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Zwei Mass und kein Führerschein
![]() Dr. T. nach zwei Mass Bier. Foto: Beate Wöhe Lieber Dr. T., ich habe meine Kunden zum ersten Mal aufs Oktoberfest eingeladen. Nun bin ich etwas unsicher, wie man sich dort verhalten muss, ohne sich vor den Geschäftspartnern zu blamieren. Können Sie mir ein paar Tipps geben? Mein erster Rat lautet: Glauben Sie bloß nicht alles, was der bayerische Ministerpräsident sagt. Zugegeben, dieser Tipp ist mehr als wohlfeil - wer traut schon einem Politiker. Aber Becksteins jüngster Ausspruch "Mit zwei Mass, kamma no guud Audo fahrn", bedarf doch eines gesonderten Warnhinweises: Achtung, hier irrt der Beckstein! Ich habe es selbst ausprobiert und fahre seitdem U-Bahn. Da haben mir auch die drei magischen Worte "Eishockey", "Kanufahren" und "Wirsing" nichts geholfen. Mit zwei Mass intus kann man vielleicht noch ein Bundesland regieren. Allerdings nur, wenn es sich um einen so pflegeleichten Fall wie Bayern handelt, wo selbst größte Inkompetenz nicht mit dem Verlust der absoluten Mehrheit bestraft wird. Den Landesfürsten im Osten empfehle ich dagegen mindestens eine Flasche Wodka pro Tag. Dass man dann noch prima Auto fahren kann, beweist die ZDF-Dokumentation "Russlands eisige Trasse". Hessen dagegen ist selbst mit Alkohol nicht mehr zu retten. Hier hilft nur Zubetonieren, was nicht nur das Ypsilanti-/Koch-Problem lösen, sondern auch noch die drastische Parkplatznot in Deutschland lindern würde, die nirgends so schmerzlich erfahren wird wie rund ums Oktoberfest. Mit geschätzten 1,5 Promille aus zwei Litern Gerstensaft kann man außerdem prima: - die KfW-Bank leiten - Distributoren kaufen - noch mehr Distributoren kaufen - halb Siemens kaufen - selbst gekauft werden. Ebenfalls kein Problem ist es, nach zwei Mass Bier ein Storage Area Network, mehrere Rechenzentren oder eine Virtualisierungslösung zu verscherbeln. Vor allem dann, wenn der Kunde das Zeug getrunken hat und nicht Sie. Deshalb mein ultimativer Rat für Ihren Wiesn-Besuch: - Lassen Sie trinken. Täuschen Sie selber an und schütten das schale Zeug hinter sich. In dem allgemeinen Bierzelt-Sumpf aus Schweiß, Urin und - eben - Bier fällt das überhaupt nicht auf - Bringen Sie einen Stapel Verträge mit, den Sie mit folkloristischen Motiven verziert haben. Denken Sie auch an Wartungsverpflichtungen mit zehnjähriger Laufzeit, die Ihnen heute nüchtern keiner mehr unterschreiben würde. Nachdem Ihre Kunden zwei Mass getrunken haben, also voll fahrtüchtig sind, legen Sie Ihnen die Dokumente mit der Begründung zur Unterschrift vor, es würde sich um eine Dankesbotschaft an Günther Beckstein handeln, der sich um die Fahrsicherheit auf deutschen Straßen verdient gemacht habe. Lernen Sie die Worte "Beckstein guter Mann, du Unterschrift" auf Chinesisch, Japanisch, Italienisch, Russisch, Serbokroatisch, Tschechisch und Sanskrit. - Kaufen Sie sich von dem Umsatz einen Distributor oder eine Jahreskarte für den MVV. Prost - auf eine friedliche Wiesn! Ihr Dr. T. Dr. T.'s alkoholfreie Sprechstunde finden sie alle 14 Tage in ChannelPartner und online im CP forum. Wissen auch Sie nach einem Wiesn-Besuch nicht mehr wie Sie heißen? Dann trinken Sie zwei Mass Bier oder senden Sie eine E-Mail an sprechstunde@channelpartner.de Geändert von Dr. T. (26.09.2008 um 12:42 Uhr). |
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