13.10.2008 | 09:00 Uhr

Trotz Basel II und steigender Zinsen

Mittelständler lassen Kreditwürdigkeit schleifen

Die Kreditvergabe wird teurer und immer restriktiver gehandhabt. Schuld sind die Basel-II-Richtlinien und vor allem die steigenden Zinsen und internationalen Kreditkrisen. Wenn ein Unternehmer Fremdkapital braucht, muss er die geplante Investition noch sorgfältiger dokumentieren, noch höhere Sicherheiten bieten, Geschäftsdaten noch umfassender offenlegen. Für kleine Firmen wird es schwierig, überhaupt einen bezahlbaren Kredit zu bekommen. Dennoch ist die eigene Kreditwürdigkeit vielen Mittelständlern immer noch nicht wichtig genug. Wertorientiertes Management und Buchhaltung sind angesagt.

Bonitätprüfung wird schärfer

"Die US-Wirtschaft wird in erster Linie von der Immobilienkrise in eine Rezession getrieben, die sich mit Zeitverzug auch auf die Exportnation Deutschland übertragen wird. Wenn auch keine Kreditklemme existiert, wird die Kreditaufnahme teurer und die Bonitätsprüfung schärfer werden", prophezeit Oliver Holtemüller, Konjunkturexperte und Professor für Makroökonomie der RWTH Aachen. Dabei haben allein die strengeren Bonitätsprüfungen durch die Basel-II-Richtlinien schon Firmen zur Aufgabe gezwungen, die vor 2007 mit einer wohlmeinenden Hausbank durchaus Überlebenschancen gehabt hätten.

Das weiß auch Doris Dreyer, Geschäftsführerin und erfahrene Beraterin des 1984 gegründeten, mittelständischen Software-Hauses FibuNet aus Quickborn, das Systeme für die Finanzbuchhaltung und das Controlling entwickelt: "Auch wir kennen extreme Fälle aus unserer jahrelangen Beraterpraxis. Plötzlich werden Kredite nicht gewährt oder nicht verlängert, weil die Unterlagen nicht mehr den neuen Anforderungen nach Basel II entsprechen. Dann rächt sich schlechte Datenqualität in der Finanzbuchhaltung und ein fehlendes Controlling. Manche Unternehmen suchen erst dann externe Hilfe, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist."

Rating-Kriterien - die große Unbekannte

Eine mitreißende Story und gute Bilanzen allein entlocken dem Banker von heute nur ein müdes Lächeln. Mittelständler, die einen Großteil ihrer Investitionen über externe Kredite finanzieren, müssen den eigenen Unternehmenswert kennen und kommunizieren können. Wo stehen wir? Wo geht es hin? Wie viel Eigenkapital haben wir? Entstehen Liquiditätsengpässe und warum? Was wäre, wenn? Nur wer solche Fragen beantworten kann, darf auf bessere Konditionen, eine kurzfristige Erhöhung des Kreditvolumens oder die Finanzierung größerer Investitionen hoffen.

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