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17.10.1986

Zwischenframe

"Es kommt längst nicht mehr auf die Streuung von Kapazitäten an - fast schwieriger ist es, den erforderlichen Organisationsstand beim Anwender zu erreichen, um das zu implementieren".

Cornelius Schulz-Wolfgramm, seinerzeit Verkaufsleiter Datenverarbeitung der IBM Deutschland, bei der Ankündigung des Informationssystems 8100 für "Fachabteilungen in den Branchen Wissenschaft und Verwaltung, Behörden, Versicherungen, Kreditbereich, Handel und Dienstleistungen" (O-Ton IBM-System-Handbuch) im Oktober 1978.

Seit April dieses Jahres ist die 8100, einstiges Schlüsselprodukt der IBM für dezentrale Datenverarbeitung "out of production". Nach einer langen Zeit "verteilter Konfusion" - die /370-Großkunden mochten das exotische DDP-System nie so recht - wurden die 8100-Akten endgültig geschlossen.

Nun ist ein neues IBM-Stück mit dem Titel "Informationssystem" uraufgeführt worden (Seite 1): Auch die 9370 soll Anwendern in Abteilungen und Filialen die volle Abdeckung ihres Kapazitätsbedarfs gewährleisten (siehe Schulz-Wolfgramm) - wobei gleichzeitig der Informationsfluß des Gesamtunternehmens sichergestellt wird. "Offen gesagt", kokettiert Big Blue in der 9370-Werbung, ist der Neue ... gar nicht so neu." Und dann wird das Geheimnis gelüftet: Der Abteilungsrechner basiert auf der "bewährten Architektur der IBM/370-Familie".

Bewährt - aus der Sicht der IBM-Strategen hat sich auch, für die "bewährten" Betriebssysteme DOS/VSE und MVS/SP, die den neuen

"Zwischenframe" unterstützen, Lizenzgebühren zu verlangen. Daß die Software komplett entbündelt wurde, mag /370-Kunden, die ihre Programm-Investitionen auch bei der 9370 geschützt wissen, nicht sonderlich beunruhigen - solange der Preisverfall bei der Hardware Budgets freisetzt. Und billig sind die 9370-Kisten, für die Mother Blue tief in die 1-Megabit-Chip-Trickkiste gegriffen hat.

Übertriebene Erwartungen, was die Wirtschaftlichkeit von IBM-Abteilungslösungen betrifft, werden bei den 9370-Interessenten gleichwohl kaum aufkommen: Man hat aus den Erfahrungen mit derartigen Systemen gelernt. Dazu ist relevant, daß der Mainframe-Riese neben der 8100 auch die Serie /l, die 4300, und zuletzt das System /36 auf filialtauglich getrimmt hat - bekanntlich ohne Erfolg.

Noch weiß man nicht, was die neuen Maschinen wirklich leisten. Kommen die Abteilungen mit DOS/VSE oder MVS/SP zurecht? Jetzt rächt es sich, daß die IBM früher stets VM blockiert hat. IX/370 kann nur als Zugeständnis angesehen werden. Wenn die IBM ihre Marktanteile halten will, muß sie sich anpassen. Doch die IBM liebt Unix nicht. Diese Aussage gilt auch für Ethernet, das die 9370 für die Kunden anderer Hersteller öffnen soll.

Vorläufiges Fazit: Die 9370-Aktion zielt auf Marktbereinigung. Das Informationssystem bietet den Mitbewerbern (DEC & Co.) indes viele Angriffspunkte. Unbeantwortet durch die IBM sind nämlich eine Reihe von Fragen geblieben: Was wird aus den Systemen /36 und /38? Welchen Stellenwert haben PC-Entwicklungen (386-Qualität!)? Wird die 4361 ausgemustert? Mit einem Satz: Ist der Zwischenframe mit seiner (alten!) /370-Architektur nur eine Zwischenlösung?

Ein Abmagern ihrer Mainframes (3090) als Folge des Distributed Processing (9370) kann nicht im Interesse der IBM sein. Und für DV-Manager beim Anwender könnte das Thema "Zentral oder dezentral?" mit allen Konsequenzen (Änderung der Unternehmensstruktur) zum Alptraum werden. Wer will sich da festlegen?