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08.05.1998 - 

Microsoft-Freunde schreiben einen offenen Brief

Zwölf US-Staaten wollen Windows 98 verhindern

"Als High-Tech-Land wären gerade wir in Massachusetts besonders hart von einem Monopol und der Verhinderung von Wettberwerb betroffen", argumentiert beispielsweise Scott Harshbarger, Generalstaatsanwalt von Massachusetts. Sein Land gehört mit New York, Texas und Connecticut zu den treibenden Kräften hinter der Klage.

Um Schaden von der Industrie fernzuhalten, versuchen die Kläger, eine einstweilige Verfügung gegen Windows 98 noch vor dem 15. Mai zu erwirken, an dem Microsoft das Betriebssystem an die PC-Hersteller ausliefern will. Die offizielle Produkteinführung ist für den 25. Juni geplant. Wie im Fall von Windows 95 gehe es darum zu verhindern, daß Microsoft durch die Integration des "Internet Explorer" mit Windows 98 das bestehende Betriebssystem-Monopol auf den Browser-Markt ausdehnt. Aus demselben Grund bereitet auch das Justizministerium eine Klage vor.

Microsoft wehrt sich in einem Brief an Analysten gegen jede Verzögerung der Windows-98-Auslieferung. Sie werde, so die Warnung, negative Folgen für die gesamte PC-Industrie nach sich ziehen.

PC-Hersteller biedern sich an

Der Softwaremogul macht dabei erheblich Stimmung gegen die zwölf Bundesstaaten und das Justizministerium. Dazu nutzt die Gates-Company auch ihre guten Kontakte zur PC-Industrie. In einem offenen Brief an den obersten Wettbewerbshüter der USA, Joel Klein, bekannten sich 26 Topmanager aus DV-Unternehmen wie den PC-Herstellern Dell, HP, Packard Bell-NEC, Compaq sowie von Chipfabrikanten wie AMD und Intel zu Microsoft. Auffällig übrigens, daß Louis Gerstner, Vorstandsvorsitzender der IBM, sich zu schade war für den Kotau vor Bill Gates.

Die Bittsteller argumentieren in ihrem Schreiben an Klein, sie hätten schließlich Millionen von Dollar in die Entwicklung, das Marketing und die Werbung von Produkten und Dienstleistungen gesteckt, die nun auf eine zeitgerechte Markteinführung des neuen Microsoft-Betriebssystems angewiesen seien.

Mit anderen Worten: Egal, was immer sich die Gates-Company möglicherweise zuschulden hat kommen lassen, zunächst einmal möchte man doch bitte die Unterzeichner Geld verdienen lassen.

Mehr als zwei Millionen Amerikaner würden Software für Windows entwickeln; weitere Millionen Beschäftigte arbeiteten in Industriebereichen, die Hardwarekomponenten herstellen, unter anderem auch solche, die erstmals von Windows 98 unterstützt würden. Nicht ausdrücklich formuliert, schwebt unausgesprochen jedoch die Drohung millionenfacher Arbeitsplatzverluste über der gesamten DV-Industrie, sollte die Welt auf Microsofts Betriebssystem vorerst verzichten müssen.

Etwas komisch wirkt der Aufruf an den obersten Justizbeamten Klein in den Passagen, wo die Absender die höchsten Werte einer demokratischen Gesellschaft bemühen, um der US-Rechtsbehörde die richtige Sicht der Dinge nahezulegen: Konsumenten würde das Recht auf das neue Betriebssystem und damit auch auf aktuelle Hard- und Software verwehrt.