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Alt 16.11.2006, 15:23
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Dieser Mann weiß alles
 
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Beiträge: 87
Dr. T. befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Die Kunst der Kommunikation



Lieber Dr. T., mein Chef hatte kürzlich einen Auftritt im Web-TV einer glücklicherweise unbedeutenden Fachzeitschrift. Das war sehr peinlich, und nun fürchte ich, dass uns die Kunden weglaufen, wenn mein Chef in einem wirklich wichtigen Medium, zum Beispiel bei CP TV auftritt. Was soll ich tun?

Sie haben Glück, denn ich bin nicht nur Doktor, sondern auch Kommunikationsprofi. Manche Menschen (vor allem die, die mir Geld schulden) würden mich sogar als Kommunikationsguru bezeichnen. Wenn Sie mit Ihrem Chef den von mir eigenhändig verfassten Kommunikations-Leitfaden „Hä?? - Die Kunst der Frage“ durchgearbeitet haben, wird es keine peinlichen Auftritte mehr geben. Leider ist dieses Standardwerk der modernen Kommunikationskunde derzeit vergriffen, und so muss ich Ihnen hier in der gebotenen Kürze die wichtigsten Tipps geben, mit denen Sie in Zukunft den kommunikativen Totalschaden verhindern können:

Tipp Nummer 1: Lassen Sie Ihren Chef mit einer Gegenfrage antworten. Ein knappes „Hä??“ reicht völlig. Journalisten lassen sich so leicht verunsichern. Sie sind außerdem eitel und beantworten ihre Fragen dann gerne selber. Ihr Chef kann während der ausschweifenden Ausführungen des Fragestellers in die Kamera lächeln, ein wenig nicken und so tun, als ob er genau dasselbe hätte sagen wollen.

Tipp Nummer 2: Üben Sie mit Ihrem Chef einen Satz ein, mit dem er für jede Frage gewappnet ist. Als sehr geeignet hat sich folgende Formulierung erwiesen: „Lassen Sie mich zunächst sagen, dass wir als weltweiter Marktführer auch in diesem Jahr nicht zuletzt auch durch den konsequenten Ausbau unserer weltweiten Marktführerschaft unsere weltweite Marktführerschaft ausbauen konnten.“ Nach diesem Satz hat der Journalist garantiert seine Frage vergessen und der letzte Web-TV-Zuschauer weggeschaltet. Alternativ dazu gäbe es noch die sogenannte bayerische Eröffnung. Die geht in etwa so: „Wenn wir - äh- und ich sage das in aller Deutlichkeit - von - äh- München -äh- mit dem Hauptbahnhof, mit dem Flughafen -äh- zum Transrapid zum -äh-, dann -äh- sind wir meine Damen und Herren -äh- wenn sie in Frankfurt oder Paris oder Charles de Gaulle...“ und so weiter ad libitum. Bei dieser Variante besteht allerdings die Gefahr, dass Ihr Boss von der CSU abgeworben wird. Dann können Sie mit seinem Nachfolger wieder von vorne anfangen - aber bis dahin ist sicherlich die 46. Auflage meines Buches erschienen.

Also -äh- viel -äh- und das sage ich mit aller Entschiedenheit - Glück in, äh, München, äh Frankfurt und anderswo.
Ihr
Dr. T.

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