20.09.2007 | 10:59 Uhr

SAP lüftet Geheimnis um neue Mittelstandssoftware

"Mit "SAP Business ByDesign" beginnt für SAP eine neue Ära", sagte SAPs Vorstandssprecher Henning Kagermann anlässlich der Vorstellung des neuen gehosteten Mittelstandsangebots in New York. SAP füge seinem bestehenden Geschäft ein komplett neuartiges Geschäftsmodell hinzu und verändere damit den Marktplatz für On-Demand-Applikationen. Der SAP-Chef bezeichnete die Lösung, die der Softwarekonzern in den vergangenen Jahren unter dem Codenamen A1S entwickelt hatte, als umfassendste On-Demand-Lösung am Markt. Anwenderunternehmen könnten damit das komplette Spektrum ihrer Business-Anforderungen abdecken.

Nach Einschätzung der SAP-Strategen könnten sich weltweit rund 600.000 Firmen für das Mietpaket interessieren. Das Marktpotenzial taxiert der Konzern auf rund 11 Milliarden Euro. Ansprechen wollen die badischen Softwerker in erster Linie Anwenderunternehmen mit 100 bis 500 Mitarbeitern, die bislang keine integrierte Business Software einsetzen. Dieser Klientel verspricht Kagermann ein umfassendes Funktionsangebot, hohe Benutzerfreundlichkeit, Flexibilität und geringe Betriebskosten.

In Deutschland soll Business ByDesign 133 Euro pro User und Monat kosten. SAP verlangt eine Mindestlizenzierung von 25 Nutzern pro Kunde. Kagermann rechnet indes mit durchschnittlich 50 Business-ByDesign-Usern pro Anwenderunternehmen. Darüber hinaus will SAP spezielle Gruppenpreise für Benutzer anbieten, die das System nur in begrenztem Umfang nutzen beispielsweise für die Erfassung von Reisekosten. Die Preise sollen hier bei 49 Euro für fünf Anwender pro Monat beginnen.

Business ByDesign – die Fakten

Verfügbarkeit: ab sofort in Deutschland, USA, China, Großbritannien und Frankreich;

Preis: 133 Euro (149 Dollar) pro User und Monat, Gruppenpreise für selektive Nutzung ab 49 Euro (54 Dollar) pro Monat für fünf Nutzer;

Mindestnutzer: 25;

Firmengröße: 100 bis 500 Mitarbeiter.

Derzeit betreiben SAP-Angaben zufolge 20 Kunden in den USA und Deutschland die neue Mietlösung live. Zudem gebe es Pilotanwender in Großbritannien, Frankreich und China. Im kommenden Jahr sollen Australien, Indien, Italien, Kanada, Mexiko, die Niederlande, Skandinavien, Spanien und Südafrika dazukommen. Weitere Länder würden 2009 folgen. Den aktuellen SAP-Plänen zufolge sollen 2010 weltweit rund 10.000 Kunden mit Business ByDesign arbeiten. Nach den Worten von SAPs Vertriebsvorstand Leo Apotheker will der Hersteller sein On-Demand-Paket Schritt für Schritt herausbringen und die einzelnen Märkte nacheinander aufrollen. Legt man die oben genannten Zahlen zugrunde, könnte die Mietlösung in drei Jahren knapp 800 Millionen Euro zum Jahresumsatz des Konzerns beisteuern. Es ist allerdings zu erwarten, dass die Preise in den verschiedenen Zielländern variieren werden, so dass dieser Beitrag niedriger ausfallen dürfte.

Allerdings muss SAP auch einiges investieren, um den On-Demand-Stein ins Rollen zu bringen. Seit vier Jahren arbeitet der Konzern laut SAP-Vorstand Peter Zencke an dem System. Über 1000 Mitarbeiter seien an der Entwicklung beteiligt gewesen. Bis Ende 2008 will SAP zwischen 300 und 400 Millionen Euro in neue Konzepte für den Vertrieb, Service und Support investieren. Im ersten Halbjahr 2007 hat SAP bereits 50 Millionen Euro davon verbraucht. Der Aufwand für die zweite Hälfte des Jahres soll höher liegen. Eine genaue Zahl wollten die SAP-Verantwortlichen allerdings nicht nennen.

Business ByDesign – die Grenzen

Nach Einschätzung von SAP soll die neue Mietlösung den bestehenden Mittelstandsprodukten nicht in die Quere kommen. Das On-Demand-Angebot werde sich zwischen Business One und Business-All-in-One einreihen. Mit Business One will der Softwareanbieter Firmen mit weniger als 100 Mitarbeitern bedienen. Das System komme mit einfach strukturierten Geschäftsprozessen und kleineren Transaktionsvolumina zurecht, hieß es. Business ByDesign sei dagegen in der Lage, komplexere Prozesse sowie größere Transaktionsmengen zu bewältigen. Das System könne verschiedene Standorte, Geschäftsbereiche und Niederlassungen unter einen Hut bringen. Die Mietlösung richte sich an Firmen mit 100 bis 500 Mitarbeitern. In diesem Kriterium überschneidet sich die Mietlösung mit Business-All-in-One, das laut SAP Unternehmen zwischen 100 und 2500 Mitarbeitern adressiert. Allerdings biete der Konzern mit Business-All-in-One seinen Kunden eine tiefgehende Anpassung an einzelne Branchen.

Spekulationen, das On-Demand-Angebot könnte auch eine Lösung für Konzernkunden sein, erteilt Kagermann eine Absage. Das System sei ausschließlich für den Mittelstand gedacht. Allerdings, so räumt der Konzernlenker ein, würden sicherlich auch die Großunternehmen die neuen Softwareservices genauer unter die Lupe nehmen.

SAP hat in den zurückliegenden Monaten ein großes Geheimnis rund um seine neue Mietsoftware für den Mittelstand gemacht. Nur tröpfchenweise sickerten seit der ersten Ankündigung Anfang 2007 die Informationen in den Markt. Diese Geheimniskrämerei sorgte jedoch für Unruhe unter den Anwendern und Partnern des Softwarekonzerns. Lange war nicht klar, welche Rolle von Business ByDesign im Reigen der SAP-Applikationen einnehmen sollte. Branchenbeobachter spekulierten, der Druck der Börse habe den Softwarekonzern zu einer frühzeitigen Ankündigung der neuen Lösung gezwungen. Die Planungen in der Walldorfer Vorstandsetage seien zu diesem Zeitpunkt jedoch noch längst nicht spruchreif gewesen.

Kostenlosen Themen-Newsletter "Small Medium Business" bestellen!
Gehe zu Seite:
zurück
  • 1
  • 2

Kommentar ins CP forum schreiben