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01.11.2007

Zwischen den Zeilen der Arbeitszeugnisse

Bert  Stach
Manche Beurteilungen sind nicht so gut, wie sie klingen.

Anton Meier (Name von der Redaktion geändert) arbeitet als Systemadministrator bei einem Lebensmittelhersteller und hat angesichts seines Zwischenzeugnisses eigentlich ein gutes Gefühl. Hier findet sich folgende Bewertung: "Herr Meier hat sich aufgrund seiner langjährigen Berufserfahrung und seines umfassenden Fachwissens sehr schnell in sein neues Aufgabengebiet eingearbeitet. Er zeichnet sich durch Zielstrebigkeit, Gewissenhaftigkeit und Verlässlichkeit aus. Aufgrund seiner raschen Auffassungsgabe findet Herr Meier sich in neuen Situationen gut zurecht, erkennt Probleme, analysiert diese und ergreift sofort die Initiative für die Entwicklung von Lösungsansätzen.

Von guten und schlechten Noten

1. sehr gut (= Zufriedenheit + 3 Steigerungen; immer hervorragend); Beispiel: "Hat stets zu unserer vollsten Zufriedenheit..."

2. gut (= Zufriedenheit + 2 Steigerungen; überdurchschnittlich); Beispiel: "Hat stets zu unserer vollen Zufriedenheit..."

3. befriedigend (= Zufriedenheit + 1 Steigerung; durchschnittlich); Beispiel: "Hat stets zu unserer Zufriedenheit..."

4. ausreichend (= Zufriedenheit; gerade noch ohne Beanstandungen); Beispiel: "Hat zu unserer Zufriedenheit..."

5. mangelhaft (= Bemühen/eingeschränkte Zufriedenheit; deutlich schlechter als der Durchschnitt); Beispiel: "Hat die Arbeiten insgesamt zu unserer Zufriedenheit erledigt..."

6. ungenügend (= Unzufriedenheit; absolut unbefriedigend); Beispiel: "Hat sich bemüht, die Arbeiten zu unserer Zufriedenheit zu erledigen..."

Was ist mein Zeugnis wert?

Wer sein Arbeitszeugnis richtig lesen lernen will, kann sich an die Initiative "Ich bin mehr wert" (www.ich-bin-mehr-wert.de) wenden. Sie wurde von IT-Mitarbeitern gegründet und setzt sich für die Interessen der Beschäftigten in der IT ein. Dazu gehört auch eine differenzierte branchenspezifische Zeugnisberatung.

Die ihm übertragenen Aufgaben erledigt er außerordentlich umsichtig, selbständig und mit vollem persönlichem Einsatz stets zu unserer vollen Zufriedenheit. Seine Arbeitsergebnisse sind, auch bei schwierigen Aufgaben und bei Termindruck, von hoher Qualität. Wir haben Herrn Meier als einen überaus engagierten und extrem belastbaren Mitarbeiter kennen gelernt ..."

Auf den ersten Blick scheint Meier gut bewertet worden zu sein ("überaus engagiert", "außerordentlich umsichtig", "stets zu unserer vollen Zufriedenheit", "in jeder Hinsicht voll und ganz"). Bei genauerer Betrachtung fällt allerdings auf, dass wesentliche Soft- und Hardwarekenntnisse, die von einem Systemadministrator erwartet werden, nicht beurteilt wurden.

Aussagen zu Soft Skills

Insgesamt bleibt die Bewertung sehr allgemein und bezieht sich nicht auf konkrete Anforderungen, die Meiers Aufgaben mit sich bringen. So passt der Satz: "Er zeichnet sich durch Zielstrebigkeit, Gewissenhaftigkeit und Verlässlichkeit aus" auch auf viele andere Berufe. Ihm fehlt es an Aussagekraft, jedenfalls dann, wenn nicht ein klarer Bezug zur Tätigkeit hergestellt wird. Eher zu empfehlen wäre folgende Formulierung: "Herr Meier erfüllt seine Aufgaben gewissenhaft. Wir können uns darauf verlassen, dass er auftretende Probleme in der DV sofort angeht und zielstrebig behebt. Dabei kommen ihm seine umfassenden Kenntnisse und Erfahrungen stets zugute."

Außerdem fehlt es im vorgestellten Zeugnis an der Bewertung von weiteren Fertigkeiten wie Fremdsprachenkompetenz, Branchen- und Marktkenntnissen sowie betriebswirtschaftlichem Know-how, die ebenfalls vorausgesetzt werden. Diese Kenntnisse sind nicht nur zu benennen, sondern auch zu bewerten. Und es fehlen Aussagen zu Soft Skills, also Meiers Maß an Flexibilität, Kontaktfähigkeit und Lernbereitschaft. Ein Systemadministrator sollte dies ebenfalls nachweisen können. (am)