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21.06.2007 | 00:00 Uhr

Geheimnisvolles 3D

Von Hans-Jürgen Humbert

Als Display dient ein modifizierter Plasma- oder TFT-Bildschirm. "Bis auf die direkte Ansteuerelektronik der einzelnen Bildpunkte haben wir alles herausgerissen und durch eigene Technik ersetzt", erzählt der Unternehmenssprecher von Charisma. Die Bildschirmoberfläche wurde dagegen nicht verändert. Keinerlei Prismen engen den Blickwinkel ein. Deshalb können auch mehrere Personen vor dem Monitor 3D-Effekte direkt ohne Spezialbrillen genießen. Und jetzt kommt das Schönste: Für die Wiedergeabe in 3D ist nicht einmal eine spezielle Aufnahmetechnik notwendig. Selbst alte Schwarz-Weiß-Filme würden deutliche 3D-Effekte zeigen. Das Gerät würde alles schlucken, was ihm an Videosignal angeboten würde. Selbst HD-TV könne in 3D abgespielt werden.

Doch nun kommt der Wermutstropfen: Was genau hinter dieser Technik steckt und wie sie arbeitet, will das Untenehmen nicht verraten, aber wir konnten diese Technologie persönlich in Augenschein nehmen.

Ortstermin

Im niedersächsischen Rastede, einem kleinen Dorf in der Nähe von Oldenburg, befindet sich der erste Showroom von Charisma. Dank der guten Beschreibung der Geschäftsführerin Elenore Jantzen finden wir das kleine Einfamilienhaus, das eigentlich als Showroom für das Unternehmen "Klangkultur" dient, auf Anhieb. Klangkultur hat sich auf den Vertrieb und Einbau von hochwertigen Audioanlagen spezialisiert. In den 3D-Monitoren von Charisma sieht das Unternehmen eine ideale Ergänzung zu seinem bisherigen Portfolio.

Ein großes Plasma-Display und eine Surround-Anlage dominieren den Raum. Für die Demonstration legt Jantzen den Film "Vertical Limit" auf DVD ein. Bei der DVD handelt es sich um die Standardausgabe, an der laut Jantzen nichts verändert wurde.

Schon die ersten Bilder sind beeindruckend. Es sind deutliche 3D-Effekte zu erkennen, außerdem erscheint das Bild viel konturenschärfer und kontrastreicher als im Kino. Die 3D-Effekte spielen sich aber nicht vor dem Bildschirm, wie bei Anschauen mit einer Spezialbrille, ab, sondern man schaut quasi in die Tiefe des Displays.

"Woher zum Teufel weiß die Elektronik, welche Pixel vorne liegen?", ist mein erster Gedanke. Doch zur Technik will sich Jantzen nicht äußern. "Erstens bin ich keine Technikerin, und zweitens dürfte ich nichts sagen", lautet ihr Kommentar. Dann erzählt sie aber bereitwillig von einer Vorführung, bei der ein Journalist anwesend war, der seit seiner Geburt nur ein Auge besaß. Für räumliches Sehen sind immer zwei Augen notwendig. Durch lebenslange Übung habe der Mann sich aber ein quasi-räumliches Sehen angeeignet. Die Effekte auf dem Charisma-Monitor seien für ihn viel stärker sichtbar gewesen als für die übrigen Teilnehmer. "Er hat übrigens sofort ein Gerät geordert", fügt sie lächelnd hinzu.

Dann schiebt sie eine alte Star-Wars-DVD in den Player. Auch hier treten beeindruckende 3D-Effekte auf. Das Bild erscheint zudem kontrastreicher, konturenschärfer und farbenprächtiger - und das, obwohl es sich nur um ein PAL-Signal handelt.

Den Abschluss der Demonstration macht schließlich noch ein Live-Mitschnitt eines Robbie-Williams-Auftritt. In Verbindung mit der hervorragenden Surround-Anlage fühlt man sich mitten ins Konzert versetzt. Robbie scheint zum Greifen nah auf der Bühne zu stehen.

Neben Privatkunden interessieren sich auch das Militär und die Medizintechnik für diese Technologie, da sich auch Grafiken besser darstellen lassen. Selbst Spiele sollen sich in 3D in Echtzeit darstellen lassen. "Wir haben einmal probeweise die PlayStation 3 angeschlossen und mussten unsere Jungs praktisch von der Konsole wegreißen", erzählt Jantzen lächelnd.

Kein billiges Vergnügen

Rund 11.000 Euro muss der Technikbegeisterte für die kleine Anlage, bestehend aus einem modifizierten 42-Zoll-Plasmamonitor und dem dazugehörigen Steuergerät, auf den Tisch legen. Das Steuergerät besitzt die Abmessungen von üblichen Hi-Fi-Geräten mit 43 Zentimetern Breite. Einen Blick ins Innere des Steuergerätes verweigerte Jantzen. "Unsere Geräte sind sogar mit einem Selbstzerstörungsmechanismus ausgestattet, um ein Abkupfern der Schaltung zu verhindern", sagt sie.

Die Technologie auch an andere Unternehmen weiterzugeben sei im Augenblick nicht geplant. Bei den Preisen ist auch ein Verkauf über Flächenmärkte kein Thema. Dagegen setzt Charisma auf eine zahlungskräftige Klientel, der das Unternehmen ein Rundum-Sorglos-Paket anbieten will. Und hierfür sucht Charisma noch Partner, die genau diese Klientel als Kundschaft haben, so Jantzen.

Charisma
Facts & Figures

Das Unternehmen Charisma Technologies GmbH (www.charisma-tv.de) wurde Anfang 2007 gegründet. Heute beschäftigt es rund 20 Mitarbeiter an vier Standorten in Deutschland. Hauptsitz ist Oldenburg, wo auch die Abnahme und die Endkontrolle der Geräte erfolgen. Showrooms gibt es in Rastede, Hamburg und München. Dort können sich interessierte Partner und auch Endkunden von der Qualität der Charisma-Geräte überzeugen.

„Psychologie und Technik“
Kommentar

So geheimnisvoll wie Charisma die Technik zu verschleiern versucht, habe ich in meiner ganzen Zeit als Redakteur noch bei keinem Unternehmen erlebt. Dass die Technik funktioniert, habe ich gesehen. 3D-Effekte sind deutlich zu erkennen. Ohne jedoch einen Blick auf die Technik werfen zu dürfen, kann ich mir beim besten Willen nicht erklären, wie sie wirklich funktioniert. Es scheint mir aber eine Mischung aus Psychologie und Technik zu sein. Die Effekte sind vorhanden, lassen sich jedoch nur schwierig beschreiben, und ob sie gar messtechnisch erfassbar sind, wage ich zu bezweifeln. Aber das Bild ist wirklich beeindruckend und abgesehen von HDTV das Beste, was ich je auf einem Bildschirm gesehen habe.

Da Charisma aber keine Fotos vom Innenleben des Steuergerätes erlaubt, kann ich mir vorstellen, dass das technische Verfahren recht simpel ist. Ob dabei für die Bilddatenerzeugung auch eine CPU notwendig ist, glaube ich dagegen nicht. Denn dann würde die Intelligenz der Schaltung in der Software liegen, und ein Foto von der Platine würde nur einen Rechner zeigen. Gegen einen Mikroprozessor spricht auch, dass keinerlei Boot-Zeit erforderlich ist. Meiner Meinung nach arbeiten im Steuergerät einige raffinierte Laufzeitschaltungen, die minimale Schatten im Bild erzeugen. Und eine solche Schaltung würde ein routinierter Techniker auf den ersten Blick auf die Hardware erkennen. Vielleicht erlaubt Charisma deswegen keine Fotos und rüstet die Hardware mit einer Selbstzerstörung aus ...

Außerdem sollen auch HD-Signale von der Schaltung direkt verarbeitet werden können. Dazu wäre aber ein nur höchstleistungsfähiger Prozessor imstande, der auch im Normalmodus zumindest ab und zu einen Pixelfehler produzieren würde. Davon war während der gesamten Demo aber nichts zu erkennen.

Vielleicht haben auch Sie eine Theorie, wie ein solcher 3D-Effekt entstehen könnte. Schreiben Sie mir einfach eine E-Mail an hhumbert@channelpartner.de.

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