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16.04.1993 - 

KOLUMNE

Zwischen Kater und Katharsis

Die IBM France will die CGI (Compagnie Generale d Informatique) uebernehmen, ein 4000-Mann-Softwarehaus, gleichsam die SAP Frankreichs (Seite 4). So schlecht kann es um den Mainframe- Marktfuehrer also gar nicht bestellt sein. Wie allerdings mit diesem Zukauf der Turnaround geschafft werden soll, wird wohl nur die IBM selbst wissen. Man sieht schon, Big Blue ist nicht zu fassen. Zwischen Kater und Katharsis pendelt das Stimmungsbarometer. Wer hat denn nun recht?

Doch jetzt haben wir es blau auf rot: "IBM - Niedergang eines Giganten", berichtet das Nachrichtenmagazin "DER SPIEGEL". Schon einmal hatte ein "SPIEGEL"-Titel mit IBM zu tun. "Computer-Gigant IBM - ueber alles in der Welt", so die Schlagzeile zur Geschichte in der Ausgabe vom 27. Januar 1986. Big Blue im "SPIEGEL": Das spiegelt eine Wishful-thinking-Realitaet wider, die in den "SPIEGEL"-Geschichten explizit gar nicht vorkommt. In beiden Faellen, 1986 wie heute, erfaehrt der Leser wenig darueber, wie Meinungen entstehen in der IBM-Welt - und was daraus gemacht wird in Chefetagen der grossen Anwenderunternehmen.

Wie eine Erfolgsmeldung ueber den Computerkonzern IBM frueher fuer Nicht-DV-Spezialisten nur interessant war, wenn sie den Gegenstand ueberhoehte ("ueber alles in der Welt"), so interessieren Schreckensmeldungen ueber den Computermarkt dieselben Leute heute eben nur dann, wenn sie vom Wunderkonzern IBM handeln. Das ist fatal fuer eine IBM, die an dem Mythos der Unverwundbarkeit kraeftig mitgestrickt hat - nicht anzunehmen freilich, dass sich Big Blue den Kopf etwa der Fiducia zerbricht. Der Karlsruher DV- Dienstleistungsbetrieb steht fuer viele, die inbruenstig mit ihrer IBM-Ausrichtung werben - und damit fuer vermeintliche Sicherheit. Nacheilender Ungehorsam aus dieser Ecke waere wohl das geringste Problem, mit dem sich die neue IBM-Spitze auseinandersetzen muss.

Haerter trifft es den blauen Riesen, dass viele Anwender aufgeschreckt sind (Seite 2: "IBM-Krise forciert Trend zum Downsizing"). Der Nimbus der DV-Spezialisten bei den Anwenderfirmen bleibt womoeglich nur dann erhalten, wenn sie durch ein geaendertes Kaufverhalten indirekt den Ruf der IBM zerstoeren, Mass aller Dinge zu sein. "Wir als Anwender sind die Ausloeser der Krise der IBM" - als offizielles Statement der IBM- Anwendervereinigung Guide bekommt dieser Ausspruch besonderes Gewicht. Hier haben wir die Antwort auf die Wer-hat-denn-nun-recht-Frage: in einem funktionierenden Markt immer der Anwender. Die CW hatte am 31. Januar 1986 in einer Replik auf den SPIEGEL-Artikel festgestellt: "Die Ziele der IBM sind nicht mehr automatisch auch die Ziele ihrer Kunden." Mehr ist dazu nicht zu sagen.