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Wer bin ich?
![]() Dr. T. und seine Freunde. Fotos: Beate Wöhe Seit einiger Zeit mache ich mir große Sorgen. Ich höre Stimmen in meinem Laden und habe oft das Gefühl, dass ich neben mir stehe. Kann es sein, Dr. T., dass ich schizophren werde? Sie hören Stimmen in Ihrem Laden? Eventuell sogar während der Öffnungszeiten? Könnte es sein, dass wir es mit dem seltenen Phänomen "Kunde" zu tun haben? Eine abstruse Vorstellung, zugegeben, aber seit das große Etailer-Sterben eingesetzt hat, besteht durchaus wieder die Möglichkeit, dass der Mann, der gerade Ihr Geschäft betritt, nicht der Gerichtsvollzieher ist, sondern dass er einen 50-Zoll-Plasmafernseher kaufen will. Aber jetzt mal Ernst beiseite: Der Mann ist natürlich der Gerichtsvollzieher und ja: Sie sind irre. Aber das ist nicht schlimm. Eine gespaltene Persönlichkeit hat viele Vorteile. Wer schizophren ist, der ist nie allein und muss sich zur Einsamkeitsbekämpfung weder bei Xing noch bei StudiVZ anmelden. Noch besser ist allerdings eine multiple Persönlichkeit. So kann man mit Chips und einer Kiste Bier auf dem Sofa hocken und Frauentausch gucken, während die anderen Ichs für den Ironmann trainieren, einen Bestseller über fokussierte Verkaufsstrategien schreiben und einen Impfstoff gegen AIDS entwickeln. Eine weite Verbreitung dieser Persönlichkeitsvirtualisierung - ich nenne sie mal HyperEgo oder VMensch - wäre auch für die daniederliegende Wirtschaft ein Segen. Kunden, denen der kleine Mann in ihrem Ohr immer "Kaufen, kaufen" zuflüstert, könnten weit besser zur Belebung der Binnenkonjunktur beitragen als eine Senkung der Mehrwertsteuer. Mitarbeiter könnten einfach ihr alter Ego weiterschuften lassen, wenn sie die gesetzlich vorgeschriebene Höchstarbeitszeit überschritten haben, anstatt wie bisher Freizeitausgleich oder Überstundenzuschläge zu verlangen. Auch das Management würde profitieren. Nicht nur, dass multiplen Firmenchefs auch multiple Gehälter, Boni, Aufwandentschädigungen, Dienstvillen, Privatjets und Sekretärinnen zustünden, nein, sie könnten auch die eine oder andere Peinlichkeit verhindern. Nehmen wir einmal Ulrich Schröder, den Chef von "Deutschlands dümmster Bank", der KfW. Wäre er schizophren, hätte der eine Teil ruhig weiter Golf spielen können, während der andere schnell die Überweisung an Lehman gestoppt hätte. Für IT-Unternehmen bietet die Persönlichkeitsvirtualisierung ganz neue Geschäftsfelder. SaaS - Self as a Service - ist nach übereinstimmender Meinung aller Marktforscher und deren Alter-Egos das nächste große Ding. Als erster Anbieter hat RSA diesen Trend erkannt. Wie ich einer Pressemitteilung des Security-Spezialisten entnehmen konnte, bietet das Unternehmen Partnern und Resellern ein "Einstiegsangebot zur Identitätssicherung". Da kann man für knapp 3.000 Euro 25 Identitäten managen und vor "Identitätsmissbrauch" sowie "unsachgemäßem Zugriff" schützen lassen. Der "Authentication Manager" ermöglicht sogar den "zeitgleichen Zugriff mehrerer Benutzer" und vermeidet so "Arbeitsunterbrechungen bei Systemausfällen", sprich Klinikaufenthalten. Ein faires Angebot für jede multiple Persönlichkeit, wie ich finde. Vor kurzem war ich übrigens nahe daran, den Dienst in Anspruch zu nehmen, denn irgendwas stimmte mit einer meiner Identitäten nicht. Ich hörte plötzlich Stimmen, die eindeutig nicht aus meinem Kopf stammten. Erst dachte ich, ich hätte aus Versehen einen sozialen Kontakt aufgebaut, aber dann stellte sich heraus, dass es nur das überlaute Fernsehgerät der tauben Oma von nebenan war. Vielleicht sollte eine meiner Persönlichkeiten zum Fachhändler gehen und ein Bluetooth-Headset für die alte Dame kaufen. Aber das wäre natürlich völlig irre, meinen Ihre Dr. T.'s Die Sprechstunden des einen oder anderen Doktors finden Sie mehr oder weniger regelmäßig in ChannelPartner und online im CP forum. Wollen auch Sie Ihre 25 Identitäten sichern? Dann werden Sie Partner von RSA oder schreiben sie eine Mail an sprechstunde@channelpartner.de. |
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