Lieber Dr. T., ich lese ständig etwas von “Web 2.0″. Können Sie mir erklären, was das ist?
Ich freue mich außerordentlich über diese Frage, gibt Sie mir doch Gelegenheit, endlich einmal über ein wirklich heißes Thema zu schreiben – wenn ich schon die spannenden Sachen wie SOA, BPO und ERP meinen Kollegen überlassen muss.
Web 2.0 ist, wie der Name schon sagt, die nächste Version des Internets. Sie kommt in 20 jeweils 2,0 Terabyte großen Installationsdateien, läuft nur auf Core-Duo-Rechnern unter Mac OS XX und benötigt Firefox 2.0 für die Anzeige. Das ist natürlich Quatsch, Web 2.0 fühlt sich auf Ihrem Windows-Rechner genau so wohl wie all die Würmer, Viren und Trojaner, die Sie sich bisher eingefangen haben. Aber Web 2.0 ist natürlich kein Schädling – im Gegenteil: Es ist die größte Revolution seit Erfindung der Dampfmaschine, nur ein bisschen subtiler.
Sie merken, ich schwimme ein wenig. Tatsächlich ist Web 2.0 gar nicht so einfach zu erklären. Am besten, Sie surfen mal auf myspace.com, del.icio.us oder youtube.com. Dort tobt es bereits, das Web der Zukunft. Wie Sie merken werden, kommt im Web 2.0 der Inhalt nur noch von den Nutzern selber – “user generated content”, wie der Fachmann sagt. Was daran neu sein soll, Sie hätten schon immer Beiträge im Usenet und in Foren geschrieben? Ja, haben Sie die auch getagged? Haben Sie Ihre Bookmarks geshared und Ihre Bilder geflickred?
Sehen Sie, das alles und noch viel mehr dürfen Sie jetzt mit Web 2.0. Das ist total praktisch, weil man so beispielsweise von jedem völlig ungefragt dessen Meinung erfährt. Wenn Sie zum Beispiel essen gehen wollen und wissen nicht wohin, schauen Sie doch einfach bei qype.com vorbei. Gut, Sie könnten auch Ihre Freunde fragen, aber die sind ohnehin immer weniger geworden, seit Sie so viel Zeit im Web 2.0 verbringen. Auf Qype erfahren Sie, wo es warmen “zigenkäse mit lawendelhonig” gibt und wo man sich “gemühtlich auf die grossen terrasse setzen” kann. Wie Sie sehen, macht Web 2.0 auch endlich Schluss mit der lästigen Diskussion “alte oder neue Rechtschreibung”. Der “Duden 2.0″ wird nur noch eine Seite haben, auf der steht: “Schreipt doch vieh ir volt!”
Bis die Tags – äh Tage,
Ihr Dr. T.
(Dr. T.`s Sprechstunde aus ComputerPartner-Ausgabe 32/06)