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UMTS statt Viagra
![]() Lieber Dr. T., seit ich ins Management befördert worden bin, kriselt es in meiner Ehe. Ich bin ständig unterwegs und wenn ich mal eine Nacht zu Hause verbringe, dann - na ja, Sie wissen schon, klappt’s auch nicht so richtig. Was soll ich bloß tun? Vor kurzem hätte ich Ihnen noch einen Besuch auf www.mann-info.de empfohlen. Dort finden Sie Themen wie “Mysterium Frau - kennen lernen!”, “Entspannen mit Leib & Seele” oder “Guter Sex? Mehr erfahren!”. Der Betreiber der Webseite heißt übrigens Pfizer, dessen bekanntestes Produkt Viagra. Doch obwohl Viagra natürlich eine Superlösung für alle Partnerschaftsprobleme ist, hat es auch Nachteile. Es ist teuer, gefährlich und außerdem auch noch verschreibungspflichtig. Rezeptfrei bekommen Sie dagegen ein UMTS-Telefon. Und das ist mindestens genau so partnerschaftsfördernd wie das chemische Zeug. Zu diesem Ergebnis kommt zumindest die Studie “Generation HERE”, die im Auftrag von Motorola erstellt wurde. In einer Pressemitteilung beschreibt der Hersteller sehr anschaulich die “menschliche Seite von UMTS”: “Videotelefonie oder der Versand von Bildern hilft zum Beispiel bei der Festigung von Bindungen in Fernbeziehungen, in denen Video-Blickkontakt die persönliche Nähe ersetzt…” Das ist doch genau das Richtige für Sie: Festigung von Bindungen in Fernbeziehungen! Nachdenklich hat mich allerdings folgender Passus gemacht: “… Ähnlich geht es einem schwedischen Piloten, der Videotelefonate mit seiner Freundin als sehr intim und emotional beschreibt, da er dabei ihre Mimik und Gestik sehen kann.” Ein Pilot, der Videotelefonate führt - aber doch hoffentlich nicht im Dienst! Ich habe sicherheitshalber alle Flüge mit skandinavischen Fluggesellschaften storniert. Leider sind die partnerschaftsfördernden Fähigkeiten von UMTS in Deutschland (zwölf Millionen Singles! vier Millionen Fernbeziehungen!!) weit gehend unbekannt. Wie eine repräsentative Blitzumfrage in der ComputerPartner-Redaktion ergab, beträgt der Anteil der UMTS-Nutzer wahrscheinlich null Prozent. “Wahrscheinlich” deshalb, weil unsere Redaktionsassistentin auf die Schnelle nicht herausfinden konnte, ob ihr Handy UMTS-tauglich ist und zwei der Befragten mit “UMTS - was ist das?” antworteten. Wesentlich besser sieht übrigens die Marktdurchdringung (ich wollte jetzt nicht “Penetration” schreiben) bei Viagra aus. Immerhin knapp acht Prozent der Studienteilnehmer waren im Besitz der Droge, benutzten sie aber nach eigenen Angaben nicht. Weitere acht Prozent kannten jemanden, der das Zeug nimmt, verweigerten aber weitere Details. Verwirrend dagegen die Antwort eines - zugegebenermaßen noch sehr jungen und offensichtlich ungedienten - männlichen Redaktionsmitglieds: “Ich bräuchte eher ein Mittel, das die Potenz senkt.” Ich gebe Ihnen einfach mal seine Kontaktdaten. Vielleicht lassen sich Über- und Unterfunktion im Zuge einer Win-Win-Situation irgendwie ausgleichen. Wenn das alles nichts hilft, möchte ich mit einem Zitat des großartigen Fußballers Pelé schließen: “Sprechen Sie mit Ihrem Arzt. Ich würde es tun.” Ihr Dr. T. (Dr. T.`s Sprechstunde aus ComputerPartner-Ausgabe 18/06) Geändert von Dr. T. (13.10.2006 um 13:57 Uhr). |
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