Lieber Dr. T., die „Fritz-Box“ von AVM gibt es ja schon lange. Nun hat D-Link die „Horst-Box“ auf den Markt gebracht. Zeichnet sich hier ein neuer Trend ab?
Ja, absolut – und das ist auch gut so. Wie soll der Nutzer denn zu seinem Router eine persönliche Beziehung aufbauen können, wenn dieser “WL1723XV” oder “AVG2389ZI” heißt? Und warum, bitte schön, sollen nur Frauenzeitschriften “Brigitte” heißen dürfen? Auch einem formschönen Load Balancer würde dieser Namen gut stehen. Viel besser klappt zudem die Kommunikation im Familienkreis, wenn das Netzgerät einen Namen hat. “Vadder, der Horst hat sich mal wieder aufgehängt”, klingt doch viel besser als”Paps, kannst du mal die WL1375 neu konfigurieren?” Auch zur Zielgruppensegmentierung lassen sich Vornamen hervorragend einsetzen. So können Hersteller mit der “Mandy-Bridge” den – zugegeben kleinen – Kreis ostdeutscher DSL-Anwender adressieren. Für die hochwertige Zielgruppe spät gebärender Akademiker bietet sich dagegen die “Thorben-Henrik”-Box an. Abraten würden ich dagegen vom “Edmund-Router”. Wie erste Tests zeigten, kann sich das Gerät beim Verbindungsaufbau nicht zwischen ADSL und ADSL2+ entscheiden.
Sie sehen also, die Bevornamsung hässlicher grauer Kisten ist der Marketing-Trend der Zukunft. Dies haben auch mehrere Studien bewiesen, deren Verfasser mir gerade nicht einfallen. Ich rate allen deutschen Herstellern, nicht auch noch diesen Trend – wie alle anderen – zu verschlafen. Was Sie für das Brainstorming brauchen? Ganz einfach: einen Kasten Bier und die CD „111111 Vornamen aus aller Welt“. So, und jetzt stören Sie mich nicht weiter, ich muss noch Kuno konfigurieren, Deborah debuggen und Thimo testen.
Ihr Dr. T.
(Dr. T.`s Sprechstunde aus ComputerPartner-Ausgabe ?)