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06.10.1995

Zwischen vier und 4096 Pentium-Prozessoren in einer Datenbankmaschine "Worldmark-Server von AT&T GIS sind Cluster und MPP zugleich"

MUENCHEN (wm) - Die "Worldmark"-Server von AT&T Global Information Solutions (AT&T GIS) lassen sich vom Multiprozessorrechner zum Cluster und weiter zum massiv-parallelen System ausbauen. Die Kunden aus Einzelhandel, Telekommunikations-Branche und Banken, so Manfred Koehler, Geschaeftsfuehrer von AT&T GIS Deutschland, wollen Rechner, deren Leistung sich an die Beduerfnisse einzelner Abteilung, aber auch ganzer Unternehmen anpassen laesst.

"Das Server-Geschaeft allein wuerde AT&T GIS in Deutschland am Leben erhalten", kommentierte Koehler die Geschaeftslage bei der Vorstellung der Worldmark-Server. Eine Bemerkung, die zumindest amerikanische Branchenbeobachter in Frage stellen (vgl. CW Nr. 38 vom 22. September 1995, Seite 1: "AT&T will 10000 Stellen in der Computerdivision abbauen"): Angeblich lag der Umsatz mit Mittelklasserechnern fuer 100000 bis eine Million Dollar im vergangenen Monat um 50 Prozent unter den Erwartungen, in der Koenigsklasse mit einem Preis ueber einer Million Dollar verdiente AT&T GIS gar nur neun statt statt der geplanten 61 Millionen Dollar.

Jetzt werde sich AT&T GIS auf seine alte Stammkundschaft konzentrieren, versprach Koehler, noch in diesem Jahr wolle ein Telekommunikations-Konzern in Deutschland einen der ersten Worldmark-Server kaufen.

Um auch wieder komplette DV-Installationen liefern zu koennen, werde AT&T GIS Mitte November einen Lieferanten fuer die PCs nennen, die man kuenftig unter eigenem Namen anbieten werde. Ob der Firmenname allerdings nach der anstehenden Unternehmensreform der Muttergesellschaft AT&T erhalten bleibe, koenne man jetzt noch nicht sagen. Unter dem Namen Worldmark hat AT&T GIS zwei Server- Baureihen vereint: Das Einstiegsmodell "4100" und die leistungsstaerkeren Systeme der "5100"-Serie. Beide basieren auf Intels Pentium-Prozessoren mit einer Taktrate von 90 oder 133 Megahertz. In den Einstiegssystemen "4100S" und "5100S" stecken zwei beziehungsweise vier dieser CPUs, maximal sind acht respektive 32 Prozessoren moeglich. Reicht die Rechenleistung dieser Systeme nicht mehr aus, dann koennen weitere S-Modelle zu einem Cluster zusammengeschlossen werden.

Ein solcher "4100C"-Verbund kann aus acht Rechnern mit jeweils bis zu acht Prozessoren bestehen, beim 5100C-System kann der Rechner bis zu 32 Einzelprozessoren aufnehmen.

Wenn selbst die Rechenleistung der 256 Pentium-Chips im "5100C" nicht mehr genuegt, ist bei den 5100-Rechnern der weitere Ausbau zu einem massiv-parallelen System "5100M" mit vorerst 512 und spaeter 4096 CPUs moeglich.

Dann ist allerdings eine neue Verkabelung der einzelnen Rechner noetig: Waehrend die Cluster noch mit Ethernet-Kabel oder Glasfaser verbunden werden koennen, muss beim 5100M das AT&T-eigene "Bynet" eingesetzt werden, eine Verbindung, deren Bandbreite nicht eingeschraenkt wird, wenn an ein bestehendes System weitere Prozessoren angeschlossen werden.

Bynet macht 5100-Server zu einem Parallelrechner

Bynet ist eine Erweiterung der "Ynet"-Verbindung von AT&Ts "3600"- Rechnern. Es steht fuer eine Hierarchie unter den Prozessoren der Rechner, bei der ein Teil von ihnen die Aufgabe des Aufsehers uebernimmt, der anderen Prozessoren die Arbeit zuteilt. Eine Datenbanktabelle wird beispielsweise in gleich grosse Stuecke aufgeteilt und im Arbeitsspeicher der einzelnen Prozessoren gespeichert.

Laut AT&T GIS ergeben sich daraus zwei Vorteile bei der Datenbankabfrage: Wird auf eine einzelne Information zugegriffen, dann sind wahrscheinlich nur ein oder zwei Prozessoren daran beteiligt, die anderen koennen sich anderen Aufgaben widmen. Werden hingegen saemtliche Felder einer Tabelle durchsucht, dann arbeiten alle Prozessoren parallel an dieser Aufgabe, die Arbeitslast ist gleichmaessig verteilt.

Waehrend beim Ynet eine CPU nur mit drei anderen Prozessoren verbunden war, so dass die Daten ueber mehrere Stationen von einem Punkt zum naechsten geschleust werden mussten, sind beim Bynet der Worldmark-Server alle Prozessoren mit allen anderen in Verbindung.

Die Faehigkeiten der Parallelverarbeitung im Bynet oder einem Worldmark-Cluster macht allerdings Veraenderungen am Betriebssystem und an der Datenbank noetig. AT&T GIS liefert eine eigene Unix- Variante mit den Rechnern aus, "AT&T Unix MP-RAS 3.0", die zu Unixware 1.1 von Novell und zu SCO Unix kompatibel ist. Auf den Cluster-Systemen 4100C und 5100C lassen sich die Datenbanken von Informix, Oracle oder Sybase nutzen, beim massiv-parallelen 5100M ausserdem die Teradata-Datenbank von AT&Ts Teradata-Rechnern.

Auf dem Einsteiger-Server 4100S bietet AT&T ausserdem das Betriebssystem Windows NT und alle gaengigen Datenbanken wie Adabas D und Progress an. Im ersten Quartal 1996 soll Windows NT auch auf den 5100S-Servern mit bis zu 32 Prozessoren laufen.

Bei den internen Erweiterungsmoeglichkeiten fallen die 4100- und 5100-Server leicht unterschiedlich aus. Zur Grundausstattung gehoeren bei beiden jeweils 64 MB Arbeitsspeicher und 2 beziehungsweise 4 GB fassende Festplatten.

Bei den 4100-Modellen kann der Arbeitsspeicher bis auf 2 GB erweitert werden, auf den internen Festplatten lassen sich maximal 36 GB Daten unterbringen.

Die 5100-Geraete bieten Platz fuer bis zu 4 GB Arbeitsspeicher und 36 (5100C und 5100M) beziehungsweise 160 GB (5100S) grosse Festplatten.

Die 4100-Modelle werden je nach Ausstattung zwischen 80000 und 250000 Mark kosten, fuer einen 5100-Server sind mindestens 300000 Mark zu veranschlagen.

Ganz nebenbei entzieht sich AT&T GIS mit der Alternative Windows NT oder Unix dem schwelenden Streit um das Client-Server- Betriebssystem der Zukunft. Auf der Unix-Expo vor zwei Wochen in New York hatten sich auch Digital Equipment und Hewlett-Packard fuer diese salomonische Loesung entschieden und bemuehten sich nach Kraeften, den beiden Betriebssystemen eindeutig einen Platz im Client-Server-Umfeld zuzuweisen. Windows NT sehe einfach besser aus als die meisten Unix-Abkoemmlinge, ausserdem lasse sich ein unternehmensweites elektronisches Nachrichtensystem mit Microsoft- oder Lotus-Mail-Produkten leichter aufbauen.

Unix hingegen hat klare Vorteile in puncto Skalierbarkeit und Stabilitaet. NT kommt heute mit maximal vier Prozessoren zurecht, waehrend es bei Unix 32 oder gar 64 sein duerfen. Mit entsprechenden Erweiterungen beschaeftigt eine Unix-Version wie die von AT&T GIS auch ueber tausend Prozessoren. Dementsprechend wurde NT auf der Unix-Expo als Betriebssystem fuer einzelne Abteilungen innerhalb eines Unternehmens eingestuft, waehrend Unix-Server an die Stelle der veralteten IBM-Mainframes in der zentralen Unternehmens-DV treten.