05.08.2009 | 13:45 Uhr

Berechnung in ms

Nvidia verspricht interaktives Raytracing

Anlässlich der Computergrafik-Konferenz SIGGRAPH in New Orleans hat Nvidia ein Lösungspaket zur Applikationsbeschleunigung vorgestellt. Dazu zählt mit "OptiX" die laut Unternehmen "weltweit erste interaktive Raytracing-Engine", mit deren Hilfe bislang minutenlange 3D-Grafikberechnungen in Sekundenbruchteilen möglich werden sollen. Gamer, die auf eine Grafikrevolution für virtuelle Spielwelten hoffen, müssen sich aber wohl noch gedulden. Denn OptiX setzt laut Nvidia auf die Rechenleistung von Grafikkarten aus der Serie Quadro FX für Workstations. Die Raytracing-Engine ist somit für Anwendungen in Industrie und Wissenschaft gedacht.

Die OptiX-Engine verspricht Entwicklern die Möglichkeit, mittels traditioneller C-Programmierung für diverse Applikationen einen besonders hohen Grad an Realismus interaktiv umzusetzen. "Interaktiv heißt zwar noch nicht unbedingt Echtzeit mit 30 Bildern pro Sekunde (fps) oder mehr", meint Nvidia-Sprecher Jens Neuschäfer. Abhängig von der Applikation und dem Modell seien aber zehn und fallweise sogar über 30 fps möglich.

Als Anwendungs-Beispiele führt Nvidia neben photorealistischem Rendering allgemein etwa Automobil-Design, optische Simulationen und Strahlungsanalysen ins Treffen. "Besonders relevant sollte derart schnelles Raytracing für die Rekonstruktion von 3D-Szenen aus mehreren Ansichten sein", meint Joost Batenburg vom Vision Lab der Universität Antwerpen. Dieses Problem sei mathematisch ähnlich seinem Spezialgebiet, der durchleuchtenden Tomografie. "Bei der Szenen-Rekonstruktion sieht man aber nur Reflektionen, was unmittelbar nach Raytracing verlangt", so Batenburg.

Damit, dass zunächst Industrie und Wissenschaft bedient werden, geht Nvidia bei seiner Raytracing-Engine einen ähnlichen Weg wie das US-Start-up Caustic Graphics, das im März eine Hardware-Beschleunigung für Raytracing-Anwendungen in Aussicht gestellt hat. Währen Caustic definitiv davon gesprochen hat, in weiterer Folge auch PCs und Konsolen bedienen und damit Raytracing auch für Unterhaltungsanwendungen zugänglich machen zu wolllen, ist Nvidia etwas vorsichtiger.

"Raytracing für Spiele ist noch nicht praktikabel, da die Rechenleistung aktueller Grafikkarten nicht für Bildwiederholraten von 60 fps und mehr ausreicht", sagt Neuschäfer. Raytracing in Kombination mit Rasterizing werde aber langsam auch für PC-Spiele interessant und in Zukunft auch auf den Desktop-Grafikkarten der GeForce-Serie laufen. "Reines Raytracing wird über Jahre noch nicht in PC-Spielen Einzug halten, da sie immer auch auf Midrange- und Einstiegskarten laufen sollen", glaubt der Nvidia-Sprecher. Er verweist darauf, dass gerade echte Erfolgstitel wie World of Warcraft oder Sims 3 mit moderaten Hardwareanforderungen auskommen.

Die Raytracing-Engine ist nur eine Komponente eines Gesamtpakets zur Applikationsbeschleunigung. Dieses umfasst mit "Scenix" ein interaktives Framework zur Verwaltung von 3D-Grafikdaten in kommerziellen Produkten wie Autodesk ebenso wie Inhouse-Anwendungen. Die "CompleX"-Engine wiederum dient dazu, auch bei umfangreichen, komplexen Modellen mithilfe der kombinierten Rechenleistung mehrerer Grafikprozessoren die Interaktivität von Anwendungen zu sichern. Eine 64-Bit-Version der aus der Games-Welt bekannten PhysX-Engine letztlich verspricht eine realistische Darstellung physikalischer Effekte. SceniX und CompleX stehen für Entwickler zum kostenlosen Download bereit, OptiX und die 64-Bit-Version von PhysX sollen im Herbst 2009 folgen. (pte/rw)

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