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17.07.1981

Zwischen Gateway und Gabriele

Große Investition, großes Wagnis. VW-Finanzchef Thomée, der die rund 700 Millionen Mark für den Erwerb der Triumph-Adler-Gruppe von Litton und Diehl lockergemacht hatte, zeigte sich gelassen angesichts des 1980er Fehlbetrages in der Kasse der Nürnberger und zu erwartender Verluste in 1981, ja über das laufende Geschäftsjahr hinaus: Hauptversammlungsroutine?

Da wurde den Kleinaktionären stolz erklärt, Wolfsburg hätte sich nicht in das "Operating" der DV-Adoptivtochter einmischen wollen, weil man als Großkonzern der Automobilbranche "keine Ahnung von dem schwierigen DV-Markt" habe. Fast ist man geneigt, dies für gekonntes Understatement zu halten.

Doch so einfach liegen die Dinge nicht. Noch ist - so scheint es - das Vertrauen des größten deutschen Automobil-Konzerns in den zweitgrößten deutschen Bürocomputer-Hersteller ungebrochen. Mit VW im Rücken, so Thomée, und Weers im Aufsichtsrat soll Triumph-Adler wieder "die Perle der Branche" werden, die sie bis 1979 war. VW stehe im Wort, sehe sich als Dauerbesitzer. Sollte sich allerdings, was Thomée immerhin nicht ausschloß, die Computerbranche so entwickeln, daß auf Dauer nur die ganz "Großen" überleben könnten, dann müsse \/W selbstverständlich das Beteiligungsverhältnis neu überdenken.

Die Wolfsburger gehen freilich davon aus, daß sich das Engagement bei TA schon noch auszahlt. Läßt sich ja im Geschäftsbericht 1980 nachlesen (Seite 7): "Grundsätzlich kann - mit gewissen Einschränkungen bei konventionellen Büromaschinen - davon ausgegangen werden, daß die Büro- und Informationstechnik auch zukünftig eine ausgesprochene Wachstumsbranche sein wird." Merke: Erst vor wenigen Monaten wurde die TA-Gruppe in "Aktiengesellschaft für Büro- und Informationstechnik" umgetauft. Nur: Die "Büromaschinenfabrik: TA" ist noch längst kein prächtiger "Elektronik-Falter".

Erste Analysen aus dem Haus VW/TA sehen die Verlust-Ursachen fast ausschließlich in dem "Unwesen" der Mitbewerber, neue Produkte ohne Vorwarnung auf den Markt zu werfen (Stichwort "Innovationshektik"). So wurde der Anschluß an das Feld der "Vollblut-Computerfirmen" noch nicht erreicht. An mangelnder Investitionsbereitschaft (VW) habe es nicht gelegen.

Abgesehen davon, daß man die "Mechanik-Platte" schon nicht mehr hören kann: Es genügt für einen Investor wie VW eben nicht, "Butter bei die Fische zu tun", um dann nur die Fettaugen abzuschöpfen. In diesem Punkt haben sich schon eine Reihe "artfremder" Konzerne verkalkuliert: RCA, General Electric, Singer - um nur einige zu nennen.

Doch noch ist Franken nicht verloren. Gebraucht wird jetzt vor allem eine umfassende Analyse dessen, was in Nürnberg in den vergangenen Jahren versäumt wurde. Da wäre die Vertriebsproblematik. TA macht bekanntlich seit jeher die Fachhändler stark. Aber kann der Büromaschinen-Fachhandel Distributed Processing-Produkte wie die neue TA 1900 vermarkten? Mit der elektronischen Schreibmaschine "Gabriele" tut er sich gewiß leichter: Bei der 1900 geht es um Ausgänge zu den Großrechnern anderer Hersteller- um "Gateways", wie diese Verbindungen im Netzwerk-Englisch heißen. Schon beim Bundesbahn-Projekt, das 1980 auslief, wurde unterlassen, verwertbares Netzwerk-Know-how im eigenen Hause zu bilden. Statt dessen ruhte man sich auf Großauftragslorbeeren aus. Heute fehlen Entwicklungsingenieure, Software-Experten und Marketing-Fachleute aus dem DV-Bereich.

Fazit: Die Verantwortlichen haben sich zu entscheiden - zwischen "Gateway" und "Gabriele".