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Zunehmende Bedeutung der Älteren auf dem Arbeitsmarkt
Die verbreitete Vorstellung, dass ein Jugendwahn in der Arbeitswelt immer mehr um sich greift, entbehrt jeder Grundlage. Vielmehr trifft das Gegenteil zu: Im Erwerbsleben verschiebt sich die Struktur immer mehr hin zu den Älteren....
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  #1 (permalink)  
Alt 01.06.2007, 08:23
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Agens1 befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Daumen runter Zunehmende Bedeutung der Älteren auf dem Arbeitsmarkt

Gerücht - Lüge - Statistik

"Ich glaube nur der Statistik, die ich selbst gefälscht habe", soll Churchill eimal gesagt haben. Das DIW scheint sich das zu Herzen genommen zu haben. Anders ist diese Interpretation der Ergebnisse wohl kaum zu erklären. Da heißt es: "Bei den Selbstständigen hat die Zahl der Älteren überdurchschnittlich zugenommen." das ist laut DIW positiv. Kann es auch sein, dass "ältere Arbeitnehmer" einfach keine Lust auf Hartz 4 haben und dann lieber versuchen, sich als Selbständige über Wasser zu halten?

"Ebenfalls ist der auf ältere Arbeitnehmer entfallende Anteil am gesamten Arbeitsvolumen gestiegen." Das ist ja toll: Die ALTEN arbeiten alle freiwillig länger, weil es so viel Spaß macht. Das hat nicht mit leeren Rentenkassen, ständig neuen Hiobsbotschaften zur Rechtensicherheit etc. zu tun. Die Alten freuen sich darauf, auch mit 67 noch arbeiten zu dürfen!

"Diese Entwicklung ist laut DIW vor allem darauf zurückzuführen, dass die geburtenstarken Jahrgänge der Nachkriegszeit auf ihren Arbeitsplätzen altern." Stimmt! Gerade in der IT-Branche ist die Zahl der 50-jährigen Entwickler sehr hoch. Das gleiche gilt für den produzierenden Bereich; also für Maurer, Schlosser und andere handwerkliche Berufe. Auch im Gesundheitswesen arbeiten die Pflegegkräfte gern länger. Die freuen sich schon heute darauf, auch mit 65 noch Kranke ohne Hilfsmittel aus dem Bett zu wuchten. Das ist ja auch sooo gut für den alten Rücken. Schließlich gilt die Regel: Was uns nicht kaputt macht, macht uns stark!

"Hinzu kommt, dass die Älteren - insbesondere Personen ab 55 Jahren - länger im Erwerbsleben bleiben wollen. Das liegt vor allem daran, dass infolge der vermehrten Bildungsanstrengungen seit Mitte der Sechziger Jahre das Qualifikationsniveau der Gruppe der Erwerbspersonen im Alter von 50 Jahren und mehr deutlich gestiegen ist,..." Vollkommen richtig liebe Statistiker des DIW. Zwar wurden in den meisten Unternehmen die Qualifizierungsmaßnahmen in den letzten Jahren deutlich reduziert, aber das ficht einen guten Statistiker nicht an. (Ich erinnere hier nur noch einmal an Churchill.)

Das DIW-Fazit ist deshalb auch die konsequente Zusammenfassung der kruden Interpretationen: da heißt es: "Vor allem komme es darauf an, das Humankapital der Arbeitnehmer ständig weiterzuentwickeln." Hier muss eine Frage erlaubt sein: Wie bitte liebe DIW-Statistiker, wird Humankapital weiterentwickelt? Going Public? Aktiensplit? Hedge Fonds auflegen?

Ich habe selten eine so offensichtlich einseitige - und damit: ausgesprochen dumme - Interpretation einer Studie gelesen. Da werden Daten frei - das heißt: ohne den Gesamtzusammenhang zu betrachten - interpretiert, das einem schon beim Lesen ganz schwindelig wird von den vielen Kapriolen.

Kann es sein, dass im DIW das Churchill-Zitat zur Vorgabe für Interpretationen gemacht wurde? Schade, dass das DIW nicht das Rückrat hatte, dem Dreiklang aus der Überschrift zu widerstehen. So haben die Statistiker nur einen weiteren Beleg für den Wahrheitsgehalt dieser Aussage geliefert. Vom DIW erwarte ich mehr!

Agens1
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  #2 (permalink)  
Alt 22.06.2007, 07:15
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Registriert seit: 05.04.2007
Beiträge: 23
tandler befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Das DIW hat ja vor kurzem auch einen weiterhin anhaltenden Wirtschaftsaufschwung (ich kann das Wort bald nicht mehr hören) prognostiziert und damit begründet, dass endlich auch die -von vielen bislang vermisste- Binnenkonjunktur durch die positive Lohnentwicklung angekurbelt wird. War ein Bericht im B5-Radio, kann daher leider keine schriftliche Quelle angeben.

Gestern kam ein Bericht über den Ticker, dass aufgrund der allgemein gesunkenen Nettolöhne die Düsseldorfer Tabelle überarbeitet wird und damit die Vorgabe für Unterhaltszahlungen an Scheidungskinder z.T. deutlich gesenkt werden soll.

Daher überrascht auch nicht die Aussage, dass der Jugendwahn in deutschen Unternehmen ein Märchen sei. Tatsache ist doch, dass -gerade die börsennotierten- Unternehmen versuchen ihre älteren Mitarbeiter billig loszuwerden (Vorruhestandsregelungen etc) und bei Neueinstellungen Mitarbeiter jenseits der 35er Grenze so gut wie keine Chancen mehr haben, da diese schlichtweg teurer sind als ein Abiturient oder Praktikant.

Soviel zum Thema DIW. Bei kaum einer anderen Institution ist dermassen klar, wer diese finanziert. Wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing.........
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  #3 (permalink)  
Alt 12.07.2007, 08:34
Neues CP-forum-Mitglied
 
Registriert seit: 04.12.2006
Ort: Sattahip (TH) / Hamburg
Beiträge: 73
imchantuk befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Rotes Gesicht Alle reden von der Jugend - Wir nicht

Ich habe hier schon an anderer Stelle kundgetan: als Geschäftsführer eines mittelständischen Softwarehauses stelle ich grundsätzlich nur Mitarbeiter ab 40 Jahre ein. Nicht weil wir ein Altersheim betreiben, sondern weil wir auf Berufserfahrung nicht verzichten können. Ein 25jährigen mit 20jähriger Berufspraxis gibt es eben nicht
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  #4 (permalink)  
Alt 13.07.2007, 08:58
CP Forum-Mitglied
 
Registriert seit: 05.04.2007
Beiträge: 23
tandler befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Hallo Imchantuk,

das ist eine löbliche Einstellung, aber leider sieht's eben in den Personalabteilungen der grossen (börsennotierten) Firmen -egal welcher Branche- total anders aus. Hier zählt für die einfacheren Jobs jung (da billig), für die Azubis muss es dann Abi sein und die anspruchsvolleren Posten abgeschlossenes Studium, frisch von der Uni (Stichwort: jung) (egal in welcher Fachrichtung), am besten noch Ingenieur (das Zauberwort des Jahres) aber auch hier: Unter 30, bitteschön.

Berufserfahrung kostet eben Geld, das wiederum braucht man für die Dividenden und die Gehälter des Vorstandes, ausserdem drücken hohe Personalkosten auf den Aktienkurs, und wer will sich dazu noch einen alten Knacker in's Büro holen, der jede Woche einmal wegen Zipperlein zum Arzt rennt. Und ja überhaupt nicht in's -junge- Team passt.

Gruss aus Bayern
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