Buffalo TeraStation WS 2TB: Wie gut ist die Bedienbarkeit eines Windows-NAS?

Buffalo TeraStation WS 2TB

CP product expert: Christian Fasold, FaSoft , cfasold@fasoft.de
Hersteller und Name des Testgeräts:
Buffalo TeraStation WS 2TB
Testzeitraum:
Juni/Juli 2010
UVP:
Straßenpreis: ca. 1130 € brutto
Bezugsquellen und HEK:
www.channelpartner.de/produkt-scout
Distributoren:
Actebis Peacock, B.com, Ingram Micro, Tech Data

Erster Eindruck

Das Auspacken des Network Attached Storage-Gerätes gestaltete sich relativ unspektakulär. Neben dem schwarzen 4-Bay-NAS mit kleinem Front-LCD-Display befinden sich eine Kurzanleitung, eine CD, zwei Schlüssel und zwei Netzkabel (für Deutschland und England). Das Gerät selbst ist relativ kompakt. Es hat auf der Vorderseite eine abschließbare Klappe, hinter der sich die vier Hot-Plug-SATA-Slots befinden. Weiterhin sind an der Vorderseite ein kleines LCD für allgemeine Infos angebracht, ein paar LEDs und drei Tasten. Auf der Rückseite stecken der Stromanschluss (Kaltgeräte-Buchse), zwei USB-Ports, ein serieller Port (z.B. für den Anschluss einer USV-Überwachung) und ein Netzwerkport.

Für ein semi-professionelles NAS ist es nicht optimal, nur einen Netzwerkport zu haben, denn mit zwei Ports kann man entweder die Bandbreite erhöhen (Trunking) oder die Ausfallsicherheit verbessern (Fail-Over). Schick sieht hingegen das blau beleuchtete Display aus, auch wenn dieses enorm blickwinkelabhängig ist, und man sich schon direkt vor das Gerät stellen muss, um es ablesen zu können.
(Note: 1,3; Gewichtung: 10 Prozent)

buffalo-terastation-ws-front.jpg

Arbeiten mit dem Gerät

Auf diesem NAS läuft ein Windows Storage Server 2003 R2, also eine ältere Windows-Server-Variante. Hier wäre natürlich eine neuere Windows-Version vorteilhafter gewesen, da man auf die Updates von Microsoft angewiesen ist und diese für neuere Versionen länger verfügbar sein werden.

Generell muss man nun zwischen zwei Benutzer-Kategorien unterscheiden: Die Power-User und die eher „unbedarften” User. Für einen (Windows-)Power-User ist es natürlich angenehm, dass man dieses Gerät sehr einfach per Remote-Desktop (RDP) fernwarten muss. Es lässt sich beliebige Windows-Software installieren, um das NAS um viele praktische Funktionen zu erweitern. Lediglich im Netzwerkbereich ist man auf Grund des einen Netzwerkports eingeschränkt und kann das System nicht zu einem Router o.ä. „aufbohren”.

Allerdings müssen wir den unerfahrenen Usern von diesem Gerät abraten. Es ist im Vergleich zu den webinterface-basierten Systemen sehr viel komplexer und schwieriger einzurichten. Das liegt auch daran, dass das gesamte System leider einen „zusammengewürfelten” Eindruck macht: Das Gehäuse selbst hat an der Vorderseite Tasten, die keine Funktionen ausüben (z.B. „Function”), und es hat LED-Anzeigen, welche zu überhaupt nicht vorhandener Hardware gehören (z.B. „LAN2″). Dieser Eindruck zieht sich auch durch die Software-Installation.

Man kann die Sprache von Windows zwar auf Deutsch umstellen, aber es werden eine Reihe von Utilities (LCD-Tool, EMail-Notification-Tool, etc.) eingesetzt, die teilweise nur schlecht oder gar nicht übersetzt wurden und die Konfiguration unnötig schwierig machen.

Als weiteres Beispiel sei hier z.B. der Buffalo-RAID-Builder genannt. Wozu wird dieser denn benötigt? Die RAID-Volumes kann man direkt im Festplatten-Manager von Windows anlegen. Ähnlich sinnbefreit zeigt sich das Mail-Utility:

Die Authentifizierungseinstellungen lassen nicht die Angabe der Absenderadresse zu, es wird stets die Empfängeradresse verwendet. Dies kann zu unzustellbaren Mails führen, je nachdem wie sicher der empfangende Mailserver konfiguriert ist. Auch ist der „Status Report” eher sinnlos, denn es steht kein informativer Inhalt (z.B. Festplattenausnutzung) in der Mail, sondern nur folgende Meldung: „A periodical report from “WS-QLFBC”, “192.168.1.46″”.

Uns fiel auch auf, dass sich das Gerät an der Oberseite ständig warm angefühlt hat, was uns zu einem Test des Stromverbrauchs bewegte. Dieser fällt leider auch nicht rühmlich aus, vor allem nicht für ein Gerät, welches 24/7 läuft:

- OFF (ausgeschaltet):   12 Watt
- Idle:                          38 Watt
- ReSync des RAIDS:     46 Watt
- Kopiervorgang:            42 Watt

Wir hätten uns hier für OFF und Idle doch deutlich bessere Werte erwartet. Leider scheint das Gerät nicht automatisch in einen Stromsparmodus zu verfallen, wenn längere Zeit nichts passiert. Auch im „ausgeschalteten” Zustand sind 12 Watt absolut zu hoch, hier müsste <1 Watt reichen.

Das Ausschalten selbst ist bei diesem Gerät auch nicht so einfach: Den Einschaltknopf auf der Vorderseite darf man NICHT verwenden. Falls man dort drauf drückt, passiert entweder gar nichts oder aber das Gerät wird hart ausgeschaltet. Dann hat man beim nächsten Hochfahren erstmal einen sehr langen ReSync der ganzen RAID-Volumes vor sich. Und während dieses Vorganges darf man das Gerät auch nicht ausschalten, sonst fängt es beim nächsten Start wieder komplett von vorne mit dem Rebuild an.

Je nachdem, was man mit diesem Windows-System neben der reinen Datenspeicherung noch alles anstellen möchte, muss man auch einen Virenscanner installieren. Dies bremst allerdings das NAS-System herunter, denn es hat nur 1 GB RAM. Hier hätte man für den Preis ruhig etwas mehr RAM spendieren können.

Wir haben natürlich auch ein komplettes Recovery des Windows-Servers ausprobiert. Hierzu benötigt man allerdings ein externes USB-Laufwerk (was auch nicht unbedingt jeder Endnutzer zu Hause hat, zumal dann nicht, wenn man das System dringend wiederherstellen muss). Der Rest geht recht einfach: CD einlegen, einen Kopf am NAS drücken und das Image wird auf das NAS gespielt und dann dort entpackt. Schwieriger wird es dann, wieder Zugriff auf seine Daten zu bekommen. Hier hatten wir bei zwei Versuchen unterschiedliche Ergebnisse: Beim ersten Mal gelang es nicht mehr das RAID-5 wiederherzustellen ["Unspecified error  (80004005)." und "INTERNAL Error - The disk group contains no valid configuration copies  (C10000B6)."]. Dies darf bei einem NAS-System unter keinen Umständen passieren, hier MUSS eine Lösung vorhanden sein, welche einen Restore ohne Datenverlust der Datenpartition möglich macht. Beim zweiten Versuch hat es dann geklappt. Es mussten zwar mehrfach die Volumes wieder reaktiviert werden, bis der ReSync schluss- und letztendlich geklappt hat, mit wirklichen „Live”-Daten würde dem Nutzer aber schon sehr mulmig bei der ganzen Aktion werden.

Diese ganzen Aktionen wie Disks-Reimportieren, RAIDs-Aktivieren und Datenträger-in- dynamische-Datenträger-Konvertieren sind von einem „normalen” Endbenutzer nicht ohne Weiteres durchzuführen. Hier sieht man klar den Fokus auf die semi-professionellen User und nicht die Endbenutzer.

Positiv ist uns noch das recht grobe Vlies in der Frontklappe aufgefallen, welches etwas von dem Staub, der sonst in das Gehäuse gezogen würde, aufhalten kann. Leider ist die Reinigung nicht ganz einfach, da ein paar Schrauben gelöst werden müssen, um das Vlies zu entnehmen. Praktisch wäre hier ein Klick-Verschluss gewesen.

Wir haben das System an unseren Mess-Server direkt über einen Gbit-Switch angeschlossen, um den SMB-Durchsatz beim Schreiben und Lesen verschieden großer Dateien zu messen. Dabei schafft es die TeraStation, sich vor allem lesend geschwindigkeitsmäßig deutlich von der breiten Masse der (preiswerteren) NAS-Geräte abzusetzen. Schreibend ist die Geschwindigkeit leider nicht so gut.
(Note: 2,3: Gewichtung: 60 Prozent)

buffalo-terastation-ws-offen.jpg

Vorteile für Händler

Das Thema Backup und Storage sind schon länger ein wichtiges Thema, aber gerade jetzt, durch den Preisverfall bei SATA-Festplatten, sind diese Punkte nochmals deutlich in den Fokus gerückt. Denn eigentlich jeder Kunde benötigt eine sichere, einfache und praktikable Backup-Lösung. Hier bietet sich für den Händler eine gute Möglichkeit, sowohl Hardware als auch Know-how an den Kunden zu verkaufen. Denn jedes gute System muss eingerichtet und gewartet werden, was auch hier zutrifft, denn einem „normalen” Endkunden kann man die sinnvolle (!) Installation und Konfiguration kaum zumuten.
(Note 2,3; Gewichtung: 30 Prozent)

buffalo-terastation-ws-rueckseite.jpg

Fazit mit Empfehlung

Das Fazit für die TeraStation WS fällt zweischneidig aus: Einerseits macht das Gerät einen zusammengestückelten Eindruck (Hardware und Software-Realisierung), andererseits ermöglicht es aber auch viele Software-Erweiterungsmöglichkeiten für erfahrene Windows-Administratoren und glänzt durch eine gute Lesegeschwindigkeit. Vor allem der letzte Punkt bringt die TeraStation WS auf ingesamt vier ChannelPoints, da das NAS die meiste Zeit „nur” als Datenspeicher dient und nicht dauernd umkonfiguriert wird.

Wertung

Durchschnittsnote (Schulnotensystem): 2,2 entspricht 4 ChannelPoints

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Die ausführliche Benotung der einzelnen Testkriterien finden Sie in der folgenden PDF-Datei: Bewertungstabelle Buffalo TeraStation WS.

Jedem Hersteller ist es selbstverständlich freigestellt, sich zu unseren Tests zu äußern. Wir haben folgende Hinweise/Anmerkungen von Buffalo erhalten, die wir gerne an diesen Test anhängen:

Der TeraStation Windows Server ist konzipiert für den professionalen Einsatz in Active Directory Umgebungen. Das Betriebssystem Windows Storage Server 2003R2 Express Edition ist die derzeit aktuelle OEM-Version der Storage Server.

Der Einsatzzweck dieser Maschine ist es, Storage Server zu sein. Da die OEM-Version nur eine Netzwerkkarte erlaubt und zudem Routingfunktionen deaktiviert sind, sollte dieses System auch seiner Bestimmung entsprechend eingesetzt werden. Dank dieses professionellen Systems bietet der TeraStation Windows Server eine nahtlose Integration selbst in weltweite Active Directory Strukturen und unterstützt die Administratoren in vollem (Funktions)Umfang.

Unbedarften Endanwendern ist von diesem System dringend abzuraten, da es sich nicht um eine Consumer-NAS der LinkStation Serie oder eine linuxbasierte B2B-NAS der TeraStation Serie handelt. Kundige Serveradministratoren werden sich dank des Remote Desktop und des nativen Microsoft Server Betriebssystems sofort zurechtfinden.

Der TeraStation Windows Server ist ein Nischenprodukt, dass allerdings dank seines nativen Microsoft Betriebssystems ohne weiteres als nahtlose Erweiterung bestehender ADS-Domänen mit allen Anforderungen an natives NTFS und Unterstützung der gesamten Policy-Strukturen genutzt werden kann.

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