Professionelle Kommunikation
Das alltägliche Mittel, sich als Führungskraft in die Dynamik des Alltags einzubringen, ist die Kommunikation. Professionalität in diesem Zusammenhang bedeutet die Fähigkeit andere schnell und gut zu verstehen und sich selbst klar und wirkungsvoll auszudrücken. Sprachsicherheit, Einfühlungsvermögen und Menschenkenntnis tragen gleichermaßen dazu bei, diese Fähigkeit zu bestimmen, zu entwickeln. Gute Manager nutzen alle heute zur Verfügung stehenden Medien in wohl abgewogener Weise, um sich mit ihrer Umwelt auszutauschen und um die gewünschte Wirkung zu erzielen. Grundsätzlich gilt: So klar wie möglich ausdrücken, sachliche Informationen mündlich und schriftlich kommunizieren, emotionale Aspekte der Führungsarbeit (ganz besonders bei Konflikten!) stets im persönlichen Gespräch angehen, in vertrauensvoller Atmosphäre und ohne Menschen "vorzuführen".
Der Entwicklung der deutschen Gesellschaft zur multikulturellen Gesellschaft und Wirtschaftsgemeinschaft sollte zunehmend Rechnung getragen werden. Führungskräfte sollten integer, glaubwürdig und ohne diesbezügliche Vorurteile in die Verantwortung gehen. Die Fähigkeit, Menschen aus unterschiedlichen Kulturen zu gemeinschaftlicher Leistung zu führen, wird deutlich wichtiger und ist in naher Zukunft unverzichtbar. Glaubwürdigkeit bedeutet keineswegs, die eigenen Überzeugungen über den Haufen zu werden. Sie bedeutet vielmehr eine grundsätzliche, positive Offenheit gegenüber anderen kombiniert mit aufgearbeiteten, transparenten eigenen Leitlinien. Nur so zu tun, als ob, das reicht sicher nicht aus. Die heutige Welt ist global und vielfältig. Und sie erlaubt gleichzeitig Authentizität und Identität auf nationaler Ebene genauso wie auf Unternehmensebene. Schwache sind schnell in der Defensive, Starke Führungskräfte verstehen es zu begeistern und zu vereinen.
Wissen und Methodik
Gute Führungsmethodik bezieht sich heute in der westlichen Welt vor allem das situative Führen (nach Blanchard und Hershey). Das Wechselspiel von direktiv und kollegial, von anweisen und delegieren ist gefragt. Eine kompetente Führungskraft stellt sich auf die Situation des Teams und den Reifegrad des einzelnen Mitarbeiters ein. Sie ist nicht direktiv oder kollegial, sondern anpassungsfähig, also sowohl als auch, je nach Ausgangssituation und Entwicklungsziel. Die fundierte Ausbildung im Situativen Führen ist heute unbedingter Standard bereits ab Teamleiterebene aufwärts. Methodisch sollten darüber hinaus gute Kenntnisse in Konfliktmanagement, in der Moderation von Meetings, sowie in der Präsentation/Rhetorik aufgebaut werden. Der Aufbau von führungspsychologischem Wissen steht über viele Jahre auf dem Lehrplan auch fortgeschrittener Führungskräfte.
Persönlichkeit und Wirkung
Beinahe automatisch erfolgt ein beständiger Abgleich von Eigenbild und Fremdbild, also Klarheit über die eigene Person im Zusammenspiel mit anderen. Kluge Führungskräfte legen sich rechtzeitig Mentoren intern oder extern ("Jeder gute Manager hat einen guten Coach.") zu, die in der Lage sind, ihnen qualifiziertes Feedback zu geben und das eigene Handeln auf geeignete Weise über Feedback zu reflektieren. Die häufig anzutreffenden "Erfolg gibt Recht" oder "Der Zweck heiligt die Mittel"-Haltungen deuten dagegen eher auf eine fehlerhafte Prägung in der frühen Entwicklung hin, denn auf Reife und positive Führungskompetenz.
Die Vorbildfunktion ist in der Führungsarbeit immer noch von großer Bedeutung. Mitarbeiter dürfen zu Recht eine glaubwürdige, integre Person erwarten, die Verantwortung für einen erklecklichen Teil ihres Lebens, und Arbeit ist ein Teil des Lebens, trägt. Kommt noch eine Portion Ausstrahlung und Charisma hinzu, dann lassen sich Mitarbeiter noch besser anpacken, begeistern und mitreißen. Eine gute Mischung aus Einfühlungsvermögen und Dominanz schafft die Basis für ein gelebtes Situatives Führen. Fehlen sollte keines von Beiden. Im Zweifelsfall, das zeigen viele Erfahrungen und Gespräche mit Teams, werden Führungskräfte mit "Hart-aber-gerecht"-Persönlichkeit so genannten "Weicheiern" allemal vorgezogen. Klare Ansagen ans Team oder den Einzelnen sind immer noch leichter hinzunehmen, als unkonturiertes Herumlavieren.
Der Weg ist das Ziel
Zu hohe Erwartungen? Ein kaum erreichbares Profil? Keineswegs. Selbstverständlich fallen auch Führungskräfte nicht vom Baum wie reifes Obst. Passt die grundsätzliche Persönlichkeit, ist genügend Substanz und der Wille, sich zu entwickeln vorhanden, so lässt sich vieles von dem was benötigt wird über die Zeit erfahren und erlernen. Stück für Stück, Baustein für Baustein. Gute Mitarbeiter sind das wichtigste Kapital unserer Unternehmen. Dieses Kapital muss sorgfältig, verantwortungsvoll und mit hoher Kompetenz gehandhabt werden.
Apropos erlernen: Wenn in unserem Lande Privatpersonen annähernd Zweitausend Euro für ihren Führerschein zu bezahlen in der Lage sind, um ein Kfz durch den öffentlichen Straßenverkehr bewegen zu dürfen, so sollten Unternehmen allemal in der Lage sein, in einen "Schein für Führungskräfte" zu investieren. Diese Investition zahlt sich sehr konkret aus: Zufriedene, engagierte Mitarbeiter, Teams, die Hand in Hand arbeiten, ein hoher Grad an Kreativität, verlässliche Loyalität und letztendlich eine hohe Wettbewerbsfähigkeit. Überragende Produkte, gelebte Kundenorientierung und überdurchschnittliche Gewinne resultieren aus all' diesen Qualitäten. Zeigt sich doch in den Unternehmen, die im Punkt Führungsqualität stark aufgestellt sind: Gute Führung führt zu guter Leistung. (mf)
Karl Heinz Lorenz (44), Diplom Betriebswirt (BA), Managementtrainer und Coach ist Inhaber von Lorenz-Seminare Personality-&Competence-Training, Weidenthal/Pfalz.
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