Gegen die Carrier
Von Jürgen Kotschenreuther
Einen ruinösen Preiskrieg und einen scharfen Verdrängungswettbewerb das prophezeit Michael Padberg dem TK-Fachhandel: "Die großen Carrier und Service Provider drängen in das Kerngeschäft der Fachhändler, ein erster Carrier hat bereits TK-Anlagen für einen Euro verschenkt, und es ist abzusehen, dass sie künftig massenhaft Hardware in den SME-Markt schieben werden", sagt der Vorstandsvorsitzende des TK-Spezialdistributors Partners in Europe (PiE).
Die Partners in Europe AG mit Sitz in Etterschlag wurde 1997 gegründet, ist heute nach eigenen Angaben größter Siemens-Partner und kooperiert darüber hinaus mit Alcatel sowie mit Agfeo, Aastra DeTeWe, Auerswald, Funkwerk, GN Netcom, Multinet, Plantronics, Servonic, Sonicwall, Telef??nica, Tiptel, X-Phone, X-Voice und weiteren Firmen. Das Unternehmen gehört zur Padberg AG und bedient den deutschen und österreichischen ITK-Fachhandelsmarkt. Den schweizerischen Markt bearbeitet das Schwesterunternehmen EGTel AG in Adliswil bei Zürich. Zur Holding gehören darüber hinaus die PiE Leasing AG und das Systemhaus PTC Telecom. Die Padberg-Gruppe betreibt im Rahmen eines zentralen Marketings eine Akademie und ein Callcenter.
Vorsitzender des Aufsichtsrates ist Werner Schmücking, ehemals Mitglied des Bereichsvorstandes der Division Information and Communication Networks der Siemens AG.
Die regulatorische Entbündelung der Teilnehmeranschlussleitung (TAL) beziehungsweise des Zugangs ("IP-Bitstrom"), die großen Fortschritte bei VoIP und die zunehmende Verfügbarkeit breitbandiger Zugangstechnik wie zum Beispiel SHDSL, die den klassischen Primärmultiplexanschluss S2M überflüssig macht, sind nach Padbergs Ansicht die Hauptfaktoren für den neuen Wettbewerb. Einige Carrier und Provider, beispielsweise Arcor, Colt und QSC, seien schon emsig dabei, Distributoren, Reseller und Geschäftskunden für ihre IP-Telefonie zu gewinnen; weitere gingen in Stellung. Der große Angriff steht nach Padbergs Einschätzung allerdings noch bevor. "Der Markt wird sich in den nächsten drei bis vier Jahren drastisch verändern. Die klassische Distribution läuft sich tot, wenn wir nicht neue Geschäftsfelder besetzen. Im reinen Wettbewerb über Preis und Rabatt gehen unsere Fachhandelspartner und letztlich wir selber kaputt, diesen Kampf werden wir verlieren."
Eine besonders große Gefahr für seine Partner sieht Padberg, wenn Carrier und Provider via Breitbandzugang Managed Services anbieten. Den Fachhändlern blieben nur noch die primitive Installationsleistung zum Pauschalpreis und der große Ärger in Problemfällen mit entsprechender Nachverrechnung des Lohns für zusätzlich erforderliche und erbrachte Arbeiten. "Das gleicht ja schon fast einer Versklavung", sagt Padberg.
















