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15.11.2007

Zwischen Software und Services

Vice President Software & SaaS Markets PAC Germany
Microsoft reagiert mit dem Ansatz "Software plus Services" zögerlich auf den SaaS-Trend.

Software as a Service (SaaS) wird für Microsofts traditionelles Lizenzgeschäft zur Bedrohung. Der Konzern bemüht sich nun, selbst On-Demand-Angebote zu entwickeln, ohne dabei seine klassischen Umsatzquellen zu beeinträchtigen.

Hier lesen Sie ...

wie Microsoft lokale Software und Mietanwendungen verbinden will;

warum der Konzern kein Gegenangebot zu SAPs Business ByDesign auflegt;

wie der Konzern Microsoft-Partner zu Hosting-Anbietern umschulen will.

"Anwender wollen auch in Zukunft nicht auf Software auf dem PC verzichten", betont Jeff Raikes. Dem Präsidenten der Business Division von Microsoft zufolge bieten lokal installierte Softwareprogramme mehr Bedienkomfort als reine Web-basierende Anwendungen. Die Aussage überrascht kaum, denn Raikes zeichnet unter anderem für die Office-Produkte verantwortlich, mit denen Microsoft jährlich viele Milliarden Dollar einnimmt.

Wenn Microsoft von Services spricht, sind damit Microsoft-Produkte gemeint, die Anwender im Netzwerk verwenden können. "Von einem Service reden wir beispielsweise, wenn der Anwender seinen Exchange-Server nicht im eigenen Unternehmen betreibt, sondern Exchange-Softwaredienste nutzt, die ein Hosting-Anbieter zur Verfügung stellt", definiert Julio de Villasante, Director Software as a Service Strategy bei Microsoft, den Ansatz. "Es ist eher eine Frage, wie die Funktionen aufgesetzt werden, in einer On-Demand- oder in einer On-Premise-Umgebung." Was für Messaging-Server gelte, sei prinzipiell genauso auf ERP- und CRM-Software übertragbar.

Die Rolle der Partner

On-Demand-Angebote sollen Partnerunternehmen bereitstellen. Sie kaufen dafür keine Software von Microsoft wie bisher, sondern schließen einen speziellen Vertrag (Service Provider Licence Agreement) ab. Die Partner zahlen dann an Microsoft für die im Rahmen ihres Hosting-Angebots genutzte Software eine Monatsmiete, die von der Anzahl der Anwender abhängt. Kündigt ein Mieter den Vertrag mit dem Hoster, bleibt der Dienstleister nicht auf den dann ungenutzten Softwarelizenzen sitzen, verspricht das Softwarehaus. Die Hosting-Lizenz hat Microsoft für alle Geschäftsapplikationen sowie Server-Systeme wie Exchange und Sharepoint eingeführt. Nach Unternehmensangaben gibt es weltweit 100 IT-Dienstleister, die entweder ERP- oder CRM-Software oder beide Produktlinien von Microsoft zur Miete feilbieten. Dazu zählt unter anderen T-Systems.

Im Gegensatz zu On-Demand-Spezialisten wie beispielsweise Salesforce.com muss Microsoft bei allen SaaS-Aktivitäten Rücksicht auf die Partnerstruktur sowie auf die existierenden Produkte nehmen. Würde sich Microsoft im großen Umfang selbst als Hoster betätigen, wären die Konsequenzen für das Partnernetz verheerend. Gleichzeitig geriete das Stammgeschäft mit Software in Gefahr, denn Microsoft würde sich selbst Konkurrenz machen.

Microsoft als Hoster

Doch es gibt auch Bereiche, in denen sich der Softwareriese ohne allzu großes Risiko als Hoster betätigen kann. Die teils kostenlosen, teils gebührenpflichtigen Angebote der Portale "Office Live" und "Windows Live" stellen Anwendern aus kleinen und mittelständischen Unternehmen unterschiedliche Online-Dienste zur Verfügung, darunter Funktionen zum Absichern von PCs, Teamkalender, Homepages, E-Mail-Postfächer sowie Projekt- und Dokumenten-Management-Mechanismen. Nutzer von Outlook sind in der Lage, Online-Kalender in die lokal installierte E-Mail- und Kalendersoftware einzubinden sowie Kontaktdaten mit der gehosteten Live-Umgebung abzugleichen. Der "Outlook Connector" stellt die Verbindung zwischen dem On-Premise- und dem On-Demand-Programm her. Der "Office Live Workspace" bietet dem Office-Anwender die Möglichkeit, Dateien auf Dokumentenspeichern im Web abzulegen und gemeinsam mit anderen Online-Nutzern zu bearbeiten.

Desktop-Tools für Live-Dienste

Darüber hinaus liefert Microsoft spezielle Software für Nutzer der Live-Angebote aus. Mit den neuen Tools wie etwa "Windows Live Mail" (der Nachfolger von "Outlook Express") und dem simplen Publishing-Tool "Writer" stellt Microsoft Live-Anwendern Desktop-Programme bereit, mit denen sie vom PC auf Online-Dienste zugreifen können alternativ zum Web-Browser. Gab es diese Werkzeuge bislang nur als Betaversion, sind sie nun in der endgültigen Fassung verfügbar.

Günstigere Lizenzen

Mit "Dynamics CRM Live" bietet Microsoft im Lauf dieses Jahres eine in eigenen Rechenzentren betriebene CRM-Mietsoftware an. Dieses Angebot wird auf die USA beschränkt bleiben. Ob es jemals auch in Deutschland aufgelegt wird, lassen die Äußerungen des hiesigen Managements nicht erahnen.

Für größere Unternehmen gibt es neuerdings spezielle Hosting-Angebote. Beispielsweise könnte ein Konzern eine mehrmandantenfähige E-Mail-Server-Umgebung auf Basis von Exchange ("Exchange Online") mieten. "Jede Tochtergesellschaft eines Konzerns kann so eine eigene E-Mail-Infrastruktur nutzen, ohne diese selbst betreiben zu müssen", erklärt de Villasante.

Offenbar ist Microsoft mit der Entwicklung im Hosting-Business nicht zufrieden, denn unlängst hat das Management eine drastische Preissenkung beschlossen. Für das CRM-Produkt zahlen Dienstleister künftig weniger an Microsoft: Der Konzern hat die Preise um 40 Prozent gesenkt, so dass der Hoster pro CRM-Anwender 15 Euro im Monat an den Softwarehersteller abzuführen hat. Den Mietpreis für ihre Kunden legen die Serviceanbieter selbst fest. Mitunter kombinieren sie verschiedene Programme und offerieren sie zusammen als ein Mietprodukt. Beispielsweise gibt es Kombinationen aus der CRM-Umgebung mit Exchange. "Wir hoffen, dass nun auch der Endkundenpreis für Softwaredienste sinkt", meint Robert Helgerth, Direktor Mittelstand & Partner bei Microsoft in Deutschland.

Allerdings ist die Microsoft-Software noch nicht optimal für das Hosting geeignet. Erst die voraussichtlich Ende des Jahres verfügbare Version 4.0 von Dynamics CRM soll es IT-Dienstleistern erlauben, auf einem Rechner mehrere Kunden zu bedienen. Möglich wird dies durch eine Mehrmandantenarchitektur, bei der auf einer Softwareinstallation viele Mietkunden isoliert voneinander bedient werden können. Hierzu benötigt der Hoster nur einen leistungsstarken Rechner und kann so hofft zumindest der Hersteller deutlich an den Kosten sparen. Das Ziel der Entwicklung: Die Software soll für den Anwender immer gleich aussehen, egal ob er sie im eigenen Unternehmen installiert oder mietet. Ebenso soll er in der Lage sein, On-Demand- mit On-Premise-Software zu verbinden, also eine gehostete CRM-Lösung mit einer lokal betriebenen Finanzbuchhaltung sowie der Office-Software auf dem PC.

Mechanismen, wie sie Microsoft dem CRM-System angedeihen lässt, wird es für die ERP-Software "Dynamics NAV" - wenn überhaupt - erst in ferner Zukunft geben. In dem vermutlich Ende 2008 erscheinenden nächsten Release 6.0 ist diese Eigenschaft jedenfalls noch nicht vorgesehen. Gleichwohl gibt es Dienstleister wie beispielsweise Deloitte in Dänemark, die das jetzige ERP-System zur Miete offerieren. Von einem Massenmarkt kann hier jedoch noch nicht die Rede sein.

Partner müssen dazulernen

Doch nicht nur die Produkte müssen Hosting-fähig werden, sondern auch die Partner. Applikationen zur Miete bereitzustellen ist ein ganz anderes Geschäft, als Programme bei einem Kunden vor Ort einzuführen. Somit müssen sich Partnerfirmen mit Hosting-Unternehmen zusammentun. Doch selbst dann klappt der Ansatz nicht automatisch. Das Hosting einer horizontalen CRM-Anwendung lässt sich viel leichter aufziehen als ein Mietgeschäft mit ERP-Programmen. "Der CRM-Bedarf vieler Firmen, egal aus welcher Branche sie stammen, ist bis zu einem bestimmten Grad ähnlich. Bei ERP-Systemen ist das nicht der Fall", meint Mogens Elsberg, General Manager für Dynamics NAV und AX. Dementsprechend groß ist für Hoster das Geschäftspotenzial mit CRM, wie der Erfolg von Salesforce.com zeigt. Eine Maschinenbaufirma hingegen benötigt andere ERP-Geschäftsprozesse als ein Handelsunternehmen. Wegen der kleineren Zielgruppe ist es Elsberg zufolge für einen Anwendungsvermieter risikoreicher, mit einer vertikalen ERP-Applikation an den Markt zu gehen, als eine CRM-Software zur Miete anzubieten. Aus diesem Grund glauben Microsoft-Verantwortliche auch nicht, dass sich SAP mit dem horizontalen ERP-Mietsystem "Business ByDesign" durchsetzen wird. Gleichwohl hatte SAP unlängst Reseller für das Miet-ERP-Produkt präsentiert. Ein mit dem SAP-Angebot konkurrierendes Mietprodukt kann Microsoft bisher nicht vorweisen und plant dies auch nicht.

Inkubator für das Mietgeschäft

Um Partnern trotzdem Hosting-Kompetenz zu vermitteln, hat Microsoft Testumgebungen in einem "SaaS Incubation Center" sowie Schulungen in Aussicht gestellt. Hierbei helfen sollen IT-Dienstleister wie NTT Europe Online, Pironet NDH und Vision-app. Ferner will der Softwarekonzern personelle Strukturen schaffen, um Partnern beim Aufbau des Hosting-Geschäfts unter die Arme zu greifen.