Ricoh GelSprinter GX e3350N
CP product expert: Christian Fasold, FaSoft
Hersteller und Name des Testgeräts: Ricoh, Aficio GX e3350N
Testzeitraum: Juni – Oktober 2010
UVP: 308,21 (inklusive Mehrwertsteuer); derzeitiger Straßenpreis: 210 Euro (inkl. MwSt.)
HEK und Bezugsquellen: www.channelpartner.de/produkt-scout
Distributoren: Systeam
Gel-Drucker: Die Alternative zu Tintenstrahlern und Laserdruckern?
Die häufigsten Druckertypen, über die man in Tests und auf Werbeplakaten liest, sind Tintenstrahldrucker und Laserdrucker (Farbe und Schwarzweiß). Aber seit geraumer Zeit gibt es eine neue Druckertechnologie: die Geldrucker. Diese sollen eine Alternative zu S/W-Lasern sein und Mehrwerte wie schnellen Druck ohne Aufwärmen, geringen Stromverbrauch und weitere Vorteile bieten. Wir haben uns in einem Langzeittest einen dieser Geldrucker genauer angesehen und im Büroalltag getestet.
Erster Eindruck/Haptik
Die Größe des Kartons ließ uns einen Farblaserdrucker vermuten. Nach dem Öffnen der Verpackung war es aber doch schnell klar, dass es sich um den erwarteten Gel-Sprinter handelte. Positiv: Als Zubehör lagen auch ein USB-Kabel und ein Netzwerk-Kabel bei. Dass andere Hersteller hier die paar Cent für die Kabel einsparen, ärgert uns immer wieder. Denn teilweise sind die Informationen, ob nun ein Kabel beiliegt, den Datenblättern nicht zu entnehmen, sodass man immer noch prophylaktisch entsprechende Kabel zum Kunden mitnehmen muss. Das hat Ricoh bei diesem Drucker gut gemacht – hier sind alle Kabel direkt mit dabei.
Beim Aufbau des Druckers gab es keine Überraschungen: Wir haben den Drucker per Netzwerkkabel angeschlossen, die Transport-Klebestreifen entfernt und das Papierfach mit Papier bestückt. Zu den Patronen ist Folgendes zu sagen: Auf Nachfrage zum Thema „Umweltverträglichkeit“ hat uns der Hersteller mitgeteilt, dass die Geräte und das Verbrauchsmaterial aus Spezialplastik auf Mais-Basis hergestellt und über ein Sammelsystem recycled werden. Weiterhin trägt das Gerät laut Hersteller einen „Blauen Engel“, welcher sicherstellt, dass der Geldrucker in den vom Siegel getesteten Bereichen umweltverträglich arbeitet. Aber vielleicht könnte man zusätzlich die Patronen kleiner machen – denn ob die Patrone tatsächlich komplett mit Gel gefüllt ist, können wir nicht sagen, da wir keine der Patronen aufgebrochen haben.
(Note 1; Gewichtung 10 Prozent)
Arbeiten mit dem Gerät
Beim ersten Einschalten arbeitete der Drucker erst einmal recht lange vor sich hin; dabei wurde das Gel durch die Schläuche zum Druckkopf gepumpt. Leider sind die Anfangspatronen (wie bei vielen anderen Druckern auch) nicht komplett befüllt, sodass rund 50 Prozent der Anfangsbefüllung in den Schläuchen verschwindet. Allerdings ist diese Gelmenge nicht verloren, sondern es fällt nur auf, wie gering die Anfangsbefüllung der mitgelieferten Patronen ist.
Die erste Einrichtung betraf die Netzwerkeinstellungen direkt am Drucker. Dieser hat ein hochklappbares Display und Tastenfeld, was für die Ablesbarkeit des Displays je nach Aufstellungsort des Druckers sehr vorteilhaft ist. Als Minuspunkt beim Display muss festgehalten werden, dass es nur zweizeilig und unbeleuchtet ist. Warnhinweise sind teilweise auf Grund der nicht vorhandenen Beleuchtung nur schwer und wegen kryptischer Abkürzungen (wie “Trck.verz (Dup)” oder “Wie.hrst.fe. S.”) nur mit sehr viel Kreativität verständlich. Heutzutage sind größere, beleuchtete und damit auch besser ablesbare Displays bei vielen anderen Geräten und Herstellern schon Standard, und solch ein Display wäre auch hier wünschenswert.
Die weitere Einrichtung haben wir über das Web-Interface gemacht, welches sehr übersichtlich gestaltet ist. Hier besteht die Möglichkeit, einen Teil der Hardware (das Ethernet-Board) upzudaten, aber leider nicht die Firmware des Druckers selbst. Warum das nicht möglich ist, bleibt uns verborgen. Um ein Firmware-Update zu tätigen, muss ein Windows-Programm heruntergeladen werden. Der Drucker darf zum Beginn des Updates nicht im Standby-Modus sein, was uns umständlich vorkam. Warum das Update-Programm selbst den Drucker nicht aufwecken kann, haben wir nicht nachvollziehen können. Wenn der Drucker dann manuell aus dem Standby geholt wurde, war das Update aber problemlos einzuspielen.
Ein paar Einstellungen wie der Stromspar-Modus sind nicht im Webinterface, sondern nur direkt am Eingabepanel des Druckers durchführbar.
Positiv herauszuheben ist die Unterstützung von SMTH-Auth für die E-Mail-Meldungen des Druckers, welche im ernsthaften Einsatz unerlässlich ist (uns wundert es immer wieder, dass einige „professionelle“ Produkte diese Funktion nicht besitzen).
Nach der Ersteinrichtung des Druckers selbst folgte die Treiberinstallation, welche sich mit rund vier Megabyte für den PCL-Treiber erfreulich kompakt darstellt. Alternativ gibt es noch einen RPCS-Treiber, der 13 MB benötigt und laut Hersteller noch weitere Einstellungsmöglichkeiten im Vergleich zum PCL-Treiber bietet. Windows 7 kann leider den Treiber nicht selbst automatisch online finden, dieser muss manuell von der Ricoh-Seite heruntergeladen werden.
Danach haben wir bei dem Drucker den Stromverbrauch gemessen, dieser fiel (vor allem natürlich im Vergleich zu einem S/W-Laser) mit seinen Watt-Werten sehr positiv aus:
- AUS: 0 W
- PowerDown: 4.2 W
- Standby: 7.5 W
- Drucken: 10 ->17 W (kurzzeitig 30 W)
Im Betrieb selbst gefällt der Drucker ob seines schnellen Starts von Druckjobs, der eingebauten Duplex-Funktion und der schnellen Druckgeschwindigkeit. Ebenso ist der Ausdruck nach ein paar Sekunden bereits wischfest, und nach Aussage des Herstellers sogar dokumentenecht (das entsprechende PTS-Prüfungszeugnis ist am Ende des Artikels verlinkt). Damit kann sich der Drucker positiv von der Mehrheit der Tintenstrahldrucker abheben, welche in der Regel keine Dokumentenechtheit vorweisen können. Daher eignet sich der Gel-Drucker auch für Behörden oder Arztpraxen, wo man bisher sonst auf Laserdrucker oder sogar auf Nadeldrucker angewiesen war.
Während des Druckvorgangs erzeugt der Drucker eine deutlich vernehmbare Geräuschkulisse. Im Standby und kurz nach dem Ausdrucken ist der Drucker jedoch geräuschlos – bis auf eine Art „Wartung“, welche der Drucker gefühlt alle 15 Minuten durchführt. Dabei gibt er eine Art hochfrequentes Fiepsen von sich; der Stromverbrauch erhöht sich kurz auf acht Watt und auch die Beleuchtung des breiten blauen “Online”-Buttons wird in dieser Zeit sichtbar heller. Auch der Hersteller konnte uns nicht sagen, was der Drucker da genau macht. Aber da auch ein zweites Testgerät das gleiche Verhalten gezeigt hat, ist davon auszugehen, dass dies ein gewollter Vorgang ist. Unsere Vermutung: Vielleicht läuft das Gel ganz langsam aus den Druckköpfen, und es wird dann während der „Wartung“ zurückgezogen oder gepumpt.
Nun zum Thema Druckbild:
Die Geschwindigkeit beim Drucken in Farbe oder S/W ist beeindruckend. Das Gerät wird als Ersatz für einen S/W-Laser positioniert, und dies ist absolut angemessen. Der S/W-Ausdruck auf Normalpapier ist nicht zu bemängeln, und das mit all den Vorzügen des schnellen Druckstarts, der Geräuschlosigkeit nach dem Druck und des geringen Stromverbrauchs.
Eine nicht so glückliche Figur macht das Gerät aber beim Farbausdruck auf Normalpapier: die Farben sind flau und fahl. Es reicht für einen internen Ausdruck, bei dem Textteile farblich hervorgehoben werden, aber definitiv nicht für einen Farb-Ausdruck, der für einen Kunden bestimmt ist. Die farbliche Qualität beim Ausdruck verbessert sich deutlich, sobald Fotopapier verwendet wird, dass einzelne Seiten in akzeptabler Farbqualität ermöglicht. Allerdings ist das Auswechseln des Papiers zu aufwendig und die Papierkosten für das spezielle Fotopapier zu hoch, wenn man häufiger umfangreichere Farbausdrucke in guter Qualität erzeugen will. Für solche Ausdrucke haben wir in der Testzeit wieder unseren Farblaser mit Normalpapier aktiviert.
Im Laufe des Tests ist leider einer der beiden Drucker beziehungsweise vielmehr der nicht selbst austauschbare Druckkopf – kaputt gegangen. Dieser wäre aber innerhalb der ersten beiden Jahre auf Garantie kostenlos ausgetauscht worden. Hier wäre ein selbst austauschbarer Druck-Kopf praktisch, um die Ausfallzeit des Gerätes (und die Kosten nach der zweijährigen Garantie) so niedrig wie möglich zu halten.
(Note 2; Gewichtung 50 Prozent)
Vorteile für den Kunden
Wie gesagt besticht der Geldrucker mit dem dokumentenechten und schnellen Druck, niedrigen Stromverbrauch und umweltschonenden Konzept. Für eine leichte Abwertung sorgen bestimmte manuelle Einstellungen, verwaschene Farbdrucke und der laute Betrieb.
(Note 2; Gewichtung 20 Prozent)
Verkaufsargumente und Marge
Dies ist bis jetzt bei unseren ChannelPartner Tests das erste Mal, dass wir auf die Schnelle keinen eTailer finden konnten, welcher das Gerät preiswerter als der Distributor anbietet. Das ist für den Händler auf jeden Fall schon einmal ein positiver Punkt. Was wir allerdings gar nicht verstehen können – und was potenziellen Kunden schwer zu vermitteln sein dürfte – ist, dass eine weitere Papierkassette nur ein paar Euro preiswerter ist als der gesamte Drucker! Hier sollte Ricoh noch einmal über seine Preisgestaltung nachdenken.
Auf Grund der Dokumentenechtheit ist das Gerät für Händler, welche auch Kundensegmente mit genau dieser Anforderung beliefern, eine interessante Alternative zu Laserdruckern.
(Note 2; Gewichtung: 20 Prozent)
Gesamtfazit
Insgesamt waren wir mit dem Gerät sehr zufrieden. Es hat zwar ein paar Nachteile, wie die großen Gehäusemaße, den Lautstärkepegel im Betrieb (wobei man einen leicht dröhnenden Kopf bekommt, wenn der Kollege ein Paper mit 30 Seiten ausdruckt) und ein verbesserungswürdige Bedienkonzept wie ein zu kleines Display. Allerdings hat er auch positive Seiten, wie schnellen Druckstart, hohen Seitendurchsatz und dokumentenechten Druck bei gefühlt geringem Gelverbrauch. Aber ganz klar muss gesagt sein: Dieser Drucker ist für repräsentative Farbdrucke auf Normalpapier das falsche Gerät. Aber als Allround-Drucker für interne (auch leicht farbige) Ausdrucke und S/W-Drucke können wir ihn vorbehaltlos empfehlen.
Wertung
Durchschnittsnote (Schulnotensystem): 1,9 entspricht 4 ChannelPoints
PTS-Prüfungszeugnis: Download als PDF-Datei.
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