/20 und PDP-11 40 mit 32 KB Kernspeicher. Sie sind als Doppelprozessoranlagen mit asynchron, Multiplexern für den Anschluß der Terminals und mit synchronen Leitungen (1200 Baud) für die Verbindung zum Netzknoten konfiguriert.

Der Netzknoten ist eine PDP-11/45- Doppelprozessoranlage mit 64 KB.

Daten von den Terminals werden im zugeordneten Konzentrator gespeichert und in einem Übertragungsblock

direkt in den Kernspeicher des Netzknotens gesandt. Von hier gehen die Daten über eine 1200-Baud-Leitung, direkt ins Rechenzentrum.

Ab Mai 1976 soll ein Personalinformationssystem über das Netz laufen, mit dem es möglich sein wird, von verschiedenen Terminals aus Anfragen zu starten.

Im Fernschreibbetrieb soll neben Personaleinsparungen ein bedeutend höherer Durchsatz erreicht werden: Die Vermittlungszeit wird kürzer die Telegramme können schneller zugestellt werden. Denn da es sich um ein ÖBB-eigenes Netz handelt, besteht durchaus die Möglichkeit, einen größeren Teil des Schriftwechsels über Fernschreiben abzuwickeln.

Ein weiteres Ziel ist die Verkürzung der Güterwagenumlaufzeit. Sie beträgt zwischen Beladen und Neubeladen immerhin noch 9-11 Tage.

Über das Netz soll schließlich ein Güterwageninformationssystem laufen. Es gewährleistet die

Informationsübertragung von den Bahnhöfen zu Zentralstellen oder zu Nachbarbahnhöfen. Dazu werden auf den Bahnhöfen intelligente Terminals installiert.

Die "ÖBB" im Zahlenspiegel

Bei der österreichischen Bundesbahn sind derzeit rund 75 000 Personen beschäftigt.

Jährliche Beförderungsleistung:178 Millionen Personen im Bahn-, Seilbahn- und Schiffsverkehr sowie 64 Millionen Personen im Kraftwagendienst.

Im Güterverkehr werden, jährlich 52,7 Millionen Tonnen transportiert. Das Streckennetz umfaßt rund 5900 Kilometer.

Die ÖBB verfügt über 1188 Lokomotiven und 208 Triebwagen 3838 Personen-, 876 Gepäck-, 160 Post- und 36 256 Güterwagen, 1584 Fahrwerkzeuge im Kraftwagendienst sowie . . . 6 Schiffe! auf dem Bodensee und dem Wolfgangsee.

Normvorschriften der "Union International des Chemins de Fer" (UIC), Paris:

1. Die vorhandenen, bahneigenen Leitungsnetze sind optimal zu nutzen.

2. Bei allen Anwendungen der Datenfernverarbeitung soll ein gemeinsames Datennetz und nicht je Anwendung ein gesondertes geschaffen werden.

3. Schutzmaßnahmen sind bereitzustellen, um auch bei Störungen die für den Eisenbahnbetrieb vorgeschriebene Sicherheit zu gewährleisten.

4. In bezug auf die zu übertragenden Daten soll das Datennetz vollständig

transparent sein.

5. Die Datenfernverarbeitung darf nicht an den Landesgrenzen haltmachen und muß eine Kommunikation mit den Datennetzen der Nachbarverwaltungen erlauben.