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27.06.1986

Zwischen den zwei IBM-Welten

Rom ist nicht an einem Tag erbaut worden - und nicht an einem Tag untergegangen. Aber das Römische Reich existiert nicht mehr. Größe schützt vor Schwäche nicht. Die ersten Krankheitssignale werden indes gerade von Kolossen gerne heruntergespielt, "weil nicht sein kann, was nicht sein darf".

Von den gefüllten Tauben sind die alten Römer bekanntlich auf die Spaghettis gekommen, die IBM von den Mainframes auf die Personalcomputer. Die Analogie ist klar, aber bringt es etwas, mit ihr zu spielen? Nun, der Computer-Guru Bill Zachmann von der IDC hat mit dem Rom-Zitat bereits 1984 in den USA Schlagzeilen gemacht, zu einem Zeitpunkt also, an dem Big Blue noch mit Rekordergebnissen protzen konnte und Wall Street sich in Götzenanbetung erging.

Wir meinen, daß es sehr wohl Sinn macht, sich über die Zukunft des DV-Giganten Gedanken zu machen. Big Blue selbst tut dies ausgiebig (siehe Seite 1). Da gibt es eine finanzielle Perspektive, nach der die IBM-Jahresumsatzkurve 1990 die 100-Milliarden-Dollar-Linie schneiden soll. Sämtliche Aktivitäten des Marktführers sind diesem Ziel untergeordnet. Und nun kann man behaupten, daß dabei eine klare Produktpolitik auf der Strecke bleibt.

Betrachtet man die Nummern-Show auf der NCC in Las Vegas, das Ankündigungstamtam der IBM im "Schrägstrich"-Bereich (/36, /38) und bei den 3270-PC-Verbindungen, dann findet man diesen Eindruck bestätigt. Die Annahme hat viel für sich, daß der Rechnerriese angesichts rückläufiger US-Umsätze nervös wird, reagiert statt agiert.

Es kann keine Rede davon sein, daß das Migrationsproblem der Anwender mit den jüngsten /36- und /38-Announcements gelöst wird. Zwischen beiden Systemen liegen Betriebssystem-Welten, und - was noch schlimmer ist - sie passen nicht in die DOS- und MVS-Welt der blauen PC und Mainframes.

Allein der legitime Anspruch der Schrägstrich-Kunden, einen Upgrade-Persilschein zu bekommen, ist ein Stachel im Fleisch von Mother Blue. Bleibt nämlich die Frage der Aufstiegsmöglichkeiten: Welche Modellreihe wird überleben? Natürlich: Die Leistungssteigerung tröstet - aber es ist auch nicht vergessen, wie die IBM mit den /34-Kunden umsprang, als das System eingestellt wurde.

Ein graues Bild der IBM: Das vermittelt auch die derzeitige Situation im PC-Markt und bei den 3090-Jumbos. Wenn man die Legende vom angeschlagenen Boxer auf das Computer-Business überträgt, dann findet man schnell die Wahrheit über Big Blue heraus: Dem Wachstum des Großbuchstaben-Vereins sind Grenzen gesetzt - bei den Mikros, bei den Minis und bei den Mainframes.

Die IBM-Marketiers werden auch die Trends auf dem Sektor "Software und Service" im Auge behalten müssen. Im "weichen" Bereich will man sich Luft verschaffen. Mit anderen Worten: Die MVS-Kunden sollen zur Kasse gebeten werden. Nur: Wenn es schon Betriebssystem-Glanzleistungen gegeben haben soll - aus dem MVS-Bereich kamen sie bestimmt nicht.

Es entsprach bisher der Mentalität der IBM-Kunden, Softwareschwächen zu tolerieren. Diesen Luxus wird man sich nicht mehr lange leisten können.