Nahkampf-Beamer mit kleinen Schwächen

Nahkampf-Beamer mit kleinen Schwächen

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Hier ist mein Testbericht für ChannelPartner. Diesmal durfte ich den Nahprojektionsbeamer von BenQ mit der Bezeichnung „MP771″ genauer unter die Lupe nehmen. Als das Paket von CP bei mir eintraf, stürzte ich mich mit großer Vorfreude darauf, um sofort auszupacken und das Gerät in Betrieb zu nehmen. Der erste Eindruck der Verpackung war dann schon mal eher ernüchternd. Ziemlich schlichte Verpackung, sehr dürftige Polsterung aus Schaumstoffecken. Ob so ein Gerät ohne weitere zusätzliche Umverpackung einen Pakettransport übersteht? Ich glaube eher nicht. Gut, dass CP nochmals den Beamer mit seiner Originalverpackung extra verpackt hat - mit viel Luftpolster, sonst hätte ich möglicherweise einen Transportschaden als Testobjekt bei mir gehabt.

Ausgepackt war er dann gleich, da nicht sehr viel Zubehör dabei ist. Gerade mal das Stromkabel, ein VGA-Kabel 15-polig und die Fernbedienung. Dazu noch ein kleines A5-Handbuch mit einer Schnellinstallationsanleitung und eine CD mit detaillierter Anleitung. Erster Eindruck schon mal etwas enttäuschend. Der Aufbau und Anschluss klappt reibungslos und zügig. Alle Anschlüsse am Gerät eindeutig und beschriftet.

Kein manueller Zoom

Die Ausrichtung für den MP771 bereitete mir dann doch etwas mehr Probleme, als vorher angenommen. Jede kleinste Positionsänderung des Beamers wirkt sich sehr stark auf die Bildprojektion aus. Gut dachte ich, werde ich den manuellen Zoom zur Hilfe nehmen, aber leider Fehlanzeige. Das Gerät hat keinen manuellen Zoom! (Das Gerät hat nur einen digitalen Zoom, Anm. der Red.). Da musste ich eben den Beamer so lange justieren, bis das Bild sauber auf die Leinwand passt. Nach etwa 15 Minuten hatte ich mein gewünschtes Ergebnis.

Die ersten Datenbilder mit einer Auflösung von 1280×1024 und 1024×768 über den angeschlossenem Notebook konnten sich sehen lassen. Die Ausleuchtung ist recht ordentlich. Was die Schärfe angeht, sind an den Randbereichen leider Schwächen zu erkennen. Nach oben hin wird das Bild immer unschärfer. Die Schriften am Desktop-Bild werden sehr unleserlich. Ebenso wenig überzeugt die Trapezeinstellung. Eine genaue Justierung des Bildes ist hier auch nicht möglich. Die Farben des Computerbildes lassen sich mit Hilfe der Bildoptimierungsfunktionen an der Fernbedienung gut der Umgebung anpassen. Positiv zu bewerten sind auch die Einstellmöglichkeiten für Projektionen auf Schultafeln oder farbige Wände wie zum Beispiel gelben Flächen.

Beim Test mit Videosignal über S-Video sowie über Video zeigte das Gerät leider Schwächen. Es sind keine scharfen Konturen möglich. Ein eher verwaschenes Bild. Der Test von Videos über den DVI-Eingang ist recht ordentlich. Hier kann eine deutlich höhere Schärfe des Bildes erzielt werden. Auch der Kontrast zeigt dann gute Werte, allerdings keine Spitzenwerte, wie ich es schon von anderen Geräten in dieser Preisklasse gesehen habe.

Regenbogeneffekt

Der bekannte Regenbogeneffekt ist deutlich zu sehen, obwohl beim Projektor ein 6-Segment-Farbrad eingesetzt wird. Diese Technik scheint bei BenQ doch nicht so gut ausgereift zu sein, denn nach etwa 50-60 Minuten „Videogenuss” treten dann Ermüdungserscheinungen für das Auge ein. Wahrscheinlich dreht das Rad zu langsam. Auch andere Testpersonen fanden diesen Effekt als sehr störend. Die Helligkeit des Bildes hingegen ist sehr gut und ermöglicht auch in einem „taghellen” Raum ein ordentliches Bild. Bei abgedunkeltem Raum merkt man dann, dass der Schwarzwert eher schlecht ist, und die Helligkeit des Bildes einen schon fast blendet. Das Zurückschalten auf den Eco-Modus bringt im „Nachtbetrieb” keine große Besserung, das Bild ist für einen entspannten Videoabend zu hell und anstrengend.

Die Geräuschentwicklung kann bei einem Videoabend eher nerven, da das Gerät sehr laut arbeitet. Im Schulungsbereich sollte dies eventuell auch als störend für die Schüler empfunden werden, wenn man im Prüfungsstress ist und dann noch den deutlich hörbaren Beamer im Ohr hat.

Der Stromverbrauch solcher Geräte ist heutzutage dem Verbraucher immer wieder ein Dorn im Auge. Leise sollen sie sein und sehr sparsam im Stromverbrauch. Der MP771 erfüllt leider keines dieser Merkmale. Stolze 330 Watt „verbrennt” der Beamer im Durchschnitt, wobei die Spitzenwerte bis zu 365 Watt steigen. Im Standby lag er grade mal bei 3-4 Watt, angegeben wurden 5 Watt.

Die Menüsteuerung des Gerätes zeigt sehr gute Einstellmöglichkeiten. Diese könnten allerdings den Laien überfordern, so dass das Handbuch (was ja nur auf CD vorliegt) zu Rate gezogen werden muss. Umständlich! Ein klarer Minuspunkt ist das fehlende Handbuch in Printform.

Die Verarbeitung des Gerätes ist von bekannter BenQ-Qualität. Robust und sauber angeordnete Bedienelemente und Anschlüsse. Die Fernbedienung liegt auch gut in der Hand und hat als kleines Feature einen Laserpointer integriert. Gut ist auch die Möglichkeit der Eingabe eines Passwortes, was für Schulen und Konferenzräume bessere Sicherheit bietet, falls das Gerät mal einen „neuen” Besitzer gefunden hat.

Der Verkaufspreis des Projektors ist bei etwa 1500-1800 EUR inklusive Mehrwersteuer angesiedelt. Ein stolzer Preis, wenn man bedenkt, dass doch einige Schwächen feststellbar sind. Die Margen des Gerätes sind aufgrund des sehr starken Online-Marktes eher gering, so dass sich ein reiner Massenverkauf des Projektors über Webshops nicht lohnt. Er sollte eher als Fachhandelsprodukt mit einem Service für Installation und Wartung dem Verbraucher angeboten werden, damit der Händler hierbei noch ein paar Euros verdienen kann. Zugleich noch eine passende Wandhalterung mit Installation verkaufen. Macht bei dem Gerät Sinn, da man wie schon erwähnt sehr lange an der Feinjustierung spielt, bis das Bild da ist, wo es sein sollte.

Zu haben ist das Gerät bei den Distributoren COS GmbH, Actebis, Ingram und Techdata. Der Händlereinkaufspreis bei zirka 1300 bis 1400 EUR zuzüglich Mehrwertsteuer.

Mein Support-Test:

Der Test umfasste auch die Erreichbarkeit des Supports von BenQ. Für 1,24EUR/min. kann man die technische Hotline von BenQ erreichen. Die RMA-Hotline ist unter 01803-232002 für 0,09EUR/min. erreichbar. Dies ist allerdings keine direkte BenQ-Hotline, sondern es meldet sich die digitest-Zentrale. Warteschleife für ca. 15 Minuten ohne einen Ansprechpartner am Telefon. Sehr ärgerlich. Dann muss ich eben den Weg der Online-RMA gehen. Auf der Homepage kann ich nun eine Produktnummer des Gerätes eingeben, nur wird diese Nummer nicht akzeptiert. Ok, dann eben alles manuell eingeben und schon ein weiteres Problem gefunden. Das Model MP771 wird nicht in der Produktliste von digitest gelistet. Nehme ich MP770 als Alternative und beschreibe meinen „Fehler”. Nach Bestätigung der erneuten Email ist dann endlich die RMA fertig. Mal gespannt, wie lange da eine Rückantwort dauert, bis das Produkt abgeholt wird und mir ein Leihgerät zur Verfügung gestellt wird. So schreibt ja zumindest BenQ, dass man ein Leihgerät für die Zeit der Reparatur bekommt. Einen Tag später erhielt ich dann eine Antwort des Support-Centers, ich solle nochmals die Angaben überprüfen, da die Seriennummer nicht bekannt sei. So musste ich nochmals alle Daten per Mail an den Support schicken, damit ein RMA-Ticket für mich eröffnet wird. Einige Stunden später wurde dann mein Reparaturantrag bewilligt und ich erhielt die UPS Paketdaten und eine Bestätigung, dass am nächsten Werktag das Gerät abgeholt wird. Ich hakte nochmals per Mail nach, ob ich denn während der Reparaturdauer ein Leihgerät erhalten werde. Erst nach dieser erneuten Nachfrage wurde mir ein Leihgerät zugesichert.

Mein Fazit dieser Support-Prozedur: Etwas träge und erst nach erneutem Nachhaken per Mail wurde mir dann ein Leihgerät zugesichert. An dem Service sollte BenQ unbedingt noch nachbessern, da es sonst nur frustrierte Kunden geben wird. Alles in allem ist der Supporttest dann aber doch positiv ausgefallen.

Fazit: Robustes und vom Design her ein ansprechendes Gerät, das allerdings im Preis-Leistungsverhältnis keine Pluspunkte kassieren kann. Auch ist die problematische Justierung aufgrund des fehlenden (manuellen) Zooms ein negativer Punkt. Das Lüftergeräusch sowie der hohe Stromverbrauch sorgen für weitere Minuspunkte. Unschärfe im Bild und starker Regenbogeneffekt lassen das Ergebnis weiter sinken.
Pluspunkte kann sich das Gerät bei der Helligkeit, sowie bei den Einstellmöglichkeiten der unterschiedlichen Wandfarben holen. Gut zu bewerten sind die Passwortsicherheit und eine Schnellabschaltfunktion (gerade mal 25 Sekunden). Die Farbeinstellungen und Kontrastwerte lassen sich schnell einstellen und bringen akzeptable Ergebnisse. Der Support ist nach anfänglichen Kontaktschwierigkeiten doch noch positiv ausgefallen.

Mit einer Gesamtnote von 3,4 liegt der MP771 im unteren Bereich und ist nur bedingt empfehlenswert.

PDF:  benq-mp771-testbogen

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