Wir sollen also unsere Kunden warnen! Wovor soll ich ihn denn alles warnen? Vor den Sales- und Marketingstrategen der Hersteller, die alles können, wenn nur der schnelle Abschluß winkt? Oder vor Fachzeitschriften wo der Redakteur mehr mit Facebook-, Blog- und Twitteraktualiserung beschäftigt ist, als den gerade kopierten Artikel aus der
PR-Abteilung des Herstellers zu überprüfen? Oder vor den Mitbewerbern, die nicht beraten, sondern unter dem Deckmantel der Beratung das am besten provisionierte Produkt verkaufen?
Egal wie ich es anstelle, bei einem Kunden der uns nicht kennt, bringe ich mich mit der Wahrheit in eine schlechte Position. Denn wenn ich behaupte, das die Heilsversprechen der oben genannten Personengruppen nicht, oder nur zum Teil der Wahrheit entsprechen, dann befinde ich mich plötzlich in der Nachweispflicht. Und anstatt mein Beratungskonzept an den Mann zu bringen, erzähle ich dem Kunden plötzlich was alles nicht geht. Und in den letzten 20 Jahren kann ich mich nicht entsinnen, daß ein Kunde hören möchte, was alles nicht geht.
Die Situation entspannt sich nur, wenn es ein Bestandskunde ist, der uns vertraut oder die ?Kollegen? bereits verbrannte Erde hinterlassen haben. Damit ist dann aber auch schon Budget verbrannt worden, und dies setzt das neue Projekt zusätzlich unter Druck. Als Lösung bleibt eigentlich nur, den Verbalakrobaten auch zur persönlichen Umsetzung des Projektes zu zwingen. Nach einigen Wochen im kalten Rechenzentrum bei Wasser und Brot, wird er sich sein nächstes Salesversprechen genau überlegen.