HTC HD Mini – Ein Revival von Windows Mobile?
CP product expert: Christian Fasold, FaSoft, cfasold@fasoft.de
Hersteller und Name des Testgeräts: HTC HD Mini T5555
Testzeitraum: Juni/Juli 2010
UVP: 420 Euro (inkl. MwSt., ohne Vertrag)
Bezugsquellen und HEK: www.channelpartner.de/produkt-scout
Distributoren: Brightpoint
HTC HD Mini – Ein Revival von Windows Mobile?
Erster Eindruck
Die weiße Verpackung macht einen positiven Eindruck: Diese ist sehr kompakt und damit der Verpackung eines iPhones ähnlich. Der gute Eindruck hält weiter an: Das HD Mini sieht sehr schick aus und hat kompakte Abmessungen. Es besitzt keine Hardware-Tasten, sondern kapazitive Oberflächen, die auf Spannungsfelder durch Berührung reagieren. Insgesamt hinterlässt das Smartphone einen wertigen Eindruck.
Das mitgelieferte Netzteil gefällt ob der sehr kleinen Abmessungen. Leider fehlt eine mitgelieferte Display-Schutzfolie. Eine mehrsprachige Kurzanleitung in Papierform wird mitgeliefert, allerdings keine Micro-SD-Karte. Ein weiterer negativer Punkt: Es wird kein Mini-USB-Stecker verwendet, so dass man auf das spezielle Ladekabel angewiesen ist. Schade, denn eigentlich verwenden viele Hersteller – wie übrigens auch HTC – nur noch Mini-USB-Stecker zum Laden. Weiterhin fällt auf, dass es keinen Stylus-Stift mehr gibt. Damit entfällt eine durchgehende Benutzerschnittstelle, welche für die Bedienung mit dem Finger ausgelegt ist.
Die erste Schwierigkeit ist, das Gerät zu öffnen. Leider kann der Deckel nur mit etwas Kraft und Fingernagel-Einsatz gelöst werden. Hoffentlich sind die Plastiknasen, die den Deckel halten, so robust konstruiert, dass sie dem häufigeren Öffnen etwa für die Speicherkarte standhalten!
Das Gerät liegt dank der Abmessungen gut in der Hand und sieht mit dem Display-Glas, das über dem kapazitiven Touchscreen liegt, auch noch sehr schick aus. Zudem lässt sich das Display bei direktem Sonnenlicht gut ablesen. Auch die kleine LED gefällt, die den Ladezustand, eingegangene SMS oder verpasste Anrufe anzeigt. Diese Signalfunktion bieten andere Geräte wie das iPhone nicht.
(Note: 1,0; Gewichtung 10 Prozent)
Arbeiten mit dem Smartphone
Nach dem Einschalten des HTC Smartphones erwartet einen ein längerer Bootvorgang, der typisch für Windows Mobile ist. Dann erfolgt sogleich die Begrüßung durch den praktischen Einrichtungsassistenten von HTC, der die Benutzer durch die nötigen Grundeinstellungen führt. Nach der erfolgreichen Ersteinrichtung meldet sich die Software HTC Sense, mit der die meisten Funktionen direkt aus der Oberfläche heraus durchgeführt werden können. Das ist auch dringend nötig, denn die Bedienung von Windows Mobile in der vorliegenden Version 6.5.3 ist kaum auf Fingerbedienung ausgelegt – von Einfachheit und Bedienlogik gar nicht zu sprechen. Das heißt: Wenn man keine spezielle Oberfläche aktiviert, ist Windows Mobile 6 absolut nicht konkurrenzfähig gegen konkurrierende Betriebssysteme wie Android und iOS.
Die Navigation durch die Menüpunkte erfolgt ruckelfrei. Die grafische Oberfläche wirkt zwar sehr ansprechend, ist aber nicht durchgehend logisch. So verlagert sich die Position der Buttons für „OK” und „Abbruch” derart, dass man leicht auf den falschen Knopf drückt. Leider dreht sich die Anzeige nicht immer automatisch mit dem Gerät. Ein weiteres Windows-Manko ist, dass die Eingabemaske den Blick auf die Eingabe selbst versperrt.
Beim Anschluss an den Rechner kann das Smartphone als USB-Stick angemeldet werden, der trickreich und praktisch eine PDF-Anleitung integriert. Die Bedienelemente von HTC Sense sind wohl durch das iPhone inspiriert worden, was der Bedienung nur gut tut. Trotzdem gibt es Mängel wie etwa die Ansicht der eMails: Hier läuft der Zähler nicht synchron mit der im Hintergrund herunter geladenen Anzahl der eMails. Außerdem fehlt offensichtlich die Möglichkeit, eine in HTC Sense gelesene eMail wieder auf den ungelesenen Zustand zu setzen. Das ist im praktischen Betrieb sehr störend, denn so muss man das eigentliche Windows Mobile-Mailprogramm aufmachen, um die Nachricht auf „ungelesen” zurückzusetzen.
Ein weiteres Manko betrifft das Multitasking: Windows Mobile erlaubt Multitasking der Anwendungen. Leider fand sich auch kein Weg aus HTC Sense heraus, im Hintergrund laufende Programme schnell zu beenden. Das ist für unerfahrene Nutzer schlecht, da sich mit diesen Programmen auch die Akkulaufzeit verkürzt. Dagegen ist die Installation von Opera als Standard-Browser ein positiver Punkt.
Damit komme ich direkt zu den Multitouch-Fähigkeiten: Diese sind leider nur rudimentär vorhanden. In einigen Applikationen kann man zwar mit zwei Fingern den Zoomgrad verändern – allerdings funktioniert es nur sehr hakelig und in relativ großen Schritten. Wenn es auch noch um das Browsen und Lesen von eMails geht, deklassiert das iPhone absolut das Windows Mobile-Gerät. Für die Ersteinrichtung eines eMail-Accounts muss man HTC Sense verlassen, um wirklich alle wichtigen Einstellungen vornehmen zu können. Die Bedienung und Anzeige bei Windows Mobile ist einfach nur hakelig, langsam, umständlich und nicht gerade intuitiv.
Allerdings gelingt dem Gerät die problemlose und perfekte Synchronisation in Echtzeit mit dem lokal installierten Outlook. Doch mit den Apps kommt das nächste Problem: Bei der Installation einer Applikation stellt sich die Frage des Speicherortes. Viele Anwender werden wohl alles auf den Telefonspeicher installieren und dann später feststellen, dass dieser überläuft und das Telefon kaum noch funktioniert. Eine installierte Applikation lässt sich nicht so einfach auf die Speicherkarte schieben, sondern muss erst deinstalliert und dann komplett neu installiert werden.
Das ist unpraktisch. Dazu kommt der magere „Windows Marketplace”: Von den gerade einmal 202 Applikationen sind viele teuer und ohne nennenswerten Mehrwert. Da hilft auch die einfachste Installation nicht darüber hinweg, dass sich in diesem Fall mit dem Kauf eines Smartphones die Erwartung vieler nützlicher Programme nicht erfüllt. Telefonieren kann ich schließlich auch mit jedem normalen Handy.
(Note: 1,7; Gewichtung: 60 Prozent)
Vorteile für Händler
Das Gerät selbst ist im Vergleich zur großen Konkurrenz recht preiswert. Die Einrichtung des Gerätes und das Zubehör versprechen ein kleines Zusatzgeschäft. Und über das Angebot eines Datentarifes lassen sich auch dort noch ein paar Euro dazu verdienen.
(Note: 2,2; Gewichtung: 30 Prozent)
Fazit mit Empfehlung
Die Zeit von Windows Mobile ist, nach unserer Meinung, in der derzeitigen Realisierung abgelaufen. Es stehen kaum noch Applikationen oder Applikations-Updates zur Verfügung. Neue und sinnvolle Apps werden hauptsächlich für iOS oder Android programmiert. Das wissen die Hersteller: HTC setzt auf die neue Variante mit Android, und Microsoft arbeitet am Nachfolger: Windows Mobile 7.
Das Gerät selbst ist wirklich ansprechend, die Größe perfekt für ein Smartphone und das Design schick. Jedoch lassen sich alltägliche Aufgaben, die über das Telefonieren hinausgehen, immer noch schneller und effizienter mit dem Konkurrenzprodukt iPhone erledigen. Neue Perspektiven bietet die Android-Variante des HTC HD Mini, auf dessen Testergebnisse wir alle gespannt sind. Der Windows-Vorgänger eignet sich aber immerhin für Anwender, die hauptsächlich die durch HTC Sense abgedeckten Standardfunktionen nutzen möchten. Dieser Zielgruppe kann man dieses Gerät auch wegen des relativ guten Preises ohne Vertrag empfehlen.
Wertung
Durchschnittsnote (Schulnotensystem): 1,8 entspricht 4 ChannelPoints
Die ausführliche Bewertung der einzelnen Testkriterien finden Sie in der folgenden PDF-Datei:
Bewertungstabelle HTC HD mini T5555.



