Spekulationen und eine Möglichkeit
Doch damit, so scheint es, ist NSN an der Grenze ihrer finanziellen Möglichkeiten angelangt. Nicht nur, weil das defizitäre Unternehmen nicht hoffen kann, aus dem laufenden Erlösen die Kaufsumme für Motorolas Mobilfunkabteilung finanzieren zu können, sondern auch, weil sie in erhebliche Vorleistungen gehen muss, um das verlangte LTE-Netz aufbauen zu können. Und angesichts der Konkurrenten in den USA, etwa Verizon und AT&T, der komplexen Vorgaben amerikanischer Regulierungsbehörden und des gewiss sich weiterhin fortschreibenden Preiskampfes bei den bestehenden Netzen ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich NSN um das Einsammeln weiteren Kapitals bemühen muss.
Genau darüber verhandelt NSN den neuesten Gerüchten zufolge bereits mit einigen Investoren. Die Beteiligungsfirmen Silver Lake Partners, TPG, Blackstone, Bain Capital und KKR werden vom "Wall Street Journal" genannt, jedoch nur soweit, als NSN mit diesen "informelle Gespräche" führe. Nun könnten diese zum Ziel führen, doch bekanntlich erlaubt das Geschäftsmodell dieser Firmen nicht, über viele Jahre ihre Beteiligung aufrecht zu erhalten. Ein rascher Börsengang wäre dann das Ziel, doch ist dieser, wie bereits gesagt, mit unübersehbaren "Wenns und Aber" versehen.
Eine theoretisch mögliche, vielleicht interessante, jedoch bis heute von Beobachtern nicht in Betracht gezogene Möglichkeit stünde NSN aber vielleicht doch offen. Diese besteht darin, mit dem indischen Konzern Tata, weltweit bekannt geworden durch sein Billigauto "Tata Nano", über eine Beteiligung zu verhandeln.
Dafür könnten folgende Faktoren sprechen: Gegenwärtig reglementiert die indische Regierung die Importe von TK-Netzausrüstungen rigoros. Die Regierung argumentiert selbstbewusst mit nationalen Interessen - schließlich gehört der heimische Markt zu den größten, noch nicht gesättigten und deshalb als Hoffnungsträger gehandelten TK-Märkten der Welt. Diesen wolle man schützen, sprich für indische TK-Ausrüster und Carrier reservieren.
Allerdings dürfte die indische Telefongesellschaft ITI India zu klein sein, um diesen Markt, ein "nationales Projekt", erschließen zu können.
Tata allerdings schon. Zudem ist das Unternehmen, seit 2002 im Besitz des indischen Telekommunikationsunternehmen VSNL, des Weiteren im Besitz der Tata Teleservices Limited, daran interessiert, diesen Markt zu erschließen und, darüber hinaus, sein TK-Geschäft weltweit auszuweiten.
Eine "indische NSN" könnte dafür sorgen. Sie hätte einen ungehinderten Zugang zu dem indischen TK-Markt, das notwendige Know how - und zudem wäre Tata schlagartig weltweit vertreten. Siemens und Nokia aber wären ihr Sorgenkind elegant los…
Im Übrigen arbeiten NSN und Tata Teleservices Limited seit Dezember vorigen Jahres zusammen. Das indische Unternehmen hat rund 90 Mitarbeiter von NSN übernommen und bietet nunmehr Dienstleistungen für Forschung und Entwicklung des Gemeinschaftsunternehmens an.
- : Nokia Siemens Networks rechnet wg Griechenland-Krise mit Stornierungen - EamS
- Ciena erhält Zuschlag: Nokia Siemens verliert Bieterkampf um Nortel-Sparten
- : Nokia Siemens Networks reorgansiert Geschäft und prüft Stellenabbau
- Ausweg aus der Krise?: Nokia Siemens setzt auf TK-Services
- Nokia Siemens außen vor: Ericsson kauft Nortel-Mobilfunksparte
- CDMA-Ausverkauf : Nortel verkauft zentralen Bereich an Nokia Siemens Networks
- Restrukturierung trifft München: Nokia Siemens will weitere 500 Stellen abbauen
- Weder Nokia/Siemens noch Ericsson: O2 lässt Netz von Huawei knüpfen
- : Nokia-Siemens Networks: Siemens-Chef Löscher zieht sich zurück
- : Stellenstreichungen bei Nokia Siemens: 2.290 fallen weg
- Auch Finnland betroffen: Nokia Siemens streicht in Deutschland fast 3.000 Stellen
- : Siemens und Nokia gründen gemeinsame Netzwerk-Sparte
Es könnte also gut sein, dass über eine Beteiligung von Tata an NSN bereits ernsthaft nachgedacht wird. In Mitarbeiterkreisen von NSN wird das jedenfalls bereits getan.(wl)
















