Desktop-Virtualisierung und Virtual PC
Der PC ist tot – es lebe der virtuelle Client?
Desktop-Virtualisierung kann Unternehmen viele Vorteile bringen und klassische stationäre PCs überflüssig machen. Doch in der Praxis gibt es Tücken.
von Jörg Tewes (Solution Manager Flexible Workplace, Computacenter AG & Co. oHG)
Geht es nach dem Willen einiger Softwarehersteller, werden nach Server- und Storage-Systemen zunehmend auch Desktop-PCs virtualisiert: Laut einer Umfrage von Vanson Bourne unter mehr als 1.000 Unternehmen ziehen knapp 90 Prozent der IT-Manager weltweit eine Client-Virtualisierung in Betracht. Auch für mittelständische Unternehmen in Deutschland scheint das Konzept interessanter zu werden. Eine Studie von Pierre Audoin Consultants (PAC) kommt zu dem Ergebnis, dass bereits fast ein Viertel der Mittelständler virtualisierte Desktopumgebungen einsetzen, weitere 25 Prozent planen demnach die Einführung.
Trotz solcher Erhebungen hat die Desktop-Virtualisierung in der Praxis noch lange nicht den Durchbruch geschafft. Dieser Ratgeber soll Unternehmen Entscheidungshilfen geben und die praktische Umsetzung erleichtern.
Vorteile der Desktop-Virtualisierung
IT-Abteilungen stehen vor neuen Herausforderungen: Zum einen müssen sie die wachsende Komplexität ihrer optimierten IT-Umgebungen verwalten. Zum anderen müssen sie gleichzeitig Lösungen anbieten, die dem Wunsch der Mitarbeiter nach freier Endgeräte-Auswahl sowie der beruflichen Nutzung privater Geräte entsprechen. Bei der Bewältigung des Spagats zwischen diesen Anforderungen kann die virtualisierte Bereitstellung von Clients helfen. Sie ermöglicht eine einfache Zentralisierung der Administration aufgrund des durchgängigen „Rund um die Uhr“-Zugriffs auf die virtuellen Clients – und erleichtert so die Verwaltbarkeit. Der Administrator kann sich jederzeit auf einen beliebigen Rechner aus der Ferne aufschalten, dort Konfigurationen und Einstellungen ändern sowie das System hoch- und wieder herunterfahren. Updates, Patches und neue Softwarepakete müssen nicht mehr mühsam an alle Desktops einzeln verteilt werden. Stattdessen ändert der Administrator die Masterdisk, die zentral und in einem Schritt sämtliche Desktoprechner im Unternehmen auf den neuesten Stand bringt. Mit dieser Methode kann sich der Administrator auch sicher sein, dass die Aktualisierungen tatsächlich auf jedem Client umgesetzt werden und nicht einzelne Rechner Fehlermeldungen anzeigen oder Abbrüche produzieren, die eventuell nicht bemerkt werden.
Wirft man einen Blick auf die Anwenderseite, ermöglicht die Desktop-Virtualisierung Mitarbeitern mehr Flexibilität bei der täglichen Arbeit sowie bei der Geräteauswahl: Der virtuelle Desktop ist jederzeit und mit jedem beliebigen Gerät erreichbar. Anwender können mit Desktop-PC, Notebook, Tablet oder Smartphone von überall auf ihre persönliche Arbeitsumgebung mit allen individuellen Einstellungen zugreifen. Voraussetzung dafür ist eine Online-Verbindung in das Firmennetzwerk sowie die Eingabe von Einwahl- und Zugangsdaten. Entsprechende Clients und Receiver stehen dabei für praktisch jeden Gerätetyp zur Verfügung.
Doch nicht alle theoretischen Aussagen gelten auch hundertprozentig in der Praxis. So ist darauf zu achten, in welchen Kombinationen welche Funktionen möglich sind. Zum Beispiel hatten iPads bei Verwendung mit einigen virtuellen Clients lange Zeit Schwierigkeiten damit, Grafikdaten zu cachen. Auch das Weiterleiten von USB-Geräten auf virtuelle Clients ist nicht immer ganz einfach, da die Hersteller unterschiedliche Receiver-Software einsetzen. Deren Zusammenspiel mit dem auf dem Client installierten Betriebssystem funktioniert nicht immer reibungslos. In der Vergangenheit behoben aktuellere Versionen meist einen Teil der Probleme.
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