Insolventer Online-Händler

Conrad Electronic ist an Getgoods interessiert



Matthias Hell ist Experte in Sachen E-Commerce und Retail sowie  Buchautor. Er veröffentlicht regelmäßig Beiträge in renommierten Handelsmagazinen und E-Commerce-Blogs. Zuletzt erschien seine Buchveröffentlichung "Local Heroes 2.0 – Neues von den digitalen Vorreitern im Einzelhandel".
Nur wenige Tage nach der Insolvenzanmeldung von Getgoods liegt beim Bundeskartellamt ein Antrag der Handelskette Conrad Electronic vor. Wie es auf der Homepage der Behörde heißt, ist der Elektronikhändler am Erwerb wesentlicher Vermögensteile der Getgoods.de interessiert.
Unklar ist, ob sich Conrad auch für eine Übernahme des Getgoods-Standorts Frankfurt/Oder interessiert
Unklar ist, ob sich Conrad auch für eine Übernahme des Getgoods-Standorts Frankfurt/Oder interessiert
Foto: GetGoods

Nach der Pleite des Online-Händlers Getgoods geht es weiterhin Schlag auf Schlag. Ende vergangener Woche bestätigte das Amtsgericht Frankfurt an der Oder, dass das bereits als vorläufige Insolvenzverwalter eingesetzte Tandem aus Rüdiger Wienberg von hww Wienberg Wilhelm und Christian Graf Brockdorff von der Kanzlei BBL Bernsau Brockdorff die Insolvenz des Elektronikversenders regeln soll.

Nun sieht es so aus, als hätten die Insolvenzverwalter bei der Suche nach Übernahmeinteressenten bereits einen ersten Kandidaten gefunden. Auf der Webseite des Bundeskartellamts findet sich ein am 27.11.2013 eingegangener Antrag von Conrad Electronic auf den „Erwerb wesentlicher Vermögensteile der Getgoods.de“. Die Sache wird unter dem Aktenkennzeichen B7-100/13 als laufendes Zusammenschlussverfahren geführt.

Ein Sprecher von Insolvenzverwalter Rüdiger Wienberg bestätigte auf Anfrage von ChannelPartner, „dass zurzeit Verkaufsgespräche mit der Firma Conrads geführt werden und dass diese bereits weit fortgeschritten sind“.

Update: Inzwischen bestätigte auch Conrad Electronic auf Anfrage von ChannelPartner das Interesse an einer Übernahme von Getgoods: "Beim vorläufigen Insolvenzverwalter laufen Verhandlungen zu einer Übernahme des B2C-Geschäfts durch Conrad", so eine Sprecherin des Unternehmens. Zu den laufenden Verhandlungen könne man noch keine weiteren Auskünfte geben.

Conrad ist Multichannel-Musterschüler

Dass sich Conrad für Getgoods interessiert, ist dabei eine durchaus überraschende Entwicklung. So hatte der traditionsreiche Elektronikhändler seinen Zweit-Onlineshop cxtreme.de im Oktober 2010 eingestellt und zuvor auch zu der Schließung des Online-Händlers Digitalo.de beigetragen, an dem Conrad beteiligt war. Die Elektronikkette erklärte damals, man wolle sich auf seine Kernkompetenzen konzentrieren und den Conrad.de-Onlineshop wieder in den Fokus rücken.

Tatsächlich präsentiert sich Conrad in letzter Zeit als Multichannel-Musterschüler und strebt eine weitgehende Verbindung von Onlineshop und Filialen an (ChannelPartner berichtete). Die Notiz auf der Webseite des Bundeskartellamts lässt offen, welche Pläne Conrad mit dem Interesse an Getgoods verfügt. Das Spektrum könnte dabei von einer Fortführung des Geschäfts am Standort Frankfurt/Oder über die reine Übernahme der Online-Marken Getgoods und HoH bis zum Kauf einzelner Unternehmens-Assets reichen. (mh)

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